Donnerstag, 07.10. – Samstag, 19.10.
Heute hängen die Wolken tief und es wird gar nicht richtig hell. Jürgen bringt den Bericht auf den neuesten Stand, weil wir hier auf dem Campingplatz am Lake Batac gutes WLAN haben und es wird Mittag, bis wir loskommen. Auf der Nebenstraße 376 geht es weiter nordwestwärts, dann auf die 84. Am Ortsausgang von Velingrad, das von sich behauptet, es sei der schönste Bade- und Kurort Bulgariens, passieren wir einen sehr schönen Campingplatz mit Wellnessmöglichkeit. Aber da wir seit dem Start heute erst ca 40 km vorangekommen sind, fahren wir weiter. Die Straße ist zwar kurvig, lässt sich aber gut fahren.
Auf der Passhöhe in Jundola halten wir an und schlendern über den dortigen Bauernmarkt. Das Angebot beschränkt sich hier auf Käse, Honig, Konfitüre, getrocknete Hülsenfrüchte und Pilze. Überall werden wir zum Probieren eingeladen und natürlich hat jeder den besten Honig und Käse. Die Menschen sind hier sehr arm, deswegen glauben wir, ein gutes Werk zu tun, indem wir hier unsere Vorräte wieder auffüllen.


Nur der muffig dreinschauende Bonbonverkäufer kann keine Geschäfte mit uns machen.
Die Strecke verläuft zwischen dem Rilagebirge im Norden und dem Pirin im Süden. Unsere geplante Bergwanderung im Pirin haben wir gecancelt, da die über 2000m hohen Berge in dicke weiße Wolken verpackt sind. Also gleich durch zum Rilakloster, das in einem Tal des Rilagebirges liegt.
Uns ist bekannt, dass jetzt gleich eine mautpflichtige Straße die einzige Möglichkeit ist, weiterzufahren (E 79) und wir wollen online den dafür erforderlichen „Routenpass“ kaufen. 0,79 Leva, also knapp 0,40 € kostet die etwa 58 km lange Strecke bis Rila Kloster. Wer ohne gültigen elektronischen Routenpass erwischt wird, den erwartet eine Strafe zwischen 100 und 200 €.
Wir stehen direkt vor der Auffahrt am Straßenrand und kämpfen mit dem Internet und www. BGtoll.bg. Immer wieder springt die Seite von Deutsch zurück in kyrillische Schrift und als wir dann endlich nach unzähligen Versuchen beim Bezahlen angekommen sind, scheitern wir final am „Mastercard ID-Secure-Code.“ Es wird bald dunkel werden und wir fahren ein Stück zurück, wo wir dicht neben der Straße auf einem Hotelparkplatz bleiben können. Diesen Übernachtungsplatz können wir nur verzweifelten Reisenden wie uns weiterempfehlen!
Am nächsten Morgen regnet es und wir versuchen weiter unser Glück, den Routenpass zu kaufen. Ein Anruf bei BGtoll am Vortag hat ergeben, dass man auch an Shell- und DKV-Tankstellen Servicestellen unterhalte, wo man einen Pass kaufen könne. Aber die nächste Shellstation liegt 28 km zurück. Ein Anruf auf der Servicenummer der Miles&More Credtitcard bringt dann die ersehnte Hilfe. Pamela betet uns durch das Verfahren zur Einrichtung des „ID Secure Codes“ für Jürgens Creditcard.
Dann also endlich drauf auf die E 79. Die freien kleinen Nebenstraßen waren in besserem Zustand als diese Mautstraße. Doch bald führt sie als nagelneue Autobahn weiter Richtung Sofia. Gerne würden wir so komfortabel weiterreisen, aber nach einem kurzen Streckenabschnitt müssen wir schon wieder abfahren und auf die 107 bis zum Rilakloster. Schlechtere Fahrbahn wird jetzt mit 1000 – fach schöneren Ausblicken belohnt.
Etliche kleine Dörfchen liegen an der Strecke. Sie sehen größtenteils armselig aus und viele Häuser scheinen verlassen worden zu sein.




Gegen 12 Uhr sind wir am Parkplatz des Klosters angekommen. Für 5€ dürfen wir direkt vor dem Eingang parken, der Eintritt ist frei.

Das Kloster, das auf 1150m Höhe liegt und seit 1983 zum UNESCO Weltkulturerbe zählt, gilt als das bekannteste, größte und spirituell bedeutendste des Landes und als unbedingt sehenswert. Der Reiseführer berichtet, man müsse sich das Besichtigungsvergnügen mit Tausenden anderer Besucher teilen, aber der war nicht im Oktober hier. Die Touristenzahl hält sich sehr in Grenzen und wir können ungestört in aller Ruhe unseren Rundgang machen.
Gegründet wurde das Kloster von dem Einsiedler Ivan von Rila (876 – 946), der völlig zurückgezogen in einer Höhle in den Bergen lebte, weil er das weltliche Leben nicht ertragen konnte. Als sich ihm immer mehr Mönche anschlossen, gründete er schließlich das Kloster und wurde Vorsteher.
Das Kloster mit über 300 Mönchszellen erstreckt sich über eine Fläche von 8800 m². Auch Touristen können nach einer Anmeldung in der „Rezeption“ ein einfaches Zimmer mieten und dort übernachten.
Im Museum kaufen wir uns ein Kombiticket für die Ikonensammlung, den Hreljo-Turm (ältestes erhaltene Bauwerk in der Mitte des Klosterhofes) , die alte Klosterküche und den Ausstellungsraum mit Kleidung und Schmuck.
Die Fotos erklären alles Weitere.



















Gegen 15.30 sind wir durch, kaufen erneut und diesmal problemlos den Routenpass für die Strecke von Kloster Rila bis Melnik , wo wir im letzten Büchsenlicht ankommen und gleich am Ortseingang einen großen, leeren Parkplatz finden.
Hier ist es wunderbar ruhig und wir können den in der letzten Nacht verpassten Schlaf nachholen.
Am Samstagmorgen ist es regnerisch. Bewaffnet mit einem großen Schirm machen wir uns schließlich auf den Weg, das Dörfchen zu besichtigen, das früher 12 000 Einwohner hatte und jetzt nur noch 350.
Zur Zeit der osmanischen Herrschaft über den Balkan ging es der Stadt gut. In den Befreiungskriegen unter Jane Sandanski zerstörten die Türken bei ihrem Abzug den Ort und hinterließen verbrannte Erde. Davon hat sich Melnik nie erholt.
In der Zeit der „Wiedergeburt“ des bulgarischen Staates entstand eine besondere Architektur, die sogenannten Wiedergeburtshäuser, von denen einige hübsche Exemplare auch in Melnik stehen.



Besonders gefällt uns das Haus des Kaufmanns Kordopulov, eines reichen griechischen Weinhändlers. Mit Kamelkarawanen transportierte er seinen Wein nach Thessaloniki und verschiffte ihn von dort bis nach Italien und Spanien.
Sein Haus gilt als größtes städtisches Wiedergeburtshaus ganz Bulgariens, verfügt über 4 Stockwerke, die beiden unteren aus Stein, die oberen aus Holz. Die Inneneinrichtung ist luxuriös.






In den Stollen des Weinkellers können bis zu 40 000 Liter Wein gelagert werden.
Am Ende unseres Rundganges dürfen wir ein Gläschen Melniker Roten kosten – sicher nicht aus dem besten Fass.






Auch heute noch ist Melnik für seinen Wein berühmt. Den besonderen Geschmack verleiht ihm der helle Sandstein (mel = Kreide) auf dem er wächst.
Auf dem Rückweg kehren wir in ein gut besuchtes Lokal ein und genießen einen typisch bulgarischen Eintopf mit Hühner- und Schweinefleisch, Gemüse und viiiielen Zwiebeln. Pffff!!!!!
Es regnet noch immer und wir beschließen, auf unserem ruhigen Parkplatz noch eine weitere Nacht zu verbringen und morgen wieder nach Griechenland zurückzukehren.