Der Nordwesten – Castelsardo, Stintino, Alghero und Berchida im Osten

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Oster-Montag 10.4. bis Freitag 21.04.2023

Am Ostermontag fahren wir weiter Richtung Westen. Die Parking4Night App zeigt uns einen wunderschönen Stellplatz in Casteldsardo. Wir essen in einem sardischen Restaurant zu Abend. Das Zicklein ist für uns ungewohnt, der Rest ist lecker.

Wir schlafen prima bei leichtem Meeresrauschen, aber ansonsten himmlischer Ruhe und machen uns am Vormittag zu einem etwa 2 km langen Spaziergang in die Altstadt Castelsardos auf. Der Ort schläft noch. Aus einem früherem Urlaub erinnern wir lebhaftes Treiben in den engen Gassen und Korbflechter , die ihre Waren zum Kauf anboten. Nichts davon ist zu finden, nur ein paar Lädchen, in denen Korallenschmuck verkauft wird.

Ein Aperol in der Sonne schmeckt aber gut und mittags fahren wir weiter an der Küste entlang bis kurz vor Stintino, wo uns die ProMobil-App einen schönen Stellplatz am „karibischen Strand“ zeigt.

Der Strand besteht hier aus Kieselkörnern in der Größe und Farbe von Reis. Die Kinder sind begeistert und bauen eine tolle Burg. Wir bleiben zwei Tage und lassen uns dabei gut durchpusten. Der Ausblick auf einen Kraftwerksschornstein und viele Windräder stören etwas , ansonsten ist der Platz herrlich und in dieser Jahreszeit, in der noch alle Strandbars geschlossen sind, stört sich auch niemand an uns.

Auf der Weiterfahrt bummeln wir durch Stintino und nehmen ein Eis. Der Ort ist ausgestorben und noch nicht herausgeputzt für den Touristenansturm der neuen Saison, wirkt er eher abstoßend.

Der berühmte Strand La Pelosa ist uns noch einen Fotostop wert, aber Kälte und starker Wind machen den Sonnenschein zunichte und wir verweilen nicht, obwohl wir kostenlosen und einfachen Strandzugang sowie Parkplätze vorfinden. Die extremen Bschränkungen im Sommer können wir uns nicht wirklich vorstellen.

Wir erreichen am späten Nachmittag Alghero, wo nur der stadtferne ACSI-Platz geöffnet hat und die Mitarbeiter uns mit sinnlosen Regeln traktieren und auseinander reißen in eine Familie mit Hund, die trotz fast leerem Platz nicht auf den hundefreien Paltzteil darf, auf den die anderen Gruppenmitglieder zu ACSI Konditionen müssen. OK – also nur eine Nacht zum Ver-und Entsorgen. Nachts tobt ein Unwetter mit Hagel und Gewitter. Am nächsten Morgen lacht die Sonne wieder vom fast wolkenlosen Himmel. Wir fahren auf einen großen Parkplatz am Hafen von Alghero und laufen los, um die Stadt zu besichtigen. Es ist etwas lebhafer als in Castelsardo, aber auch hier findet kaum touristisches Treiben statt.

In der Cantina Sociale in Dorgali wollen wir am nächsten Tag, Samstag, unbedingt den wunderbaren sardischen Rotwein Cannonau erstehen. Da sie um 13 Uhr schließt und wir von Alghero ein gutes Eck fahren müssen, beginnen wir die Weiterreise am Nachmittag durch wunderbare Landschaft quer durch die Insel bis Dorgali im Osten. Hier gibt es keinen Campingplatz, aber einen Stellplatz am Friedhof. Die Nacht können wir knicken. Von ruhigen Nachbarn sind wir ausgegangen, aber Hunde bellen, Kühe muhen, 3 Mal werden Glasflaschen in der Nacht von einem LKW auf einen anderen umgeladen, eine Poserbande lässt ihre Motoren dröhnen, einer schlägt an das Womo meiner Schwester.

Nach dem Frühstück machen wir eine klitzekleine Weinprobe, erstehen einige gute Tröpfchen, [ von denen wir wiederum einige im nächsten Supermarkt günstiger finden als in der Cantina 🙁 ]

Ganz in der Nähe gibt es auch eine Käserei und zu einem guten Cannonau gehört auch ein guter Käse. Also was liegt näher, als uns dort mit reichlich sardischem Peccorino einzudecken. Und der ist wirklich im Preis nicht zu schlagen. 18 – 24 € für 1 kg würzigen Käse …

Mittags treffen wir uns alle wieder an unserem Traumstrand, dem Berchida-Strand. Sebastian hat mit seinem Geländewagen die Zufahrt zu unserem vor Jahrzehnten schon entdeckten einsamen Privatstrand gecheckt und ihn für unsere Womos nicht befahrbar befunden. 30 cm Wasser gelte es zu durchqueren und die Plätze am Strand hinter den Dünen lägen in einem See. Also nehmen wir mit dem öffentlichen Parkplatz Vorlieb. Er ist so gut wie leer und vertreiben uns bis Mittwoch die Zeit mit Strandspaziergängen, Steine bemalen, Drachen steigen lassen…… Ab Juni soll die Parkgebühr pro Tag 25 € für ein Wohnmobil betragen und noch einmal 25 € für die Nacht. Jetzt war’s gratis.

Am Mittwoch fahren wir wieder ein kleines Stück weiter nach Norden, nach Santa Lucia, einem kleinen Fischerort an der Ostküste. Ein kleiner Campingplatz „Selema“ mit top-sauberen Sanitäranlagen nimmt uns gerne auf. Abends suchen wir ein Restaurant – viele sind noch geschlossen – und lernen Maria und George kennen, die im Mamma mia kochen und den Service stemmen. Maria ist deutsch-griechischer Abstammung, George ist Sarde. Es schmeckt himmlich und um sicher zu sein, dass es kein Zufallstreffer war, essen wir am nächsten Tag gleich noch einmal dort. Wieder ist alles bestens, nur das Rechnen ist nicht Marias Stärke. Kassenbons gibt es des Fiskus wegen nicht und die Ziffern auf kleinen Zetteln sind nicht sehr aussagekräftig. Aber wir kriegen es hin und errechnen gemeinsam den korrekten Betrag. 🙂

Ein Teil der Familie hat die Donnerstagabendfähre nach Livorno gebucht, ein anderer die Freitagsfähre.

Es heißt Abschied nehmen und fühlt sich komisch an. Die Dauerferien der Rentner muss man sich halt erst verdienen. Es war eine wunderbare Zeit mit euch allen und wir sind dabei, wenn es heißt: Das wird wiederholt!

Auf nach Sardinien – Ostern in der Großfamilie

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Samstag 01.04.2023 bis Montag 10.4.2023

Bei strömendem Regen starten wir um 19.45 Uhr in Richtung Süden. Nach 207 Kilometern und 2,5 h Fahrzeit übernachten wir am Badesee in Muggenstorm – zwischen Ettlingen und Baden Baden – eine gute Empfehlung von Parking4Night .

Bloß weg

Gemütlich fahren wir nach dem Frühstück weiter. Bei der Ausfahrt 64b füllen wir für 1,62 €/l noch einmal in Deutschland Tank und Reservekanister auf. An der Schweizer Grenze halten wir uns auf der Busspur und werden durchgewunken, nachdem wir unsere Schwerlast -Maut App auf dem Handy vorgezeigt haben. Bis zum Gotthard kommen wir prima durch. Dann werden wir durch 5 km Stau eine Stunde ausgebremst.

Stau

Die zweite Übernachtung ist in Piacenza. Die ProMobil Stellplatz-App führt uns zu einem unmöglichen Großparkplatz im Zentrum. Am anderen Stadtende, nahe des Friedhofs, in der Via Ceno finden wir bei einer Sportanlage einen guten Übernachtungsplatz. Gegen 21 Uhr stoßen Sebastian, Astrid und die Jungs zu uns. Die Kinder freuen sich, bei Oma und Opa im Womo schlafen zu dürfen. Christian, Sarah und die Mädels sind zwei Tage früher gestartet und bereits in Pisa auf einem Campingplatz.

Nach dem gemeinsamen Frühstück brechen wir gegen 10 Uhr auf. In Pisa wollen wir wieder zusammentreffen, um zu prüfen, wie schief der Turm inzwischen ist.

So sieht er gerade aus

Auf der Suche nach einem Parkplatz für unser Dickschiff fahren wir kreuz und quer durch die Altstadt, das Navi führt uns eiskalt durch Fußgängerzonen und die Nerven liegen (zumindest bei mir – Christiane ) blank. Als wir uns aus dem Gassengewirr befreit haben, haken wir Pisa ab und fahren direkt zum Embarco Passagieri in Livorno.

Dort kommen wir gegen 16 Uhr an, sind die ersten in Reihe 2, werden um 18.30 in eine blitzsaubere Schiffsgarage eingewunken und haben das Glück, nach dem U-Turn wieder in Reihe 2 ganz vorne zu stehen. Inzwischen sind auch unser Neffe Nico und seine Freundin Jana zu uns gestoßen. Die Kabine ist in Ordnung, zwei Einzelbetten, Bullauge, Dusche, Toilette. Das Auslaufen um 20.30 erleben wir noch an Deck und frieren ordentlich, dann gehts in die Mupfel. Um 6.30 am nächsten Morgen weckt uns das Radio, um 8 Uhr rollen wir von Bord. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau, aber das Thermometer steigt nicht über 13 Grad und es ist windig.

Auf dem Campingplatz Centro Vacanze Isuledda treffen wir alle zusammen und ergattern 3 beieinander liegende Stellplätze am Meer. Einen 4. können wir ab Donnerstag reservieren für Schwester und Schwager, Nico und Jana mieten ein Hüttchen. Die Insel steckt in einem Farbrausch: Mimosen blühen in üppigem Gelb, Mittagsblumen in allen Farben, dazwischen blaue Zwergiris, wie bei uns im Vorgarten, die Mitbringsel aus Sardinien von vor 20 Jahren. Das Auge kann sich kaum satt sehen. Noch immer ist es kühl, aber trockern und der Wind hat etwas nachgelassen. Die Kinder genießen den Strand direkt vorm Auto und die Spielmöglichkeiten hier. Die Jungs waren sogar schon baden.

Wir bleiben auf dem Camping Isuledda bis Ostermontag und unternehmen einen Ausflug mit dem Roller zum Capo d‘ Orso im Nordosten. Unterwegs haben wir an einem Belvedère fantastische Ausblicke bis nach Bonifacio und auf die Inselgruppe La Madalena.

Am Capo d‘ Orso treffen wir zufällig auf Schwester und Schwager, die hierher geradelt sind.

Am nächsten Tag fahren wir nach Santa Teresa di Gallura und zum Capo Testa , wo man zwischem wuchtigem Granitgestein umherkraxeln kann.

Halifax – zum Abschluss ein Stadtbummel

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Montag, 03.10.2022

Gegen Mittag fahren wir in die City von Halifax. Die im Reiseführer beschriebenen Parkplätze sind für unser Womo zu klein. Wir irren eine Weile herum, bis wir ganz zentral neben dem Bahnhof und Westin Hotel einen Atlantik Superstore entdecken mit reichlich Parkmöglichkeit.

Wir laufen hinauf zur Zitadelle, von wo aus man einen wunderbaren Ausblick auf die Stadt hat. Die Sonne scheint und es ist sehr klar, aber kalt und windig. Anschließend bummeln wir entlang der Waterfront wieder zurück zum Wohnmobil, vorbei an gemütlichen Kneipen und Restaurants, in denen man bestimmt gut essen könnte. Tja, aber unser Kühlschrank muss morgen leer sein, also wieder heim an den Herd.

Die Zusammenarbeit mit dem hiesigen Spediteur ist äußerst unerquicklich. Telefonanrufe landen auf dem Anrufbeantworter, Emails werden ewig nicht beantwortet und das Treffen heute ist auch geplatzt. Nachdem wir schriftlich anfragten, wann und wo in der Stadt wir zusammenkommen wollten, wurde plötzlich ein völlig neues Treffen morgen um 12 Uhr im Hafen ins Spiel gebracht. Also richten wir uns jetzt darauf ein, morgen um 12 Uhr im Hafen zu sein.

Liebe Leser (* oder -innen machen wir nicht mit 😊) wir danken für euer Interesse und die ermutigenden und lobenden Rückmeldungen, über die wir uns sehr gefreut haben. Kanada ist ein großes Land und wir denken schon über eine weitere Reise nach, denn längst haben wir nicht alles gesehen und manches müssen wir auch unbedingt noch einmal erleben. Dann versprechen wir euch neue Lektüre.

Der Kreis schließt sich langsam

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Samstag 01. Oktober und Sonntag 02. Oktober 2022

Bei 15 °C, die aber in der Sonne wie 20°C wirken, machen wir nach dem Frühstück erst einmal einen langen Spaziergang auf dem „Celtic Coastal Trail“, einer ehemaligen Bahnstrecke, die jetzt als Küsten-Fernwanderweg ausgewiesen ist. Man hat hier einen weiten Blick über die Bucht von Antigonisch.

Am Nachmittag verlassen wir dann Cape Breton Island und fahren auf dem Transcanada Hwy #104 zurück Richtung Halifax. Etwa 120 km  vorher legen wir auf einem Pendlerparkplatz dicht neben dem Hwy. und dem Salt Springs Provincial Park, der noch wegen Hurrikan Schäden geschlossen ist, eine weitere Übernachtung ein, wir haben ja noch Zeit: Montag will uns Kim treffen und die Papiere übergeben und wir können dann alleine am Dienstag das Auto in den Hafen bringen.

Nun ist es nicht mehr weit bis Halifax und zum Shubie Campground, wo wir im Juni die ersten beiden Nächte nach dem Abholen des Autos verbracht haben.

In Truro machen wir einen letzten Tank- und Einkaufsstopp und sind dann gegen 14 Uhr in Shubie. Ein abgeknickter Baum, sonst sehen wir keine Sturmschäden, aber die Stromversorgung, soll gelitten haben und so finden wir dann Quartier auf dem Platz # 11, eigentlich ein teurer 50 Amp Platz, jetzt aber stromlos und „billig“ = 38 CAD die Nacht.

Am Nachmittag wird gepackt. Was soll im Auto bleiben und was kommt mit in den Koffern?

17.30 Uhr geht die Sonne unter und wir zum gemütlichen Teil über.

Herbstfarben und schöne Küste – auf dem Cabot Trail

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Donnerstag, 29. September 2022

Das Meeresrauschen hat uns gut schlafen lassen. Es ist noch immer bewölkt, aber keine tiefhängenden Nebelwolken mehr und weniger Wind, bei 15 °C.

Es sind nur noch wenige Kilometer bis zum „Cape Breton Highlands Nationalpark“, der an seinem südöstlichen Ende das Dörfchen Ingonish umschließt. Im Visitorcenter erfahren wir, dass alle Parkeinrichtungen, Campgrounds, Trails etc. bis einschließlich 4. Oktober geschlossen bleiben. Man kann also im Moment nur durchfahren.

Gleich in Ingonish Beach (gehört zum NP), einem Strand mit lauter rund geschliffenen Granit-Kieselsteinen, halten wir an und machen eine kleine Wanderung zwischen Meer und einer Süßwasserlagune mit Badestelle. Die Anlage ist sehr schön und kindergeeignet.

Der Parkplatz des „Costal Restaurant &Pub“ in Ingonish ist voll, das ermuntert uns hier einzukehren zum Fischessen. Kein Gourmetempel, eher gute Hausmannskost zu zivilen Preisen mit 9 Sorten Bier vom Faß.

Die weitere Strecke wird landschaftlich immer schöner und es kommt zeitweilig auch die Sonne durch die Wolken. Viele Parkplätze am Straßenrand bieten herrliche Ausblicke und Fotomotive.

In Nils Harbour biegt der Cabot- Trail nach Westen ab und folgt der Parkgrenze. Die Nordspitz des Cape Breton gehört nicht mehr zum Nationalpark. Wir wollen weiter der Küste folgen bis White Point und fahren ab zum Leuchtturm von Nils Harbour und finden dort auch das im Führer gepriesene Fischrestaurant Chowder House – aber geschlossen und von außen wenig ansprechend.

In diesem Ort hat Fiona besonders gewütet und wir sehen schlimme Schäden.

Einige Kilometer weiter in South Harbour finden wir einen Stellplatz für die Nacht.

Auf dem Weg zum Cabot Trail

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Dienstag, 27. September und Mittwoch, 28. September 2022

Als wir aufwachen, hängen die Wolken wieder tief. Für den Cabot – Trail, den Namen verdankt er dem Entdecker der Insel, brauchen wir gutes Wetter, denn er gilt als die schönste Panoramastraße Ost-Kanadas. Wir vertreiben uns die Zeit mit „Hausputz“ und fahren erst um 12 Uhr weiter von Port Hawkesbury bis Louisdale, denn dort gibt es laut IOverlander eine der wenigen Dumpstations auf der Insel. Immer wieder schüttet es heftig.

Von Louisdale fahren wir auf kleinen Nebenstraßen über Dundee, West Bay nach Kingsville und dann auf dem Hwy # 105 bis nach Whycocomag. Dort gibt es einen Boondockerplatz am Meer, der bei schönem Wetter besonders am Morgen ein tolles Panorama bieten soll. Uns empfängt nach ruhiger Nacht nur mal wieder dichter Nebel – nix mit Panorama.

Nach einem gemütlichen Frühstück brechen wir auf und erreichen nach 40 Kilometern Baddeck. In dem kleinen Städtchen (800 Einw.) findet man ein Alexander Graham Bell (1847 – 1922) gewidmetes Museum – Nat. Historic Site.

Er lebte 37 Jahre hier und wird nicht nur als Erfinder des Telefons geehrt.

Vor ihm stellte jedoch schon der hessische Lehrer Philipp Reis aus Friedrichsdorf /Ts. am 26. Oktober 1861 in einem Vortrag in Frankfurt/Main ein von ihm erfundenes Gerät vor, das Töne über ein Elektrokabel zu einer entfernten Gegenstelle leiten konnte und das er Telefon nannte. Berühmt als erster telefonisch übermittelter Satz wurde: „Das Pferd frisst keinen Gurkensalat.“ Leider war Reis nicht erfolgreich mit der Vermarktung seiner Erfindung und starb schon mit 40 Jahren an Tuberkulose.

Bell meldete die Erfindung des Telefons 1875, 2 Jahre nach dem Tod von Reis zum Patent an. Auch auf dem Gebiet der Luftfahrt experimentierte er und war beteiligt am ersten Motorflug in Kanada. Wir bestaunen einen Nachbau der von ihm entwickelten Flugmaschine „Silver Dart“ und ein Wasserfahrzeug „HD 4- Hydrofoil“, das es damals auf den Geschwindigkeitsweltrekord von 120 km/h brachte. Er entwickelte die „Eiserne Lunge“ und spezielle Unterrichtsmethoden für Gehörlose – ein persönliches Anliegen, denn seine Frau und seine Mutter waren taub.

Im Museum erhalten wir wieder Warnmeldungen aufs Handy, diesmal über Straßenzustände in der Region. Im Visitor Center lassen wir uns nochmal beraten, ob es sinnvoll sei, den Cabot Trail zu fahren. Morgen solle das Wetter besser werden, am Freitag sogar sehr schön. So fahren wir noch ein Stück weiter bis Wreck Cove, um dann hoffentlich morgen und übermorgen den Indian Summer genießen zu können. Dann bleiben uns noch 2 Tage bis Halifax, das reicht.

Cape Breton

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Sonntag, 25. September und Montag, 26. September 2022

Heute Morgen strahlt die Sonne vom blauen Himmel. Die Nacht war ruhig, ohne Beleuchtung und man konnte aus dem Dachfenster den Sternenhimmel bestaunen. Samstagabend erhielten wir auf unsere beiden Handys einen Hilferuf, der wohl an alle in der Region eingeloggten Handys verschickt wurde: Ein vierjähriger Junge wird seit dem Abend vermisst. Es folgt eine detaillierte Beschreibung und die Anwohner von Springville werden gebeten, ihre Grundstücke nach dem Kind abzusuchen. Am Sonntagmorgen hören wir in den Nachrichten, dass es noch immer nicht gefunden wurde. Doch nach einer halben Stunde kommt Entwarnung. Eine Polizei – Hundestaffel hat den kleinen Mann 2 km vom Elternhaus entfernt erschöpft, aber unversehrt in einem Maisfeld aufgefunden. Was müssen die armen Eltern in der Nacht durchlitten haben!

Da noch immer viele Straßen nicht passierbar sind – auch der Cabot Trail, verbringen wir den Sonntag mehr oder weniger auf dem Parkplatz, nehmen im Windschatten des Womos ein Sonnenbad, machen einen Spaziergang durch das Industriegebiet, schauen uns bei Autohändlern neue und gebrauchte Pickups an und klönen mit anderen Campern in unserer Nachbarschaft: Ein Paar im Wohnwagen mit chinesischen Wurzeln, zwei Frauen mit indischen Wurzeln im Womo und ein Paar aus Österreich im VW-Bus. Nebenan hat Canadian Tire geöffnet. Die Kanadierinnen haben sich 2 Solarpanels gegen cash gekauft (Kartenzahlung funktioniert noch nicht wieder), damit sie ihre Handys laden können.

Nachmittags öffnet auch der Walmart. Die Kühlregale sind leergeräumt, sonst weist nichts darauf hin, dass die Region gerade von einem schlimmen Unwetter heimgesucht wurde. Der Strom ist in diesem Viertel wieder da.

Auf unserem Spaziergang haben wir eine VISA-Karte der Scotia-Bank gefunden. Wir googeln den Namen der Inhaberin, finden auch eine Telefonnummer und hinterlassen unsere auf der Mailbox. Aber niemand meldet sich. Am Montagmorgen wollen wir bis Cape Breton weiterfahren, brauchen aber noch Diesel, da der Tank halbleer ist. An drei Tankstellen, die wir passieren, haben sich kilometerlange Staus über mehrere Ampeln gebildet. Im Zentrum von New Glasgow wollen wir bei einer Scotia-Bank die gefundene VISA-Karte abgeben, doch die Filiale ist geschlossen. Ein Feuerwehrmann bietet sich an, dafür zu sorgen, dass die Karte zurück zu ihrer Besitzerin findet. Wir vertrauen ihm.

Dann fahren wir zur Entsorgung auf das Gelände einer IRVING Tankstelle. Hier gibt es 10 Zapfsäulen, davon zwei für Diesel, die aber nicht gefragt sind, denn fast alle wollen Benzin fürs Auto tanken und die vielen mitgebrachten Reservekanister füllen, um zu Hause die Generatoren zu betreiben. Auch große Beutel mit Eiswürfeln sind sehr gefragt, da der Kühlschrank ohne Strom nicht kühlt.

Mit dem Womo an die Diesel-Zapfsäule zu kommen bedeutet, sich in die schier endlose Schlange einzureihen. Die Reservekanister an der Diesel-Zapfsäule zu betanken ist ohne Wartezeit möglich. Wir füllen unseren noch vollen 20 Liter Kanister in den Tank, machen dann beide noch einmal voll und sind bald wieder unterwegs auf dem Hwy # 104 nach Cape Breton.

Unterwegs öffnet der Himmel wieder alle Schleusen und das Fahren macht keinen Spaß. Eine kleine Brücke führt auf Cape Breton Island und gleich dahinter findet man ein Informationszentrum. Dort werden unsere Befürchtungen bestätigt. Alle Parks sind bis 30. September geschlossen. Den Trail kann man wohl befahren, bei der Wetterlage sei das aber nicht empfehlenswert. Vielleicht morgen?

Bei dem Stopp hier stellen wir fest, dass Wasser aus der Dunstabzugshaube tropft. Schnell ist erkannt, dass die Kaminabdeckung wohl von einem über die Straße hängenden Baum abgestreift wurde und es nun in den Schornstein regnet. Was wären wir ohne Canadian Tire und Walmart Parkplätze, denn kurz hinter dem Visitor-Center gibt es Beides. Der Schornstein hat wieder eine Abdeckung und wir eine sichere Bleibe für die Nacht, denn bei immer wieder neu einsetzendem Starkregen wollen wir nicht mehr weiterfahren.

Zerstörung

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Samstag, 24. September 2022

Gegen 15 Uhr wird es uns langweilig und der Umgebungslärm nervt gewaltig. Die meisten Wohnmobile, die in der Nacht hier standen, haben den Parkplatz inzwischen verlassen, da fahren auch wir los. Zunächst auf dem Transcanada Hwy #2 südostwärts mit kräftigem Rückenwind – sehr Sprit sparend! Die ersten 65 km bis zur Abfahrt zum Fort Beauséjour ist kaum etwas von Sturmschäden zu entdecken, aber wir werden von 11 Lkws mit Kran- und Hubkorbaufsatz aus der Provinz Quebec überholt, die wohl alle zur Reparatur von Stromleitungen geschickt wurden und die am Infocenter Nova Scotias an der Provinzgrenze rausfahren.

Etwa 30 km weiter sehen wir am Autobahnrand erste entwurzelte Bäume. Unser Etappenziel ist das etwa 200 km entfernte New Glasgow an der Nordostseite Nova Scotias. Die Autobahn macht dazu einen großen Bogen nach Süden, während ab Oxford die Landstraßen #4 und #246 in gerader Linie die Sehne des Bogens bilden. Auf der #4 mehren sich die umgestürzten Bäume, aber die Straße ist frei. Je weiter wir kommen, desto größer werden die Zerstörungen. 8 km vor Tatamagouche trauen wir uns auf der engen #246 nicht mehr weiter und fahren nach Norden an die Küste auf die #6. Obwohl es noch keine 24 Stunden her ist, dass der Sturm hier durchzog, sind die umgestürzten Bäume schon so zurecht gesägt bzw. beiseite geschafft, dass ein Durchkommen möglich ist, aber die Stromleitungen sind zerstört, Masten umgeknickt wie Streichhölzer, Maisfelder niedergewalzt – hier wir wohl dieses Jahr niemand mehr etwas ernten.

Dächer sind teilweise abgedeckt, Wandverkleidungen abgerissen, Bäume auf Häuser gestürzt, Wohnwägen umgekippt, und überall Menschen beim Aufräumen.

Alles ist dunkel, Strom gibt es keinen, aber viele haben Generatoren. Wir sind erschüttert von den Bildern der Katastrophe – es ist ein Unterschied, ob man das in den Medien sieht, per Fernseher ins gemütliche Wohnzimmer geschickt bekommt oder selbst vor Ort erlebt.

Als wir kurz vor Beginn der Dunkelheit unseren neuen Walmart-Parkplatz in New Glasgow erreicht haben, löst sich die Anspannung etwas, denn unterwegs war es keineswegs sicher, dass wir durchkommen würden.

Hier herrscht Totenstille, der Walmart ist dunkel und verlassen – bis auf ein paar Womos auf dem großen leeren Parkplatz – Blackout! Nichts geht mehr, wenn der Strom fehlt, auch alle anderen Läden rundum und die Ampeln sind stromlos. Für uns erfreulich: Der Handyempfang und damit der Internetzugang funktionieren noch.

Ausweichmanöver

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Freitag, 23. September und Samstag, 24. September 2022

In der Nacht zu Freitag hat es schon mal recht heftig geschüttet und auch der Wind hat zugenommen. Es ist bedeckt und 15 °C. Ein junges Paar mit Husky parkt neben uns in einem VW-Bus und will Fiona hier abwarten. Wir halten das für keine so gute Idee und fahren auf der Autobahn noch mal etwa 65 Kilometer zurück nach Moncton, das mit Dieppe zusammengewachsen ist. An der Nahtstelle gibt es eine riesige Einkaufsmall. Wir frischen noch einmal Vorräte im „Sobeyes“ auf und lassen an der Irving Tankstelle auch unseren Propanvorrat fürs Heizen auffüllen. Für die nächsten 3-4 Tage sind wir nun autark. Vor dem hiesigen Walmart wollen wir aber nicht bleiben. Das ganze Areal ist sehr flach und liegt an einem Flüsschen, in dem die Tide der nahen Bay of Fundy noch deutlich sichtbar ist an etwa 1-2 Meter hohen schlammigen Ufern bei Ebbe. Bei angekündigtem Starkregen und Sturmflutgefahr – nein danke! Wir fragen nochmal bei dem städtischen Informationscenter „Resourgo Place“ nach: Moncton ist sicher.

Schöne Eiche mit riesigen Früchten vor dem Resourgo Center

Moncton ist eine große Stadt, die uns aber beim Durchfahren der Mainstreet nicht anspricht und hat auf einer Anhöhe am Nordende zwischen Universität und Autobahn noch einen Walmart zu bieten. Hier stehen schon einige Wohnmobile, zu denen wir uns gesellen. Es ist Nachmittag und die berühmte Ruhe vor dem Sturm, wären da nicht motorisierte Krachmacher mit frisierten Auspufftöpfen.

Mit Ohropax gelingt dann sogar noch ein Mittagsschlaf. Gegen 19 Uhr beginnt es zu regnen und auch der Wind schwillt an zu einen Pfeifen und Heulen, das immer stärker wird. Wir stehen mit unserer Längsachse fast exakt in Windrichtung, er kommt leicht von links vorn, und haben für einen guten Stand die Hubstützen ausgefahren. Trotzdem schaffen es die Windböen ab Mitternacht, das Auto zum Wackeln zu bringen und die Regentropfen fast waagrecht über den Parkplatz gegen die Windschutzscheibe zu fegen.

Der Höhepunkt ist dann gegen 4 Uhr am Morgen erreicht. Zum Glück bleiben hier Schäden aus, während wir in den Nachrichten von Stromausfällen, umgeknickten Bäumen, weggespülten Häusern und Straßen lesen – auch das Gebiet Dieppe/Moncton wird mit Stromausfällen erwähnt. Richtig gemacht!

https://www.stern.de/panorama/unwetter–wirbelsturm–fiona–legt-stromversorgung-in-kanada-lahm-32756340.html

https://www.cbc.ca/news/canada/photos/post-tropical-storm-fiona-strikes-atlantic-canada-1.6594469

Wir sind dankbar für den Luxus in unserem Womo und fragen uns , wie die Siegburger wohl den Sturm überstanden haben. Da es immer noch recht stürmisch ist, warten wir lieber ab, bevor wir weiterfahren, denn am Cape Breton dürfte einiges aufzuräumen und Straßen befahrbar zu machen sein.

Bloß kein Treffen mit Fiona

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Donnerstag, 22. September 2022

Heute Morgen ist es bedeckt und recht windig, dafür nicht so kalt. Wir machen einen kleinen Spaziergang durch das Fort, das auch hier zunächst von den Franzosen erbaut und später von den Engländern eingenommen wurde. Trotz einiger Bildtafeln können wir uns kein so rechtes Bild darüber machen, wie das mal ausgesehen haben mag, als es noch bewohnt und umkämpft war.

Eigentlich stünde jetzt die Weiterfahrt zum Cap Breton an – aber da ist Fiona vor. Vor zwei Tagen zog sie als tropischer Wirbelsturm über die Dominikanische Republik / Haiti , verstärkte sich dann zum Hurrikan der Stärke 4 von 5 und zieht aktuell vor der amerikanischen Ostküste nordwärts. Samstag soll sie mit Windgeschwindigkeiten von bis über 160 km/h und mehr als 100 Liter Regen/m² über das Cap Breton und große Teile Nova Scotias hinwegziehen.

Wir suchen im Internet Informationen: Ab Freitag 12 Uhr sind alle National- und Provincial-Parks geschlossen und manche Straßen gesperrt. Die Bewohner sollen sich vorbereiten und Vorräte für mindestens 3 Tage parat haben, Essen, Getränke, Treibstoffe, Batterien, Taschenlampen, etc. etc. Der letzte Hurrikan erreichte Kanada vor 20 Jahren – und Fiona könnte schlimmer werden, wird befürchtet.

Wir beschließen, kein Risiko einzugehen und wollen in New Brunswick bleiben, bis das Unwetter vorbei ist. Aber heute ist erst Donnerstag und so wollen wir uns in der Nähe, aber schon wieder in Nova Scotia, eine Unesco World Heritage Site, die „Joggins Fossil Cliffs“ anschauen. Unterwegs finden wir wieder zahlreiche Bäume mit rotem Laub. Wie schön sähe das erst bei Sonnenschein aus.

Am Provinzübergang steuern wir das Visitor Center an, um deren Ratschlag zu Fiona einzuholen, wobei wir eigentlich nur Bestätigungen erhalten. Nebenbei treffen und unterhalten wir uns noch mit einem netten Paar aus Quebec, unser Alter, unterwegs in einen Pickup mit Aufsatzkabine, die über Ihre Reise bis nach Ushuaia berichten und ihren Husky immer dabei haben.

Ein Informationszentrum am Joggins Fossil Cliff mit kostenpflichtiger Ausstellung (5,75 CAD p.P.) ist hübsch und interaktiv gestaltet.

Es werden auch Führungen zur Klippe angeboten, aber weil es gerade regnet, verzichten wir und schauen uns das anschließend alleine an. Hier sind aus dem Karbon Versteinerungen zu entdecken.

Zum Übernachten fahren wir auf den bewährten Parkplatz am Fort Beauséjour zurück und wollen morgen noch weiter ins Inland nach Moncton – Fiona ausweichen.

Übrigens – Diesel ist in Nova Scotia etwa 20 Cent billiger als in New Brunswick.