Letzter Tag in Tunesien. Wir haben wieder gut geschlafen, erstaunlich für einen Parkplatz mitten in der Stadt. Nachdem wir im Innenraum „Klar Schiff“ gemacht haben, gönnen wir unserem Kleinen auch außen eine Dusche. Bei einer Staroil-Tankstelle bemühen sich gleich drei Tunesier, den Dreck und Staub der letzten Wochen zu beseitigen. Nach 25 Minuten blinkt und blitzt das Womo nur so. 30 Dinar bezahlen wir und als wir fragen, ob es in der Nähe eine Bäckerei gebe, springt einer auf sein Motorrad und kommt kurze Zeit später mit 2 Baguette zurück. Wir sind von Herzen dankbar, denn heute ist die Stadt total verstopft. Normalerweise flutscht der Verkehr reibungslos. Keiner hält sich an die Verkehrsregeln, aber jeder achtet auf die anderen und so fahren alle am besten. Grund für das heutige Chaos dürfte ein wichtiges Liga-Spiel sein, zu dem viele Fans angereist sind und zudem noch einige Ampeln ausgefallen sind. Wir sind jedenfalls gut in den Hafen gekommen, sind eingecheckt und warten jetzt darauf, auf das Schiff fahren zu können.
Was haben wir von Tunesien mitgenommen?
Es gibt hier ein riesengroßes Müllproblem, das kam ja in vielen unserer Beiträge deutlich zum Ausdruck.
Tunis ist allerdings eine verhältnismäßig saubere Stadt.
Die Landschaft ist in weiten Teilen, insbesondere an der Ostküste eintönig, toll fanden wir die Berge und Oasen am Sahararand und den Norden.
Zahlreiche historischen Ausgrabungen sind teilweise sehr gut dargestellt und es macht Spaß, auf eigene Faust hindurch zu schlendern. Wir wurden hier auch nie von sogenannten Guides bedrängt. Überhaupt wirken die Tunesier auf uns viel zurückhaltender als die Marokkaner.
Ja – und am meisten haben uns die Menschen hier begeistert. Kinder, Frauen, Männer, alle sind extrem freundlich und hilfsbereit. Kinder sprechen uns höflich an, weil sie neugierig sind, was sich im Inneren unseres Gefährts befindet. Frauen sind überhaupt nicht scheu, viele tragen je nach Region Kopftücher, auch lange Kleider, aber sie sind oft berufstätig, fahren Auto und treten durchaus selbstbewusst aus. Wann immer es so aussieht, als könnten wir Hilfe gebrauchen, steht jemand neben uns und fragt, ob wir ein Problem hätten. Die Polizei verhält sich Touristen gegenüber äußerst großzügig. Nicht ein einziges Mal sind wir bei Verkehrskontrollen angehalten worden. Selbst ein deutlicher Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung – Jürgen hat bei einer durchgezogenen Linie einen LKW überholt- wird geflissentlich übersehen. In Uthina halten wir uns nach dem Besuch der Ausgrabungen noch länger auf dem Parkplatz auf. Zweimal kommt die Touristenpolizei vorbei und fragt freundlich, ob wir hier übernachten wollten. Man wolle es nur wissen, weil man sich für unsere Sicherheit verantwortlich fühle. Nicht ein einziges Mal hatten wir ein unangenehmes Erlebnis mit der hiesigen Bevölkerung, immer fühlten wir uns sicher. Und für diese tollen Erfahrungen hat sich die Reise in dieses Land mehr als gelohnt.
und Montag, den 11.05.2026 – Mittwoch, den 12.05.2026
Bis auf ein paar kläffende Hunde war die Nacht ruhig. In Tunesien gibt es sehr viele streunende Katzen und Hunde, weil die Regierung kein Kastrationsprogramm hat. Wenn mal wieder ein tollwütiger Hund gebissen hat, werden ein paar Tiere getötet, aber das dezimiert sie nicht erfolgreich. Offene Müllcontainer enthalten genügend Nahrungsmittel und vor allem Katzen springen hinein und finden Nahrung. Wir fahren über die Autobahn und kommen gegen 14 Uhr in Carthago an. Der große bewachte Parkplatz ist zwar wirklich riesig, vollkommen leer, aber niemand bewacht oder kassiert die Gebühr. Die Sehenswürdigkeiten sind weit verstreut, wir wollten entweder mit dem Roller fahren oder ein Taxi nehmen, aber nicht unser Auto stundenlang unbewacht in der Nähe von Tunis stehen lassen. Wir steuern den zweiten Parkplatz ganz in der Nähe direkt beim Römischen Theater an. Auch wenn Park4Night berichtet, nachts käme die Polizei und geleite zum angeblich bewachten Parkplatz, entscheiden wir uns, hier zu bleiben. Der Museumswächter zeigt uns, wo wir parken können und um es vorweg zu nehmen – keiner stört uns in der Nacht. Ein Taxifahrer, der dort vermutlich schon den ganzen Tag auf Kundschaft wartet, bietet an, uns für 30 Euro in 3 Stunden zu allen Sehenswürdigkeiten zu fahren. Das ist zwar absolut überteuert, aber er ist sehr sympathisch, muss auch für eine Familie sorgen und wir nehmen das Angebot an.
Das Amphietheater ist enttäuschend,
bei der Kathedrale ist auch das Nationalmuseum untergebracht, aber wegen Renovierung z.Zt. geschlossen,
in der punischen Nekropole wurden Tausende Kinderskelette und etwa 20000 Urnen mit Asche gefunden. Griechische und römische Quellen behaupten, hier wären in nächtlichen Zeremonien den Göttern Baal und Thanit Neugeborene, Erstgeborene geopfert worden. Heutige Historiker wenden ein, dass damit ein blutrünstiges Bild vom punischen Reich gezeichnet werden sollte. Angeblich geopferte Kinder seien schon vorher eines natürlichen Todes gestorben, auch Epidemien hätten oft viele hingerafft.
Der Kriegshafen mit seinem runden Hafenbecken bot 200 Schiffen Platz . Über einen Kanal war er mit dem Handelshafen verbunden.
Werft?Hafenmodell
In der beflaggten Villa ist die tunesische Akademie der Wissenschaft uns Künste untergebracht.
Sehr beeindruckend sind die Thermen.
die römischen Villen sind uninteressant, weil wenig zu sehen ist,
das Bühnenhaus des Römischen Theaters wurde völlig zerstört, ist aber in moderner Form wieder errichtet und im Sommer finden viele Veranstaltungen hier statt.
Zum Schluss fährt uns Fathi, unser Taxifahrer, noch ins benachbarte Sidi Port Said, wo wir uns noch einmal ein/eine/einen? Mannequiche gönnen..
Am nächsten Morgen starten wir zum Bardo-Museum in Tunis, wo es direkt davor einen großen kostenfreien Parkplatz gibt. Der Eintritt kostet 30 Dinar/Person. Hier sind auf 3 Stockwerken unzählige Mosaike, Skulpturen, Sarkopharge u.a. ausgestellt. Ein Wegweiser wäre hilfreich, man irrt von Raum zu Raum, die erklärenden Schildchen sind winzig und nur mühsam zu lesen und man fühlt sich schnell erschlagen. Die Abteilung, in der Mosaike aus Bulla Regina (auch Bulla Regia) ausgestellt sind, ist leider geschlossen.
Besonders begeistert hat uns ein sechseckiges Mosaik, das die 7 Wochentage thematisiert. Sonne, Mond und 5 Planeten. Saturn (Samstag, Saturday, Samedi) thront in der Mitte, umgeben von Sonne (Sonntag), Mond (Montag), Mars (Dienstag /Mardi)), Merkur (Mittwoch,/Merkredi), Jupiter (Donnerstag) und Venus (Freitag/Vendredi). In den äußeren Teilen sind die 12 Tierkreiszeichen abgebildet.
Nach 3 Stunden sind wir platt, stärken uns im Womo und wollen anschließend mit dem Taxi in die Medina von Tunis, als eine der schönsten gepriesen und UNESCO Weltkulturerbe natürlich auch. Am Parkplatzeingang fragen wir vorsichtshalber noch einmal nach, ob wir hier übernachten dürften und erhalten ein deutliches NEIN zur Antwort. Außerdem schließe der Parkplatz in 30 Minuten. Es gibt im Zentrum von Tunis einen weiteren großen Parkplatz, wo man 24 Stunden-Tickets ziehen kann -also auch über Nacht parken kann – den suchen wir jetzt auf. Er liegt im Bankenviertel, ist sicher, aber um diese Uhrzeit auch noch recht voll und Jürgen rangiert den Kleinen mal wieder meisterlich in eine Parklücke. Passt- und auf geht’s in die Medina. Ca 800 m Fußweg, kurz vor dem Bab al Bahr, dem Haupteingang in die Altstadt, sprechen uns zwei Frauen an. Es sind Mutter ud Tochter, sie stammen aus Algherien und machen hier in den Semesterferien der Tochter, die in Frankreich Finanzwesen studiert, gemeinsam Urlaub. Kurz und gut, wir müssten unbedingt nach Algherien reisen, es sei sicher, die Menschen noch freundlicher, es gebe keine „Touristenpreise“, also einfach ein ganz wunderbares Land. So gehen uns also die Ideen für neue Reiseziele nicht aus. Die Internetadresse der Tochter haben wir schon mal.
Die Souks sind ganz nett. Im Gegensatz zu Marrakesch bedrohen uns hier keine Motorräder, man wird auch wenig angesprochen, aber es gibt auch nichts, was zum Kaufen verlocken würde. Die Djamaa el Zitouna Moschee (Ölbaum-Moschee) liegt am Ende eines Souks, mit Kopftuch darf man in den Innenhof.
Es gibt noch weitere Moscheen, die aber nicht besichtigt werden können.
Sehr schön sind die Regierungsgebäude in der Rue de la Kasbah und am Place de la Kasbah.
Der Rückweg führt uns wieder über den Souk, inzwischen ist alles weggeschlossen, nur der Müll bedeckt die Pflastersteine und wartet auf die Altstadtreinigung.
Viele Kilometer sind wir heute gelaufen, todmüde erreichen wir unser Womo und sind gespannt, was die Nacht mitten in Tunis so bereit hält.
Nichts Besonderes, das wissen wir am nächsten Morgen. Bereits um 6.30 Uhr füllt sich der Parkplatz und als wir ihn um 8.30 Uhr verlassen (11 Diram Gebühr), ist er rappelvoll.
Wir fahren 25 km südlich von Tunis und wollen uns noch ein letztes Mal alte Steine anschauen: Der Taxifahrer aus Carthago hat uns dieen Ort empfohlen. Uthina, heute Oudna, hatte seinen Höhepunkt unter Kaiser Augustus. Erst 1993 begann man auszugraben.
Wir finden zunächst einen leeren Parkplatz vor, doch schon bald kommen einige Reisebusse und PKWs, doch das Gelände ist weitläufig (140 Fußballfelder groß) und wir können in Ruhe durch die Ruinen schlendern.
Das Amphietheater fasste 15 000 Menschen. Man kann auch die untere Etage, wo die Kämpfer lebten und die Tiere gehalten wurden, besichtigen.
Im Haus von Laberii sehen wir Mosaikimitationen, die Originale haben wir bereits gestern im Bardo-Museum gesehen.
Vorbei geht es am Badehaus und römischen Villen.
dann kommen wir zu den Thermen, von denen oberirdisch fast nichts mehr erhalten ist. Im zweiten Weltkrieg explodierte hier ein Waffenlager. Die Gewölbe im Untergeschoss sind allerdings gut erhalten und sehr beeindruckend.
Ebenfalls beindruckt sind wir vom Kapitol. Von der Plattform zwischen den Säulen hat man einen wunderbaren Rundumblick.
Um 14 Uhr sind wir wieder am Womo, machen einen Mittagsschlaf, schreiben den Bericht und fahren dann wieder auf den Stadtparkplatz in Tunis , denn morgen müssen wir um 16 Uhr im Hafen sein.
Es ist bedeckt, aber das Meer ist herrlich glatt, also nehmen wir ein sehr! erfrischendes Morgenbad und fahren nach dem Frühstück weiter durch blühende Landschaft nach Tabarka.
In Hafennähe finden wir einen Mono Prix – Supermarkt und füllen unsere Vorräte auf. Drei ca. 8-9-jährige Mädchen möchten gerne mal ins Womo schauen und sind sehr beeindruckt. Wir lassen das Auto vor dem Supermarkt stehen und schlendern zum Kunsthandwerkermerkt am Hafen, wo ein riesiger Kontrabass auf die jährlich im Sommer stattfindenden Jazz-Festspiele hinweist und eine nette Tunesierin mit uns ins Gespräch kommt
und weiter zu den Felsnadeln, die sich im besten Fotografierlicht präsentieren. Die gegenüberliegende Festung ist für Besucher nicht geöffnet.
Im Hafen gibt es einen bewachten Womostellplatz, den wir anschließend ansteuern. Von hier aus sind wir in 5 Minuten an der Flaniermeile – wirklich mal sehr nett und sauber – und folgen der Empfehlung des Hafenmeisters: Im Touta essen wir Dorade bzw. Loup de mèr und Salat aus gegrillten Paprika, vorher gibt’s verschiedene Soßen und frisches Fladenbrot und eine Fischsuppe aufs Haus. Zum Abschluss wird uns noch ein thé à la menthe serviert.
Leider können wir auf der netten Terasse nicht zu Ende essen, denn ein gewaltiges Gewitter mit heftigem Sturm und Wolkenbruch zwingt uns, in den Innenraum umzuziehen. Ca 2 Stunden tobt das Unwetter, dann können wir zurück zum Womo laufen.
Am Sonntagmorgen strahlt die Sonne wieder vom blauen Himmel und wir fahren weiter bis Bulla Regina, eine alte Römerstadt mit gut erhaltenen Mosaiken, von denen die schönsten in Tunis im Bardo-Museum sein sollen.
Es ist Sonntag, viele Tunesier sind unterwegs, in einigen der zahlreichen Ortschaften, die wir passieren, ist Markt und entsprechend wuselig geht es auf den Straßen zu. Fußgänger gehen prinzipiell auf der Straße, Gehwege sind zugestellt, Autos parken da, wo der Fahrer gerade etwas erledigen will in zweiter oder dritter Reihe, Reisebusse wälzen sich durch die Menge, auch schwere LKWs sind unterwegs. Motorräder, das am häufigsten benutzte Verkehrsmittel hier im Land, fahren in allen Richtungen auf allen Fahrspuren, im Slalom um uns drum herum, entgegen der Fahrtrichtung, rechts überholend und auch dort entgegenkommend, Hunde, Katzen, Esel, Hühner, sie alle nehmen am Sonntagsleben teil. Zahlreiche rauchende Garküchen, vor denen halbe Schafe hängen winken uns und laden uns zum Essen ein. Viele haben auch lebende Schafe angebunden – damit die schon mal sehen, was ihnen demnächst blüht?
In einem der Orte gibt es Wasser. Bislang konnten wir immer bei den Tankstellen, bei denen wir getankt hatten, Wasser auffüllen, heute Morgen wurde es uns wegen zu geringem Wasserdruck verwehrt. Da kommt die Quelle gerade recht.
Am frühen Nachmittag erreichen wir Bulla Regina, die alte Römerstadt. Hier können wir umsonst auf dem bewachten Parkplatz übernachten, zahlen 8 Diram Eintritt/Person und machen einen herrlichen, interessanten Spaziergang durch die Ausgrabung.
Im Sommer ist es hier im Talkesel sehr heiß, deshalb wurden die Häuser meist zweistöckig gebaut: ein Souterrain und ein Erdgeschoss darüber. Da es auch eine Quelle gibt, ist der Siedlungsort perfekt gewählt, in der Antike umgeben von fruchtbaren Getreidefelden und dichten Wäldern.
Donnerstag, den 07.05.2026 – Freitg, den 08.05.2026
Nach einer ruhigen Nacht brechen wir am Vormittag auf. Das Navi wie auch die Landkarte führen uns nicht zurück, sondern weiter südwärts am Meer entlang. Wir hoppeln durch eine Baustelle und stehen nach 20 Minuten vor einem Erdhügel, die Straße hört einfach auf. Also doch zurück. Google Maps glaubt gelegentlich, wir hätten ein kompaktes Allradfahrzeug und lässt uns auf zunächst gut aussehende Straßen abbiegen, doch dann führen diese durch enge Dörfer oder haben elende Schlaglöcher. Ich fahre hier keinen Meter. Jürgen meistert alles sehr gelassen und souverän.
In Bizerte haben wir uns einen Übernachtungsplatz ausgesucht, aber als wir ankommen, gibt es keine Zufahrt mehr. Kurz darauf finden wir eine andere Möglichkeit, aber hier haben wir kein gutes Gefühl und so fahren wir weiter. Der nördlichste Punkt Afrikas, das Kap Engela (auch Angela) bietet mehrere nette Übernachtungsplätzchen. Nachdem wir bei der letzten Agil -Tankstelle vor dem Kap noch getankt und den Wassertank aufgefüllt haben, parken wir im Pinienwäldchen ein und stehen dort etwas windgeschützter als direkt am Kap.
In der Nacht regnet es ordentlich, doch am nächsten Morgen ist der Himmel wieder blau. Nur der Wind ist kalt.
Wir machen einen Spaziergang zum Leuchtturm und zum Monument, das am nördlichsten Punkt Afrikas steht. Den südlichsten, das Kap Agulhas, haben wir in Südafrika schon vor langer Zeit bereist.
Gegen Mittag starten wir zum Kap Serrat. Bis dahin zeigt unser Womo einmal mehr, dass echte Geländefahrzeugqualitäten in ihm stecken.
Die steile, enge Auffahrt zum Kap Serrat offenbart spektakuläre Blicke auf das Meer.
Doch kurz vor dem Ziel stehen wir abrupt vor einem geschlossenen Tor mit einem Hinweis auf Militär. Was tun? Zum Drehen ist die Straße viel zu eng und rückwärts hinunterzufahren nicht ungefährlich. Ein Soldat gestikuliert, wir müssten umdrehen, lässt uns aber nicht auf das Militärgelände fahren. Jürgen setzt ein gutes Stück zurück, dann ist eine Stelle erreicht, wo mit vielen Vor und Zurücks das Wendemanöver gelingt. Den schönen Platz für die Nacht, den wir bei der Auffahrt ausgesucht haben, können wir nun auch vergessen.
Der Norden Tunesiens ist sehr grün und es blüht herrlich. Hier einige Eindrücke von unterwegs:
Distelblüten scheinen ihr zu schmeckenSüßkleefeld Behauen oder Zufall?
Dann folgen wir wieder Park4Night und steuern den wenige km entfernten Parkplatz bei einem Restaurant an, wo es guten Fisch geben soll. Den Punkt finden wir, aber er liegt am Meer im Niemandsland, weit und breit kein Haus in Sicht. Schade, ich hätte heute gerne mal nicht gekocht,
dafür gibt’s aber einen schönen Sonnenuntergang kurz vor dem Ort Mechrig.
Bis zum frühen Nachmittag bleiben wir am Strand von Marès. Es ist bewölkt und sehr windig. Dann fahren wir weiter bis El Djem – zur Erinnerung, die Stadt mit dem großen römischen Amphietheater, das wir vor ein paar Tagen besichtigt haben. Hier kann man sicher und ruhig übernachten und bis Kairouan ist es nicht mehr weit. Am späten Samstagvormittag kommen wir dort an und sind erstaunt, dass selbst die heilige Stadt umgeben ist von Müll. Der angesteuerte Stellplatz bei einer Jugendherberge ist so verwahrlost und weit ab vom Zentrum, dass wir dort nicht bleiben wollen. Zwei weitere Parkplätze finden sich bei Park4Night, aber wir kommen nicht hin. Das Navi weiß nichts von den zahlreichen Straßensperren und wir fahren immer wieder im Kreis. Ein Polizist erklärt uns den Weg, doch wir verstehen ihn nicht. Nach 15 Minuten treffen wir an gleicher Stelle den gleichen Polizisten: und ganz langsam hören wir: tout droit – a droit – a gauche – a gauche – et voilà – parquer; ich wiederhole dreimal, er grinst und nickt und los geht‘s: bis zum Gesperrt – Schild geradeaus, dann einmal rechts und zweimal links und dann: Parken. Klappt alles, wir stehen direkt an der Stadtmauer inmitten unsäglichen Verkehrsgewusels, sehen aber keinen Parkplatz, jedoch einen weiteren Polizisten, den wir befragen. „La bas!“, ist die Antwort und er deutet auf den großen freien Platz vor dem Stadttor. Dort hätten wir uns niemals hinzustellen getraut und gratuit ist er auch noch. Also rein in die Medina.
Unser erster Weg führt uns zur großen Moschee, denn die schließt im Sommer um 14 Uhr. Wir schaffen es rechtzeitig. In den Innenhof dürfen wir hinein, ich muss mir ein Tuch über die Haare legen, (habe ich vorsorglich eingesteckt), und einen Blick in den Gebetsraum können wir durch die geöffneten Türen auch werfen.
Die Moschee ist das älteste und bedeutendste Islamheiligtum im Magreb. Sie wurde ca 670 n.Chr. gegründet. Was man heute sieht, ist ein massiver festungsartiger Bau aus dem 9 Jhdt. mit einem ca. 35 m hohen quadratischen Minarett. Ein riesiger von Arkadengängen umgebener Innenhof aus Marmor ist das Herzstück, an den der große Gebetssaal mit vielen Säulen anschließt.
Sieben Pilgerreisen nach Kairouan können eine einzige Hadsch nach Mekka ersetzen.
Die „Moschee mit den drei Pforten“ ist geschlossen, aber die Koranschule mit ihren wunderschönen Reliefs können wir besuchen.
Beeindruckend ist auch das Haus des Gouverneurs – Dar el Bey – mit seinen 18 Zimmern und kunstvollen Decken, in dem heute eine riesige Teppichgalerie untergebracht ist.
Im Bir (=Brunnen) Barouta dreht ein Kamel im 1. Stock seine Runden und pumpt heiliges Wasser für die Pilger nach oben. Der Legende nach soll der Brunnen eine direkte Verbindung zur heiligen Quelle Zamzam in Mekka haben.
Kunsthandwerkerschule – leider zuScherenschleifer
Die im Reiseführer so gelobte Stadt Kairouan begeistert uns nicht und am Nachmittag fahren wir weiter.
In Bou Ficha finden wir unseren heutigen Übernachtungsplatz. Am Sonntag machen wir bei kaltem Wind einen Strandspaziergang.
Am Nachmittag fahren wir weiter auf die Halbinsel Cap Bon. In Kerkouane finden wir einen tollen Platz in fußläufiger Entfernung zu der punischen Ausgrabungsstätte.
Am Montag ist sie geschlossen wie alle Museen, aber am Dienstag nehmen wir uns viel Zeit, durch die Ausgrabungen zu schlendern.
Im ersten punischen Krieg wurde die Stadt zerstört. Im Gegensatz zu Carthago und anderen Städten wurde es nie überbaut und lässt daher Rückschlüsse auf die punische Siedlungsweise im 3ten. vorchristlichen Jhdt. zu. Offensichtlich wurden die Häuser an der Mündung eines unterirdischen Flusslaufes in das Meer errichtet, denn alle haben einen Brunnen. Und es war wohl auch damals schon bekannt, dass aus hygienischen Gründen Frischwasser von Abwasser getrennt werden sollten, was man am heute noch erkennbaren Kanalisationssystem sehen kann.
Im Museum kann man interessante Funde besichtigen.
Wir genießen den Rest des Tages lesend in der Sonne.
SonnenaufgangSonnenaufgangSonnenaufgang
Am Mittwoch umfahren wir das Kap und stoppen auf der Westseite bei Korbous an der Source d’Eau chaude. Hier entspringt stark schwefelhaltiges 59 Grad heißes Wasser und fließt durch ein gemauertes Becken weiter ins Meer.
Jürgen wagt sich hinein, ich streike angesichts vieler tunesischer bauchiger Männer und schaue von außen zu.
Zwei tunesische Frauen mit langen Unterbuchsen und langem Gewand trauen sich auch und sind auf dem steinigen Einstieg sehr wendig und blitzschnell in voller Montur im Wasser.
Wir beschließen, über Nacht hier zu bleiben, lesen noch eine Weile – wobei uns eine Ziegenherde erschreckt, die unerwartet hinter dem Auto vorbeizieht –
und hoffen auf einen schönen Sonnenuntergang. Aber der will heute nicht. Wir hatten sogar ein paar Tröpfchen Regen, dazwischen Sonne, nun aber wieder dichte Wolken.
Hier noch ein kurzer Nachtrag zum „Coco Oasis“ Campingplatz in Tozeur. So sehen hier die Duschen aus:
Die Straße in die Bergdörfer ist eine P-Straße (P 16), also Hauptstraße, aber in einem erbärmlichen Zustand und wir müssen langsam fahren. Die Route führt entlang des Chott El Gharsa, das zusammen mit dem Chott El Jerid und seinen Fortsetzungen Chott El Fedjadj das größte Salzseengebiet der Erde bildet. Fast 200 km zieht es sich von der algherischen Grenze bis fast ans Mittelmeer bei Gabès und misst an seiner breitesten Stelle fast 70 km. Es handelt sich um ein riesiges abflussloses Becken, das von Wasserläufen aus den Bergen gespeist wird, wo der Regen Salze aus dem Boden wäscht, die in das Becken geführt werden.
Kurz vor den Bergoasen wird die Landschaft wieder interessant. In vielen Kurven windet sich die Straße steil hinauf und wieder hinab und die Aussichten sind spektakulär.
Die erste Oase ist Chebika, wie auch die beiden anderen ein alter Römermilitärstützpunkt. Wir finden schnell einen Parkplatz im alten Ortsteil und laufen an einem kleinen Bach entlang bis zu seiner Quelle. Dann steigen wir einen steilen Berg hinauf, von dem aus man eine tolle Aussicht genießt. Zwischen Felsen hindurch geht es zurück zum Ort. Die Souvenirhändler sind recht unaufdringlich.
Weiter geht’s nach Tamerza.
Bevor man den Ort erreicht, kann man links abbiegen und zum „Kleinen Wasserfall“ (Schild aber „Grand Cascade“) gelangen. Auch hier gibt es Souvenirverkäufer, aber sie bedrängen uns in keiner Weise.
Park4Night nennt einen Übernachtungsplatz im Ort Tamerza in der Nähe des „Großen Wasserfalls“ und des angrenzenden Canyons. An die asphaltierten Parkplätze schließt sich ein Sandplatz an, auf dem ein paar kleine Jungen Fußball spielen. Wie aus dem Nichts heraus ist plötzlich ein „Guide“ da, der fragt, ob wir übernachten wollen und dann die Jungen wegschickt, weil wir uns auf den Sandplatz stellen sollen. Wir wollen die Jungen nicht in ihrem Spiel stören, aber er ist unerbittlich. Wir parken ein und trösten die Jungen mit ein paar Gummibärchen.
Gleich dabei ist ein kleines Pizzahäuschen, wo es „Berberpizza“ gibt. Der „Guide“ managt für uns, dass wir in 30 Minuten essen können. Und dann folgt, was schon bei der Lektüre des Reiseführers zu vermuten stand, er will uns morgen begleiten. Zuerst schlägt er vor, einen 4×4 Wagen zu mieten und die „Rommelpiste“ zu fahren, eine bei Offroad – Fahrern beliebte Strecke. Das werden wir keines Falls tun. Dann will er uns durch den Canyon führen und verlangt 10 Euro/Person. In Nabeul haben wir für die Reifenreparatur keine 5 Euro bezahlt. Absolut indiskutabel. Wir brauchen keine Führung, wollen keine Führung, dann wird die Berberpizza serviert, aber er bleibt weiter am Tisch sitzen, bis er irgendwann kapiert, dass mit uns kein Geschäft zu machen ist.
Wir machen einen Verdauungsspaziergang zu dem „Großen Wasserfall“, verzichten auf den Spaziergang im Canyon und gehen früh schlafen.
Um 22 Uhr fährt ein Quad neben uns vor und jemand klopft an die Tür. „Polizei – Papiere bitte.“ Er notiert das Kennzeichen, wünscht eine gute Nacht und fährt weiter. Bei Park4Night haben wir oft gelesen, dass diese Kontrollen sehr häufig seien und man manchmal auch zu einem „sicheren Ort“ geleitet werde. Bislang hatten wir diesbezüglich Glück und wurden nicht besucht oder weggeschickt.
Am Donnerstagmorgen fahren wir weiter bis Midès direkt an der algherischen Grenze. Wir wollen eine 1 -stündige Wanderung durch den Canyon machen, in dem auch der „Englische Patient“ gedreht wurde. Am Ende des Canyons dürfen wir nicht geradeaus weiterlaufen, da wir sonst bald illegal algherisches Staatsgebiet betreten würden. Die vorgeschlagene Route führt bergauf ohne Schatten und es ist um 11 Uhr schon richtig heiß. Also kehren wir um und gehen auf dem gleichen Weg zurück. Viele Pillendreher haben wir hier gefunden, Tauben, die im Felsgestein nisten, auch eine tote Ratte, aber kein menschliches Wesen. Die sind alle oben bei den Souvenirständen und Cafés hängen geblieben.
Unser nächstes Ziel soll Kairouan sein, das Zentrum des Islam. Ein Blick in den Führer zeigt, dass wir das nicht auslassen dürfen. Wir schauen uns die Routenoptionen dorthin an und suchen nach Übernachtungsmöglichkeiten an den Strecken, finden aber nichts, was wir mit gutem Gefühl ansteuern könnten. Da am nächsten Tag eh Freitag ist, also das Sonntagsäquivalent im Islam und wir diesen Tag nicht in Kairouan verbringen wollen, entscheiden wir uns, noch einmal ans Meer zu fahren.
Wir kommen durch Gafsa, das Zentrum des Phosphatabbaus. Hier gibt es sogar einen Campingplatz. Doch was wir hier sehen und vor allem riechen, schlägt dem Fass den Boden aus. Die Menschen hier leben tatsächlich inmitten von Müll. Gleichzeitig, zieht ein Gestank ins Auto, dass einem schlecht werden kann. Wir haben viel erlebt in Tunesien, aber so etwas hätten wir nicht für möglich gehalten.
Südlich von Sfax, in Mahrès, finden wir einen Platz am Meer, der auch bei Park4Night als sicher beschrieben wird, vor einem Hotel und gegenüber der Polizei. Na, sicherer geht’s ja wohl nicht. Wir stehen super, zuletzt ganz allein und obwohl die Durchgangsstraße hinter dem Hotel vorbeiführt, ist es dort, wo wir uns eingerichtet haben, absolut ruhig – bis 1.30 Uhr, als jemand ans Auto klopft. Ein Polizeiauto steht vor uns, der Polizist meint, hier sei das Übernachten verboten, aber im Innenhof des Hotels dürften wir sicher und gratuit stehen. Er werde uns eskortieren (100m). Ist ja lieb gemeint, aber hätte er das nicht etwas früher tun können? Im Schlepp des Polizisten fährt auch ein Bus mit Wohnwagen – ja tatsächlich: es ist die Familie mit 3 kleinen Kindern, die wir schon in den Bergen bei Ksar Hadada getroffen haben. Nebeneinander stehen wir nun im abgeschlossenen Hotelhof, hören die ganze Nacht den Straßenlärm der P1 und um 5 Uhr den Weckruf des Muezzins.
Frühstücken wollen wir hier keinesfalls, finden ein paar Kilometer weiter einen Parkplatz am Meer mit dem üblichen Müll und frühstücken leckeres Baguette, das wir gerade auf dem Weg für 7 Cent erstanden haben.