Philippi, viele alte Steine, Griechen, Römer und Byzantiner -Weiterfahrt nach Bulgarien

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Dienstag, 05.10.2021 und Mittwoch 06.10.2021

Es wird jetzt jeden Morgen etwas kühler und erst gegen 10 Uhr Ortszeit beginnen wir mit der Besichtigung. Senioren und natürlich SeniorINNEN über 65 Jahren erhalten in Griechenland für alle antiken Stätten Eintrittskarten zum halben Preis – hier 3€ p.P.

Das erste große Gebäude ist das am Hang angeklebte Theater. Die Steine insbesondere in den unteren Reihen sind noch original und sehen jetzt grau und stumpf aus. An einigen Stellen, wo etwas relativ frisch abgeplatzt, abgeschlagen ist, kommt aber ein weißer Granit zum Vorschein und das muss früher einmal sehr prächtig und hell gewesen sein. Die Römer haben, als klassische Dramen nicht mehr so en vogue waren, kurzerhand die untersten Sitzreihen rausgerissen und eine Arena für Gladiatorenkämpfe daraus gemacht.

Amphitheater / Arena
Amphitheater / Arena
Amphitheater / Arena
Amphitheater / Arena

Weiter am Hang entlang kommt man zur Basilika „A“, dann zu einem Freiplatz, von dem links eine Treppe hinunterführt zur Via Egnatia, der „Römerautobahn“ zwischen Rom und Konstantinopel. Links vom Treppenabgang wird eine halb eingestürzte Klause als „Prison of Paulus“ deklariert.

Lageplan: Oben rechts ist das Theater, dunkel gefärbt das Forum, darüber die Via Egnatia und Basilika A, darunter die Basilika B und rechts davon das Oktagon, links am Bildrand Basilika C und Museum
Basilika „A“
Basilika „A“
Basilika „A“
Basilika C
Vor dem Museum

Weiter geradeaus und etwas den Hügel hinauf gelangt man zu einer unfertigen Ausgrabungsstätte, die als Basilika „C“ benannt wurde und dahinter zu dem Museum mit einigen interessanten Exponaten.

Museum
Museum

Auf der anderen Seite der Via Egnatia, die mit etwa 1m² großen Granitsteinen gepflastert ist, in denen sich Rillen der Wagenräder abzeichnen, stehen wir auf einem knapp Fußballfeld großen ebenfalls so gepflasterten Forum, an das sich ein Marktstandreihe anschließt. Dahinter ragen in einer gesperrten Restaurierungsbaustelle mit großem Kran Reste der Basilika „B“ zweigeschossig empor.

Forum mit diagonal zur rechten oberen Ecke verlaufender Via Egnatia, bei den Büschen vorne das Gefängnis von Paulus
Paulus Gefängnis
Forum am oberen Bildrand Basilika „B“, dazwischen Ladengalerie
Basilika „B“
Basilika „B“
Römische Baukunst
Römische Baukunst
Basilika „B“
Basilika „B“

In direkter Nachbarschaft, schon wieder zurück in Richtung Theater liegt das wegen seiner Fußbodenmosaike überdachte „Oktagon“ – wohl eine christliche Überbauung eines vorchristlichen Heiligtums. Nach nicht ganz 3 Stunden sind wir erschöpft wieder am Womo.

Oktagon-Bereich
Oktagon-Bereich
Oktagon-Bereich
Der Hügel hinter Phillippi

An Baumwollfeldern vorbei passieren wir die Stadt „Drama“, um dann rechts abzubiegen und durch einen lang gezogenen Passaufstieg in sehr schöner Landschaft auf die bulgarische Grenze zuzufahren.

Baumwollfeld

Der etwa 200 m lange „Tunnel der griechisch bulgarischen Freundschaft“ trennt die beiden Zollstationen.

Bei der Einreise geht es erst zur medizinischen Station – Impfzertifikat oder Test, dann Pass und Autopapierkontrolle. Es folgt eine Zollkontrolle – zwischen 2 EU-Staten (?) oder war da nur jemand neugierig auf unser Womo? Als 4. Station kommt dann die Mautstation: Pkws brauchen eine Vignette, die zeitabhängig zu bezahlen ist. Dickschiffe über 3,5 Tonnen, wie wir werden analog zu Österreich mit einer streckenabhängigen Maut belegt, die aber nicht auf allen Straßen anfällt, sondern nur auf Autobhnen und einigen Schnellstraßen. Die Mautfreigabe wird vor dem Befahren an speziellen Stationen elektronisch erfasst und dann durch Videokameras überwacht.

Grenztunnel

In der ersten Stadt, Goce Delcev, suchen wir einen Bankomat und kommen an einem Lidl vorbei, was uns Zeit kostet, so dass wir nacher erst im Dunkeln ankommen. Wohin wollen wir eigentlich für die Nacht? Etwa 40 km weiter östlich in den Ausläufern der Rhodopen zeigt die Karte einen See mit Campingsymbol in Dospat. Auf dem Weg sehen wir zahlreiche Stellen mit aufgeschichteten Polygonalplatten und einem Gapelstapler sowie einem kleinen Hüttchen. Offenbar wird hier in Form von Ich-AGs die alte Kunst des Steineklopfens gepflegt.

Steineklopfer und Pferde

In Dospat suchen wir nach dem Camping und werden von einer netten Frau in Englisch angesprochen: „Etwa 2 Kilometer zurück und dann rechts abbiegen und nochmal 3 Kilometer weiter.“ Auf üblem Weg durch den Wald kommen wir vor dem schon saisonal geschlossenen Camping an und übernachten neben dem Weg an der Einfahrt zum Platz.

Übernachtungsplatz

Am nächsten Morgen packen wir Reiseführer und Karten aus und überlegen, welche Ziele wir in den nächsten Tagen ansteuern sollen. Plovdiv soll sehr schön sein, aber die Parkplatzsituation ist lt. ADAC Reiseführer fraglich geeignet für unser Dickschiff. Die Rede ist von sicheren ParkHÄUSERN, in die wir ja gar nicht hineinfahren können. Also Bogen drum herum und die Runde lieber kleiner und beschränkt auf den Südwesten halten.

Übernachtungsplatz

In Dospat tanken wir für unglauliche 1,16 € – in Griechenland lag der Preis bei 1,36 bis 1,57 €/l. Weiter geht es auf einer landschaftlich sehr schönen Strecke Nr.37 durch viel Nadelwald nordwärts.

Drospad -See
Rheinhard Schulz der WOMO Führer der Nation hätte seine Freude
Brunnen
Brunnen
Sebst an Parkbuchten für Picknick oder Fotostopp darf der „Brunnen“ nicht fehlen; man beachte: immer ein Trinkgefäß dabei

Wir folgen einem Abzweig nach rechts zu „Romantica forest Villages“. Schon denken wir, die Wohnwagensiedlung – siehe Fotos – sei damit gemeint – ist aber ein Irrtum.

Bulgarische Sommerfreizeit
Bulgarische Sommerfreizeit
Bulgarische Sommerfreizeit

Nach 3 km erreichen wir ein kleines Dorf mit ca 15 Häusern, von denen die meisten zur Vermietung im Sommer gedacht sind.

Romantika forest
Romantika forest – fast wie in Finnland oder Schweden
Romantika forest

Aber es gibt auch Ganzjahresbewohner und ein solcher kommt gerade, als wir aussteigen auf uns zu und begrüßt uns in sehr gutem Deutsch. 2 Jahre lebte er in Berlin als Musiker einer Folklorekapelle, „machte dort seine Tochter“ und kehrte dann in seine Heimat zurück. Seine Tochter studierte später in Berlin Medizin, ist dort Ärztin und verheiratet und will nicht zurück nach Bulgarien.

Das Restaurant ist über Mittag geöffnet und wir testen die bulgarische Küche. Die Speisekarte ist in rein kyrillischer Schrift gehalten, ohne Hilfe hätten wir nicht gewusst, was wir bestellen sollen. Bohnensuppe, Wildfleischbulletten und Bauernsalat, jeweils eine Portion für zwei zum Teilen sind nicht zu packen.

Hotel Restaurant Romantika forest
Hotel Restaurant Romantika forest
Hotel Restaurant Romantika forest

Wir erhalten noch einige Tipps für die Weiterfahrt, so auch, dass der auf der Karte eingezeichnete Rundweg ab hier für unser Womo nicht machbar sei und wir zurück müssten.

Wir fahren weiter bis Batak. Dort biegen wir links ab auf die 376 an den gleichnamigen See und finden dort einen geöffneten Campngplatz, auf dem eine Seabridge – Reisegruppe (Tour Abenteuer Osten) Station macht.

Die Wettervorhersage für die nächsten 7 Tage verheißt nichts Gutes: Bedeckt, Regen und niedrige Temperaturen. Der Campingplatzchef – ein Brite – empfiehlt uns, weiter in den Süden zu fahren. Wir gedenken aber, unseren Plan nicht aufzugeben: Kloster Rila, Piringebirge und Melnik, bevor es wieder zurück nach Griechenland geht.

Camping Batak
Camping Batak
Camping Batak

Die Geburtsstätte Aristoteles‘

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Montag, 04.10.

Sonnenaufgang in unserer Bucht um 6.45 Uhr – Außentemperatur 14 Grad.

Sonnenaufgang

Um 8 Uhr stehen wir auf, genießen noch einmal das herrliche Meer und fahren nach dem Frühstück 3 km weiter zu den Ruinen, die wir von unserer Bucht aus sehen konnten. Stageira oder auch Stagira ( hier gibt’s für alles mehrere Schreibweisen ) heißt die antike befestigte Stadtanlage und was wir am Vorabend schon gegoogelt haben, können wir nun auch noch einmal weiß auf blau lesen: Es ist der Geburtsort von Aristoteles.

Begrüßungstafel blau

Hier findet ihr was Wikipedia dazu alles weiß: https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles

In der Mittagszeit turnen wir 2 Stunden über Nord und Südhügel und haben dabei diese Eindrücke

Eingangstor Nord
Hier ist Mauern nicht nur Handwerk sondern auch Kunst
Eingangstor Nord – von oben
Agora und Shopping mall von oben
Agora
Amphoren Abstellplatz
Shopping mall
Heiligtum am Südende über dem Meer
Anlage eines Wohnhauses
Bed & Breakfast – gab es das damals auch schon?

Anschließend benutzen wir die Autobahn ab Stavros bis Kavalla und zahlen an zwei Mautstationen 2,30€ und 6,00€. Von dort sind es nur noch 17 km bis ins Landesinnere zur antiken Stadt Philippi. Auf dem zweiten, hinteren großen Parkplatz, der Platz böte Raum für mehrere hundert Autos, sind wir um Ortszeit 18.15 Uhr (Ausgrabungen geöffnet bis 18.30) völlig allein und haben eine ruhige Nacht. Was Paulus den Philippern mitzuteilen hatte, interessiert erst morgen, wer jetzt schon mehr wissen will: https://de.wikipedia.org/wiki/Brief_des_Paulus_an_die_Philipper

Faulenzertag am Strand – Jürgen chillt lieber

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Sonntag, 03.10.

Schon um 5.30 Uhr verheißt der Himmel einen tollen Tag.

Sonnenaufgang

Noch ist es sehr kalt, aber um 9 Uhr Ortszeit können wir schon schwimmen. Nach den Frühstück packen wir die Liegesstühle aus und genießen noch einmal die Sonne. Inzwischen steht sie auch hier nicht mehr so hoch am Himmel und hat nicht mehr die gleiche Kraft wie vor 14 Tagen. Das empfinden wohl auch die Griechen so, denn sonntags war bei schönem Wetter immer Badetag. Heute bleiben wir von wenigen Ausnahmen abgesehen völlig alleine .

Jürgen packt die Drohne aus und lässt sie das Umfeld von oben erkunden.

Unsere Badebucht
Unsere Badebucht
Unsere Badebucht
Unsere Badebucht

Um 16.30 Uhr ist es bereits zu kühl für den Liegestuhl. Wir ziehen uns wärmer an und wollen zu den alten Mauern, die man von unserer Bucht aus sehen kann und die auch auf der Karte als Sehenswürdigkeit eingetragen sind. Doch es ist weiter als gedacht. Man muss an der Hauptstraße entlang laufen. Dabei finden wir zwei weitere Abfahrten zu Sandbuchten, die aber für unser Womo kaum machbar sind.

„Mediterranes Gewächs“

Aber auch Spuren von Badetouristen, die mal eben auf’s Klo mussten, finden wir reichlich. Warum keine Dixies, die regelmäßig geleert werden, damit man sie auch benutzen kann?

Strandklo
Nachbarbucht mit Befestigungsmauer im Hintergrund

Müll ist in Griechenland sowieso ein großes Problem. Oft wird er tatsächlich einfach in die Wallachei gekippt. Aber hier am Strand glauben wir festgestellt zu haben, dass die reichlich vorhandenen Mülltonnen ohne Deckel die Ursache sind. Einerseits werden sie von Tieren auf der Suche nach Essbarem geplündert, andererseits verteilt der Wind, der oft so heftig bläst, den Müll am Strand und in der Umgebung.

Wir brechen unseren Spaziergang ab. Morgen kommen wir auf der Weiterfahrt sowieso an der alten Stadt vorbei und dann schauen wir mal.

Athos und weiter an der Ostküste

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Samstag, 02.10.

Mit Meeresrauschen vor der Haustüre haben wir wunderbar geschlafen. Doch als ich um 7 Uhr ( zu Hause 6 ) einen Blick aus dem Womo werfe, sage ich mir: „Nee, nee, nee, Christiane, leg dich bloß nochmal hin. Das wird heute nix mit 11 h Sonne und baden“.

Sonnenaufgang
Der Hinweis zu unserem Plätzchen

Jürgen schläft eh noch, also nochmal rein in die Mupfel und noch eine Runde schlafen. Um 8.30 Uhr sieht es nicht besser aus. Der Wind ist so stark, dass er die geöffnete Womotür immer wieder zuschlägt. Wir frühstücken drin, machen klar Schiff und dann packen wir mal die Bulgarienkarte aus. Wenn wir unsere Länderliste – ( neun sind es inzwischen, wenn man Deutschland mitzählt) durch Bulgarien noch erweitern wollen, dann wird es allmählich Zeit. Um in den Rhodopen zu wandern, müssten wir fast bis an die türkische Grenze fahren. Das würden noch einmal viele Kilometer Fahrerei bedeuten ( 2934 km waren es bis heute ) und wir haben noch 16 Tage bis zur Fährabfahrt in Igoumenitsa. Schön soll es auch rund um Melnik sein. Dort wird viel Wein angebaut, der weiltweit bekannt sein soll. Das Piringebirge liegt in der Nähe und bietet ebenfalls schöne Wandermöglichkeiten. Wir fassen daher eher den westlicheren Grenzübergang nach Melnik ins Auge, ohne uns fest darauf zu fixieren.

Tagesetappe

Heute fahren wir jedenfalls schon mal ein Stück weiter in diese Richtung. Den frei zugänglichen Teil von Athos haben wir schnell erkundet. Eine wunderschöne lange Sandbucht auf der Westseite des Fingers kurz vor der Grenze zum Heiligtum turnt uns an. Die Sonne ist seit 11 Uhr doch wieder da, wärmt auch noch schön, aber der Wind ist kühl. Wir finden ein halbwegs geschütztes Plätzchen und machen 1 1/2 Stunden Badepause.

Badeplatz
Badeplatz

Dann fahren wir bis ans Ende der Bucht nach Ouranopoli, den Grenzort. Dort könnte man eine Schiffsfahrt buchen und in 3 Stunden einen Teil des Athosfingers vom Wasser aus betrachten. Könnte man, muss man aber nicht! Für unser Dickschiff gibt es natürlich keinen Parkplatz, aber ein Busparkplatz ist frei. Wir sind doch ein Bus, also drauf. Wenigstens ein kleines bisschen Heiligkeit wollen wir doch abstauben. In der Saison muss hier die Hölle los sein. Jetzt geht’s. Also ein kurzer Bummel vorbei an unzähligen Souvenirläden, in denen man Ikonen, Anhänger, Silberschmuck und allerlei Kitsch erstehen kann. Fastfood in großer Vielfalt wird ebenso angeboten. Dann sieht Jürgen, dass sich ein Bus neben unser Womo gestellt hat, läuft schnell zurück und gibt den Platz wieder frei. Das war’s mit dem sightseeing, aber es war wirklich nichts Sehenswertes zu entdecken.

Ouranopoli
Ouranopoli
Ouranopoli
Ouranopoli
Ouranopoli

Nun wird es Zeit, einen Stellplatz für die Nacht zu finden. Auf Campingplätze brauchen wir nicht mehr zu bauen, das müsste ein echter Glückstreffer sein, wenn wir noch einen geöffneten finden würden. Reinhard und Waltraud Schulz haben in der Steinzeit unsere momentane Etappe in umgekehrter Richtung beschrieben und wir versuchen, in dem 2004 erschienenen Womoführer einen schönen Stellplatz zu finden, aber das funktioniert nicht mehr. Wo die Schulzens damals noch idyllisch gebadet haben, führt heute kein Schotterweg mehr hin, sondern eine mittelbreite Teerstraße verbindet Feriendörfer, die es damals in der Größe noch nicht gab. Aber wir werden selbst fündig, stehen wunderbar an einem schönen Sandstrand bei Olymbiada zwischen Stavros und Stratoni an der mazdonischen Ostküste.

Rund um die Sithonia

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Freitag, 01.10.

Heute Morgen ist es um 9.30 Uhr griechischer Zeit ( zu Hause 8.30 Uhr ) noch lausige 15 Grad warm und sehr windig. Egal, wir schwimmen noch einmal ausgiebig, duschen anschließend heiß, beobachten das Wetter noch eine Weile und beschließen dann um 11.30 Uhr, einen Fahrtag einzulegen, ehe es morgen wieder sonnig und warm wird, so die Prognose. Da wir gestern in Porto Kofou keine Drohne dabei hatten, um Luftbilder von der geschlossenen Bucht zu schießen, machen wir auf unserer Weiterreise den 100 m langen Abstecher in den Hafen hinunter. Ist es auch nicht zu stürmisch? Nicht dass das tolle Fluggerät auf’s Meer getrieben wird und hopps ist. Vorsichtig testet Jürgen im Windschatten des Womos die Kursstabilität. Geht ganz gut. Also ein Stück höher. Noch immer kein Problem, dann wagemutig hinauf zu den heute zahlreichen Wolken. Leider zeigt sich die Sonne nur verhalten bis gar nicht, sonst wären die Fotos noch schöner geworden.

Porto Kofou
Porto Kofou
Porto Kofou
Porto Kofou
Porto Kofou, die Durchfahrt

Weiter geht die Reise Richtung Süden. Jetzt ändert sich die Landschaft. Blühende Erika sprießt aus Granitfelsen und Sandstein. Immer wieder finden wir zahlreise Bienenstöcke inmitten der Erika. Der Honig, den wir auf dem Markt in Nea Moudania gekauft haben, schmeckt wunderbar und wir werden noch mehr davon erstehen.

Erika lass das – gib lieber Honig
Erika lass das – gib lieber Honig
Erika lass das – gib lieber Honig

Leider findet man immer noch und immer wieder solche Anblicke.

Pfui

Im Süden der Sithonia stürmt es noch heftiger, weshalb wir erst einmal weiterfahren. Möglicherweise hält der Athosfinger ja dann den Wind ab. Aber hier finden wir keinen geöffneten Campingplatz mehr. Außerdem sind die Berge in der Inselmitte so hoch, dass schon um 15 Uhr alles im Schatten liegt.

Sithonia
Sithonia
Sithonia

Das Womo hat Durst. In Ormos Panagias tanken wir 28,67 l Diesel für 40 Euro (1,489)

Dann biegen wir nach Osten ab. Campingplätze gibt’s hier weit und breit nicht. Also stehen wir heute Nacht kurz vor Pirgadicia in einer völlig verlassenen Ferienhaussiedlung ( Wir lieben das Ende der Saison! ) auf einem Wiesenstück am Strand mit Blick auf Berg Athos, 2033m hoch.

Stellplatz
Stellplatz
Stellplatz Blick auf Pirgadicia
Stellplatz mit Blick auf den Berg Athos 2033 m

Die Halbinsel Athos ist eine selbstständige Mönchsrepublik, vergleichbar mit dem Vatikan in Rom. 2000 orthodoxe Mönche leben hier seit Jahrhunderten in verschiedenen Klöstern. Frauen haben von jeher keinen Zutritt, da stellt sich uns die Frage: Wie konnten sie ihren Bestand erhalten? Sterben sie nicht? Selbst weibliche Haustiere sind vom Berg Athos verbannt mit Ausnahme von Hühnern, denn Ikonen malende Mönche brauchen für ihre Arbeit frische Eidotter. Angehörige anderer Religionen durften ebenfalls lange Zeit die Republik nicht betreten. Inzwischen erhalten 10 Ausländer pro Tag eine Einreisegenehmigung, das sogenannte Diamonitrion, das im Vorfeld beantragt werden muss und einen Aufenthalt von maximal 3 Tagen erlaubt.

Sithonia – versteckte Strände

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Heute packen wir den Roller aus und nehmen uns die Westküste Sithonias vor. Zuerst schauen wir uns den ca 4 km entfernten Campingplatz Areti an. er ist ebenfalls sehr schön gelegen, wenn es auch keinen Platz mit einem derart komfortablen Zugang zum Meer gibt wie auf unserem. (Ich komme ohne Brille und Schuhe hinein!!!) Bei unserem Rundgang entdecken wir nur 4 Womos. da ist hier schon noch etwas mehr los.

Unser Campingstrand

Dann fahren wir weiter der Küste entlang, zunächst auf asphaltiertem Sträßchen, dann auf gut befahrbarer Schotterpiste. Immer wieder passieren wir schön gelegene größere und kleinere Sandbuchten, in denen auch einige Womos frei stehen. Scheinbar geht es in der Nachsaison doch, wenn man sich nicht auffällig verhält.

Rollerausflug an der Küste
Rollerausflug an der Küste
Rollerausflug an der Küste
Rollerausflug an der Küste
Rollerausflug an der Küste

Unser Trip endet im kleinen Fischerdorf Porto Koufos an der gleichnamigen Bucht, die wie ein See aussieht. 1600m lang und 500 m breit ist sie durch eine felsige Halbinsel fast völlig gegen das Meer abgeschirmt. Fischerkutter landen morgens ihren Fang an der Mole an und ein Teil wird gleich von den an der Uferstraße ansässigen Tavernen aufgekauft.

Porto Kofou

Wir bekommen Appetit. Drei Lokale stehen zur Wahl, zwei sind gut besucht. Ene, mene, muh…das linke soll es sein . Wie es beim Nachbarn geschmeckt hätte, können wri nicht sagen, aber unsere Wahl war jedenfalls ein Volltreffer.

Salat
und Calamares

Jürgen bestellt sich einen Salat mit Parmesan und Pinienkernen, mich gelüstet es nach frittiertem Kalamare, Dazu geröstetes Brot mit Salz, Kräutern und Olivenöl und einen kühlen fruchtigen Muskatwein. Wunderbar.

Taverna Porto Marina

Wenn wir nicht so großes Heimweh hätten, könnten wir es so noch lange aushalten.

Bauernmarkt, alte Steine und Sithonia

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Mittwoch, 19.09.

Heute Morgen stürmt es ordentlich. Gestern Abend zog noch ein Gewitter über uns hinweg und es schüttete ganz heftig. Zu unserem morgendlichen Schwimmen können wir uns heute nicht aufraffen.

Mittwochs findet allerdings ein Bauern- und Unterhosenmarkt im nahen Nea Moudania statt. Unser Kühlschrank ist ziemlich geplündert und weiter wollen wir auch, also suchen wir nach einem Parkplatz in der Nähe des Marktes, was uns sogar ohne langes Suchen gelingt. Das Angebot erschlägt. Wir erstehen 3 kg Trauben für 1 €, 1 kg Tomaten für ebenfalls 1 €. Ziegen- und Schafskäse, Gurken, rote Zwiebeln. 1 Glas Heidekraut-Honig. Bei dem ungeheuer verlockenden Angebot an Unterhosen, Socken, T-shirts, Schuhen u.ä. können wir uns gerade noch beherrschen.

Markt in Nea Moudania
Markt in Nea Moudania
Markt in Nea Moudania
Markt in Nea Moudania
Markt in Nea Moudania

Ein kleines Stück weiter – in Olynthos – gibt’s antike Steine zu besichtigen. Aus unseren Reiseführern entnehmen wir, dass Olynthos vor 430 v. Chr. gegründet wurde und „ein Musterbeispiel für moderne Stadtplanung“ war. Der „Grundriss mit schachbrettartig angelegten Straßen und Gassen entstand auf dem Reißbrett. Alle Neusiedler erhielten durch Losentscheid ein gleich großes Grundstück in der Stadt, das sie 2-geschossig bebauen durften. Äußerlich ergab sich so der Eindruck einer Reihenhausiedlung. In der Innenraumgestaltung waren die Bauherren aber völlig frei, so dass man noch deutlich die ganz unterschiedliche Raumaufteilung in den Gebäuden erkennen kann. Wer es sich leisten konnte, verzierte die Böden zudem mit heute teilweise noch vorhandenen Mosaiken.“

Olynthos
Olynthos
Olynthos
Olynthos
Olynthos
Olynthos

Dann geht’s weiter auf den „Mittelfinger“ der Chalkidiki, die Sithonia. Das Wetter ist wieder gut, aber die ersten Campingplätze, die wir ansteuern, sind schon geschlossen. Bei Areti finden wir aber noch zwei, die geöffnet haben und entscheiden uns für „Stavros“, wo wir noch ein schönes Plätzchen direkt am Strand ergattern. 10 m bis ins Meer. Das heute Morgen ausgefallene Schwimmen haben wir nachgeholt.

Camping Stavros
Camping Stavros
Camping Stavros

Vom Shkodrasee zum Ohridsee und weiter nach Griechenland

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Mittwoch, 22.09. bis Dienstag, 28.09.

Es ist kühl und bedeckt und wir entscheiden uns daher, kein Frühschwimmen zu absolvieren, sondern gehen gleich duschen und nutzen ein Sonnenloch fürs Frühstück vor dem Auto. Dabei spricht uns ein Carthagofahrer, der nahe zum Waschhaus steht an und fragt uns nach unseren Erfahrungen mit der Marke aus. Er hat seinen s-plus im Frühjahr für annähernd 1/4 Million neu gekauft und hatte auch schon so seine Probleme. Anspruch und Wirklichkeit klaffen bei Carthago – wie sicher auch bei vielen anderen Marken – manchmal weit auseinander. Immerhin hat uns unser Womo in 6 Jahren von Gibraltar über Marokko bis zum Nordkap mehr als 60.000 km durch dick und dünn komfortabel getragen und beherbergt.

Beach des Lake Shodra Resort

Wie soll unsere Reise weiter gehen? Zumindest einen Teil der Herbstferien wollen wir ja noch gerne mit unserem jetzt Schulkind-Enkel verbringen. Bekommen wir noch eine Fähre von Igoumenitsa mit Camping an Bord? Und – wenn ja, wann? Ist Bulgarien dann noch zu schaffen – oder sollen wir uns auf Nordgriechenland beschränken? Was wollen wir noch alles in Albanien entdecken – und wie verträgt sich das mit den Weiterreiseplänen? Wir studieren Karten und Reiseführer und kontaktieren vor allen Dingen per mail das ADAC – Fährenbuchungsreisebüro in Bad Kreuznach.

Die letzte und einzige noch freie Überfahrt im Oktober von Igoumenitsa nach Ancona mit Camping an Bord sei am 18.10. Abfahrt 23.59 Uhr . Wir buchen sofort und beschließen, die kürzeste Strecke nach Kastoria in Griechenland zu wählen – laut Navi 334 km in etwas mehr als 7 Stunden auf Hauptstraßen und Autobahnstücken über Tirana und den Ohridsee. Zu der Entscheidung trägt nicht unwesentlich bei, dass auf der Seite des Auswärtigen Amtes mittlerweile Albanien als Hochrisikogebiet eingestuft wurde und wir befürchten, die Griechen könnten Ihre Grenzübergänge wieder teilweise oder ganz schließen – wie im Frühjahr.

Es wird den Tag über wettermäßig nicht besser, eher kälter. Wir nutzen auch noch einmal die Waschmaschine (4€ – in Slowenien 7€), lesen und genießen am Abend im Restaurant noch einmal das legendäre Filetsteak.

Als wollte sie uns hier halten scheint am nächsten Morgen die Sonne von einem strahlend blauen Himmel, aber wir bleiben bei unserem Plan. Stau in der Ortsdurchfahrt Shkodra und erst recht in Tirana, das im Zentrum eine einzige Großbaustelle ist. Wir halten nicht für eine Besichtigung an und finden keinen hübschen Aspekt auf der Durchfahrtsstraße.

Tirana
Tirana

Die ist eigentlich für 3 Spuren ausgelegt, aber ganz rechts ist belegt von Langzeitparkern und auf der zweiten Spur halten die Kurzzeitparker, die eben etwas am Straßenrand organisieren wollen, nur auf der 3. Spur quält sich der Verkehr mühsam zwischen Motorrädern, Radfahren und Fußgängern hindurch, die mal eben über die Straße laufen. Richtig spannend wird es im Kreisverkehr- rechts prescht jemand vor und versperrt dem Auto im Kreisel die Ausfahrt, links schiebt sich derweil das nächste Auto hinter dem „Rauswollenden“ in den Kreisel damit auch bloß kein zweiter „Rauswoller“ das eigene Vorwärtskommen blockiert. Es ist erstaunlich, dass es nicht laufend knallt, oder dass in einer Totalblockade aller Verkehr zusammenbricht.

Autobahn zwischen Tirana und Elbasan

Nach einer guten Stunde haben wir die Ortsdurchfahrt gemeistert und befinden uns auf einer gut ausgebauten Autobahn nach Elbasan und dann weiter auf Landstraße über Librazhd zum Ohridsee, wo wir nahe des Dörfchens Lin auf dem gleichen Camping „Erlin“ wie im Mai Quartier finden. Hier blühte die gepflegte Gartenanlage im Mai so üppig, doch jetzt wirkt sie eher vernachlässigt. Der Platz ist 5 Euro teurer als im Juni, spärlich belegt und wir haben den Eindruck, dass es kein richtiges Management mehr gibt.

Camping Erlin
Camping Erlin
Camping Erlin – vgl. Bild vom Frühlingsblog

Nordmazedonien liegt hier vor der Haustür, kurz hinter der Grenze liegt das Monastery Naum, das wir im Frühsommer nicht besucht hatten und da auch die Spritkosten in Nordmazedonien deutlich niedriger sind als in Albanien und Griechenland, etwa 30 bis 40 Eurcent pro Liter, beschließen wir am Freitag einen zusätzlichen Grenzwechsel. Die Kontrollen sind wieder nervig, kaum haben wir die Persos vorgelegt, ertönt ein schnarriges „documenti!!!“ wobei die Zulassungspapiere gemeint sind. Dann noch die green Card, das vaccine – certificate und dann muss noch einer kommen, der die Schranke öffnet.

Grenze zu Nordmazedonien

Das Monastery Naum befindet sich ca. 4 km hinter der Grenze. Es ist frei zugänglich, nur der Parkplatz kostet es 2,5 €. Die Gartenanlage ist wunderschön und sehr gepflegt, entlang einer Seite reihen sich unzählige Souvenirstände, die aber gut ins Gesamtbild passen. Auch die Quellen, die in einem Seitensee, dem little lake, liegen, entdecken wir heute. 6,5 bis 10 m³/s befördern sie . Wir hatten sie nach Albanien verortet und dort natürlich nicht finden können.

Karstquelle Naum
Hier gibts Glück zu kaufen – lauter Münzen im Wasser
Monasteri Naum
Monasteri Naum
Monasteri Naum
Hotel Monasteri Naum
Monasteri Naum
Monasteri Naum

Das Kloster ist längst kein Kloster mehr, sondern ein Hotel – Restaurant der gehobenen Klasse. Wahrscheinlich gibt es heutzutage mehr reiche Touristen als fromme Mönche oder Nonnen, die dem Staat mehr einbringen.

Monasteri Naum

Für den Sprit müssen wir dann allerdings noch 22 km bis Ohrid fahren. Während es in Albanien auch in kleinen Dörfern Tankstellen gibt, machen sie sich in Nordmazedonien rar.

Auf dem Rückweg wieder das gleiche Grenzspiel wie zuvor.

Es ist Nachmittag, wir sind geschwitzt und wollen wenigstens einmal im Ohridsee gebadet haben – versuchen es kurz nach der erneuten Einreise nach Albanien, brechen aber frustriert ab, nachdem wir 2 km ( :)) in knietiefem Wasser gewatet sind und noch immer nicht an schwimmen zu denken ist. Also dann auf dem kürzesten Weg zur griechischen Grenze und nach Kastoria.

„EPLF????“ ist die erste unhöflich klingende Reaktion, als ich dem griechischen Grenzbeamten unsere Papiere überreiche. European Personal Locator Form – natürlich kann ich auch damit dienen, mit einem elektronischen Beleg auf dem Handy. Schließlich haben wir uns heute morgen vor der Abfahrt aus dem WLAN von Camping Erlin damit auseinandergesetzt und das Formular elekronisch ausgefüllt. „Covid vaccination ???“ ist die nächste Frage – und als ich die auch noch mit elektronischen Belegen auf dem Handy nachweisen kann, ist er endlich bereit, sich den sonst üblichen Formalien wie Peronalausweis und „Auto-Dokumenti“ zu widmen und schwups winkt er uns durch. Der für Zollformalitäten zustandige Folgebeamte ist Womointeressent: „Open please.“ Er steht in der Tür und leuchtet mit seiner Taschenlampe in den Schlafbereich, natürlich nur, um zu schauen, dass wir niemanden über die EU-Grenze schmuggeln. Aber dann fragt er doch „How much does it cost, such a rolling house?“ – danach wünscht er uns gute Fahrt und öffnet den Schlagbaum.

Albanische Grenzstation zu Griechenland
Griechische Grenzstation

Im Griechenland beginnt sofort nach der Grenze eine 4 spurige bestens ausgebaute Autobahn, der wir bis Kastoria folgen und dort in einem Vorort am See einen Stellplatz neben Museum und Taverne finden, wie von „Parking4Night“ empfohlen und beschrieben.

Der Wirt der Taverne ist sehr freundlich und zuvorkommend. Wir genießen ein prima Abendessen und erstklassigen Service. Wir bitten auf griechisch um die Rechnung „Ton Loghariasmo paragallo“ und ernten als Dank für diesen Respekt an den Gastgeber noch einen super leckeren Nachtisch aufs Haus. Wir geben ein gutes Trinkgeld und werden mit dem Wohnmobil als „Nachbar“ in die Nacht mit einer Extraflasche Wasser verabschiedet.

Taverne mit Übernachtungsplatz

Wir haben eine ruhige Nacht und werden erst wach, als die Sonne es schon deutlich über die umgebenden Hügel geschafft hat und bereits ein erster Besucherbus eingetroffen ist. Heute ist shopping angesagt, denn Kastoria ist schließlich Griechenlands Hauptstadt für Leder- und Pelzmanufakturen.

Taverne mit Übernachtungsplatz
Taverne mit Übernachtungsplatz

Wir finden einen Parkplatz direkt am See im Zentrum, wo offensichtlich ein NL-Womo auch schon übernachtet hat und schlendern auf der Strandpromenade entlang von Geschäft zu Geschäft.

Kastoria
Kastoria
Kastoria- immer schön in der Reihe bleiben

Hier ist man wohl mehr auf inländische Kunden eingestellt als auf Touris, denn die Außenreklamen sind mehrheitlich in griechischer Schrift angelegt. Es ist nicht viel Kundschaft unterwegs und mancher Laden muss erst noch das Licht einschalten. Im vierten Laden werden wir fündig: Christiane ersteht eine raffinierte Lederjacke in creme-weiß und ich eine in Cognacton für zusammen 270 Euro. Das Ändern der Ärmellänge soll in 3 Stunden erledigt sein.

tres chic

Wir bummeln weiter und finden gleich darauf einen weiteren Laden mit einer ansprechenden Dekoration. Christiane verliebt sich in ein rotes Teil mit Kapuze, fast mantellang und auf verschiedene Weisen mit Reißverschlüssen zu schließen. Wer weiß, wann wir wieder herkommen, also nehmen wir auch das noch mit.

raffiniert

Während wir auf die Änderungen warten, stocken wir beim hiesigen Lidl unsere Vorräte wieder auf, suchen einen Campingplatz für den Abend, dessen Adresse wir dem Navi eingeben. Gegen 15.30 Uhr verlassen wir Kastoria, fahren wieder auf die Autobahn, weil man da am schnellsten vorankommt und die Umgebung auch nichts Besonderes bietet. Auf einem ACSI-platz in Methoni am Meer übernachten wir für 20 €/incl. Strom, schlafen gut und am nächsten Morgen geht’s weiter.

Sollen wir Thessalonika besuchen? Es soll dort ein interessantes archäologisches Museum geben. Aber wir erinnern uns an den Verkehr in Tirana und beschließen, mit unserem Dickschiff die zweitgrößte Stadt Griechenlands lieber zu umfahren, die absolut richtige Entscheidung, denn wir werden später ein Schweizer Paar treffen, das durchgefahren ist und vom blanken Horror berichtet hat.

Von der Autobahn um Thessaloniki
Von der Autobahn um Thessaloniki

Am engen Stil der Halbinsel Kassandra liegt unser nächster ACSI- Camping, den wir ins Navi eingegeben haben. „Ziel erreicht“ meldet es und wir stehen vor zwei Einfahrten nebeneinander, in denen jeweils eine freundlich lächelnde Lady steht und uns zu sich hereinwinkt. Wem soll ich folgen? Gehören die zusammen -oder ist das Konkurrenz? Welcher Eingang gehört zu dem Platz aus dem ACSI-Führer? Der Platz links ist der Richtige und für uns auch besser geeignet, weil er keine Schattendächer hat und und damit Sat-Empfang gewährt – schließlich ist heute Bundestagswahl.

Wir finden ein geeignetes Plätzchen , richten uns ein – nachdem ich geprüft habe, dass wir dort Empfang haben – und gehen erst einmal schwimmen. Den Wahlausgang zu kommentieren erspare ich mir.

Camping Ouzouni
Camping Ouzouni Blick Richtung Thessaloniki
Camping Ouzouni
Relaxen am Meer
Relaxen am Meer
Unerwünschter Strandgast

Frühschwimmen in einem spiegelglatten Meer von angenehmer Temperatur – danach schmeckt das Frühstück noch einmal so gut. Wir faulenzen, lesen und studieren die Reiseführer zu Chalkidiki, baden, und sonnen uns. Am Abend kommen wir mit unseren schon erwähnten Schweizer Nachbarn 3 Plätze weiter ins Gespäch, setzen uns zusammen, klönen und lassen uns Rotwein schmecken.

Sonnenuntergang über dem Olymp
Sonnenuntergang über dem Olymp

Dubrovnik und dann durch Montenegro nach Albanien Shkodra

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Montag 21.09. und Dienstag 22. 09.

Am nächsten Morgen läutet die Kirchenglocke direkt hinter dem Campingplatz um 7.30 Uhr so penetrant, dass wir in die Badeklamotten springen und ein ausgedehntes Morgenbad im Meer nehmen. Wunderbar! Duschen, frühstücken und weiter geht’s nach Dubrovnik. Zwischen Klek (Kroatien) und Nedelja (Kroatien) hat Bosnien Herzegowina einen 20 km breiten Küstenstreifen inne, so dass die Fahrt an der Küste durch 2 Grenzübergänge unterbrochen wird: Einreise von Kroatien (EU-Mitglied) nach Bosnien Hoerzegowina (Nicht EU-Mitglied) und 20 km später Ausreise aus Bosnien Hoerzegowina und Wiedereinreise nach Kroatien. Um die beiden Landesteile Kroatiens wieder direkt für den Autoverkehr zu verbinden – ohne Fähre – wurde nördlich des Bosnien – Herzegowina – Streifens eine 2,4 km lange Brücke gebaut zwischen dem Festland und der vorgelagerten Halbinsel Peljesac, die im Süden direkte Landverbindung wieder zur Kroatischen Küste hat. Den Zuschlag zum Bau der Brücke bekam 2018 der chinesische Staatskonzern CRBC. Die österreichische STRABAG ist für die Landanbindung der Brücke und die Streckenführung auf Peljesac verantwortlich. Die Chinesen sind pünktlich fertig geworden, die Brücke könnte befahren werden, aber man kommt halt noch nicht drauf.

„neue Seidenstraße“
„neue Seidenstraße“
„neue Seidenstraße“

Die Küstenstraße ist landschaftlich wirklich reizvoll, aber es ist viel Geduld erforderlich. Ständig gibt es wechselnde Tempolimits zwischen 40 km/h und 60 km/h.

Auf der D8

Nach 130 km erreichen wir über eine weitere imposante Brücke mit Blick auf das Kreuzfahrtschiff „MSC SPLENDIDE“ den“Solitudo“ in Dubrovnik nach 4 Stunden Fahrzeit.

Dubrovnik

Der Platz gehört zur VALAMAR-Gruppe, bekannt für sehr gut geführte Campingplätze. Dieser hier ist Platzhirsch – weit und breit gibt es keine Konkurrenz in Dubrovnik – entsprechend verlottert ist er.

Mit dem Bus, Linie 6, können wir für 15 Kuna ( ~2€) pP. in die Altstadt am Hafen fahren.

Bushaltestelle

Die Gassen ,Cafés und Restaurants sind gut gefüllt und wir wollen uns gar nicht ausmalen, wie es hier zugeht, wenn mehr als ein Kreuzfahrtschiff im neuen Hafen liegt.

Dubrovnik Altstadt
Dubrovnik Altstadt
Dubrovnik Altstadt
Dubrovnik Altstadt Arsenal
Dubrovnik Altstadt – So lockt man Touris auf sein Boot
Dubrovnik Altstadt
Dubrovnik Altstadt – Der Kater (hinterher) ist echt
Dubrovnik vor der Stadtmauer
Dubrovnik Altstadt
Dubrovnik Altstadt

Bei einem Aperol schauen wir am Ende unseres Rundganges genüßlich dem Treiben zu, während die Sonne untergeht und die Straßenbeleuchtung ein völlig neues Licht auf die Szene ergießt. Einen oder mehr weitere Tage in Dubrovnik ? Nein danke, uns hat das gereicht, morgen fahren wir weiter.

Beim Aperol
Beim Aperol
Beim Aperol
Beim Aperol
Zeit für zurück zum Camping

Beim Auschecken werden 260 Kuna für eine Nacht fällig- verbleibt uns noch eine Barschaft von 21,5 Kuna rund 2,66 €, die wir verprassen können bevor wir die Grenze zu Montenegro erreichen. Die Straße schwingt sich hinauf in die Berge und gibt noch einmal einen tollen Blick auf die Altstadt frei.

Dubrovnic von Süden
Dubrovnic von Süden

Oben, auf dem Berg etwa 15 km südlich von Dubrovnik liegt der Flughafen und ein kleines Dorf mit neuem Supermarkt an der Straße. Dort geben wir die letzten Kuna für Eier aus.

Die Einreise nach Montenegro ist problemlos. Die Häuser und Anlagen machen auf uns den Eindruck, als sei man dort etwas wohlhabender als in Süd-Kroatien. Ob das etwas damit zu tum hat, dass hier – obwohl Montenegro kein EU-Mitglied ist – das offizielle Zahlungsmittel der Euro ist? Wir machen die Runde um die Bucht von Kotor, teils im Regenschauer, anstelle der Fähre, die uns für 9 Euro die Bucht hätte abschneiden lassen. Bald darauf erreichen wir Budva, eine mondän wirkende Stadt mit tollen Hotels und Häusern, die genauso gut an die französiche Riviera zwischen Cannes und Nizza gepasst hätte.

Budva
Budva

Hier spalten sich die Geister – weiter entlang der Küste über Ulcinje und westlich des Shkodra Sees Einreise nach Albanien – oder über die Berge und Podgorica am Ostufer des Shkodrasees nach Albanien einreisen, wo wir im Mai schon mal waren, als wir das Vermosh-Tal bereisten.

Wir entscheiden uns für die etwas kürzere Bergtour und werden mit herrlichen Ausblicken für eine in Serpentinen steil über das Küstengebirge aufsteigende Straße belohnt. Auch hier im Gebirge gewinnen wir den Eindruck eines gewissen wohlstandes in der Bevölkerung.

Es ist kurz vor 5 Uhr, als wir auf unserem alten Supercamping „Lake Shkodra Resort“ ankommen. Er ist deutlich voller als im Mai und wir finden auf der Seeseite keinen freien Platz mehr – aber als wir zur Rezeption gehen wollen, werden wir freundlich lachend empfangen: „You are already checked in. Haven’t you been here in may? Welcome again.“

Der Nachbar auf dem Stellplatz vor uns fragt bei der Begrüßung sofort :“Sie sind nicht zufällig Mediziner?“ Sein Freund trägt den linken Arm in einer Schlinge. Er sei aus der Hängematte auf die Schulter gefallen. Er hat ein Röntgenbild dabei, aber sonst aus der Ambulanz – die sei übrigens kostenlos- nichts mitbekommen und auch den Arzt dort nur halb verstanden. Ich oute mich als Gynäkolge und von daher nur bedingt sachkundig, aber offensichtlich zeigt das Röntgenbild einen unnatürlich großen Abstand zwischen Schlüsselbeinknochen und Knochenfortsatz des Schulterblattes namens Acromion . Bruchlinie im Knochen kann ich keine sehen. Schienen des Oberarms an den Brustkorb, Desaultverband -evtl wird man das dann zu Hause operieren, denn die Bänder scheinen komplett durch zu sein, so wie die Knochen zueinander stehen. Doch vorher wird er die Hilfe des ADAC brauchen, denn selber fahren mit dem Arm, das geht wohl nicht.

Erneut genießen wir zweiFiletsteaks mit Grillgemüse und „3 Halbe“ Tirana-Pils für zusammen 25 Euro und werden auch im Lokal von dem Kellner wiedererkannt.

Hier kann man gut essen

Morgen müssen wir mal schauen wie es weitergehen soll.

Fahrtag und Dalmatinische Küste

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Donnerstag 16.09. bis Sonntag 19.09.2021

Wir schaffen es tatsächlich, kurz nach 9 Uhr zu starten. Da wir keine Straßenkarte von Slowenien haben und das Navi unseres Womos uns sehr unterschiedliche Zeiten bis zur Grenze nach Kroatien ausrechnet, je nachdem ob wir Autobahn oder Landstraße fahren wollen, entscheiden wir uns für die Autobahn, da wir so mindestens 3 Stunden sparen. In der Nähe von Ljubiliana lassen wir die Dars Box (Mautbox) noch einmal aufladen, weitere 10 Euro reichen für die Strecke bis Novo Mesto. Die kurze Autobahnstrecke vom Karawankentunnel bis Novo Mesto kostet uns also insgesamt 30 €. Die Landstraße von Novo Mesto bis zur kroatischen Grenze (ca. 40 km) ist in schlechtem Zustand und unser Womo ächzt und stöhnt. Sowohl die Slowenen und Kroaten kontrollieren unsere Ausweise und die Kroaten auch unsere Impfzertifikate.

Landstraße in Slowenien
Landstraße in Slowenien
Landstraße in Slowenien

Die kroatische Autobahn kostet wesentlich weniger Maut, ist in einem ausgezeichneten Zustand

Kroatische Autobahn

und als wir nach 250 km in Biograd abfahren, zahlen wir am Kassenhäuschen 37 €. Um 16 Uhr sehnen  wir uns danach, das Auto für heute endgültig zu parken. Wir steuern 2 Campingplätze an: der erste gefällt uns nicht, der zweite ist ausgebucht. Doch weiter bis Trogir? Vorausgesagte Ankunft 18.50 Uhr. Ein Anruf auf dem dortigen Campingplatz bestätigt, dass dort noch wenige Plätze frei sind, aber eine telefonische Reservierung sei nicht möglich. Also zurück auf die Küstenstraße – D 8 -Jadranska magistrale, die erstaunlich gut zu befahren ist und wir kommen tatsächlich im letzten Büchsenlicht auf dem Camping Belvedere bei Trogir an. Wir erhalten eine Liste mit 8 freien Platznummern, alle weit weg vom Meer und ohne Aussicht auf selbiges. Auf Platz 254 richten wir uns erst einmal ein, um an nächsten Tag gegen einen schöneren zu tauschen.

Camping Belvedere Trogir
Camping Belvedere Trogir

Aber auch das gelingt nur bedingt. Die Plätze mit Meerblick, die am Freitag frei werden, sind alle bereits reserviert. 2 Reihen näher zum Meer, etwas weniger schief, beziehen wir unser zweites Quartier. In der Nacht zuvor hatten wir ein Gewitter mit heftigem Regen, aber im Laufe des Vormittags siegt die Sonne wieder über die Wolken. Wir testen das Meer: wellig, aber gut temperiert; den Pool: gut bevölkert und lebhaft; die Liegen: sehr bequem und die Gartenanlage ist gepflegt und hübsch.

Camping Belvedere Trogir

In der Nacht regnet es erneut, aber am Morgen schiebt die Sonne die Wolken wieder beiseite. Wir packen den Roller aus und fahren nach Trogir – die Altstadt gehört zum UNESCO – Weltkulturerbe. Ein von den Römern gegrabener Kanal trennt sie vom Festland, was die Verteidigung in der Antike vereinfachte. Die Altstadt ist eine reine Fußgängerzone. Autoverkehr in den engen Gässchen ist unmöglich. Die zahlreichen Außenkonobas finden trotz allem noch ein Plätzchen.

Trogir
Trogir
Trogir
Trogir
Trogir
Trogir
Trogir

Überall hängen Schilder, die darauf verweisen, mindestens 1,5 m Abstand zu halten – aber wie? Es wimmelt nur so von Menschen und wenn früher mal galt, dass Ende September Nachsaison sei, so trifft das dieses Jahr überhaupt nicht zu. Der Urlaubshunger scheint übermächtig geworden zu sein in den vergangenen  18 Monaten und viel zu viele haben jetzt offensichtlich den Campingurlaub für sich entdeckt. Bleibt nur zu hoffen, dass sich in naher Zukunft dieser Trend wieder umkehrt.

Auf dem Wochenmarkt decken wir uns mit frischem Obst und Gemüse ein, trinken noch einen Capuccino und fahren wieder zurück auf unseren Campingplatz. Da wir am nächsten Morgen weiter wollen, verstauen wir Roller, Tisch und Stühle wieder in der Garage – und wer sagt’s denn, in der Nacht schüttet es gewaltig.

Am nächsten Morgen frühstücken wir aus Bequemlichkeit im Womo, obwohl die Sonne schon längst wieder scheint und checken um 10.30 Uhr aus.

Da sich die Küstenstraße von Biograd bis Trogir so gut fahren ließ, wollen wir sie weiter nutzen über Split und Makarska bis Dubrovnik. Doch eine Ortschaft löst die nächste ab, mehr als 43 km Durchschnittsgeschwindigkeit sind nicht möglich. Dafür sind die Ausblicke auf Meer und Berge sehr schön.

An der Makarska Riviera
An der Makarska Riviera
An der Makarska Riviera
An der Makarska Riviera
An der Makarska Riviera

Das Wetter verbietet es, den ganzen Tag am Steuer zu verbringen. Das Meer ist spiegelglatt und der Wunsch zu schwimmen wird übermächtig. Zwischen Makarska und Dubrovnik – in Zaostrok – landen wir auf einem ACSI – Platz. Zwei Plätze sind noch frei, einen nehmen wir und lassen den lieben Gott einen guten Mann sein. Wir nehmen ein ausgiebiges Bad am schmalen Kieselstrand vor dem Campingplatz und genießen Cevapcici und dva piva velica  mit Sonnenuntergang im Strandlokal.

Zaostrog
Zaostrog
Zaostrog
Zaostrog