Von Ksar Ghilane nach Douz und weiter nach Tozeur

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Samstag, 25.04.2026 – Dienstag, 28.04.2026

Heute Morgen putzen wir erneut das Womo. Dieser puderfeine Saharastaub zieht wirklich durch alle Ritzen und wegen des starken Windes, der momentan bläst eben auch durch alle Fliegengitter im Dach und den Fenstern. Gegen 11 Uhr brechen wir auf. Unser nächstes Ziel ist Douz, ebenfalls eine Oase. Man trifft sehr selten Camperreisende, aber wenn, dann werden immer Tipps weitergereicht und einer der Tipps lautet: In Douz muss man auf den Campingplatz Desert von Mme. Sophie, einer Französin, die vor vielen Jahren einen Tunesier geheiratet hat und hier einen Platz betreibt, den sie liebevoll führt. Alles kostet 12 Dinar (Ca. 4 Euro): Person, Auto und Waschmaschine, die wir heute gerne nutzen. Ein selbstgebautes Schattendach schützt uns vor der Sonne. Beim Durchfahren konnte uns Douz nicht begeistern und so verzichten wir auf einen Stadtbummel.

Am nächsten Morgen bekommen wir frisches Brot und fahren nach einem gemütlichen Frühstück weiter bis Tozeur. Wir kommen durch Kebili, einer langgezogenen großen Stadt, wo es so ziemlich alles zu kaufen gibt. Ein französischer Tourist auf dem Campingplatz hatte tags zuvor sein Auto bei einem Sprung in den Dünen (???) geschrottet, das Differenzial war kaputt. Was zu Hause sicher 2-3 Tage Lieferzeit gebraucht hätte, war hier in 3/4 Stunde Fahrzeit einfach abzuholen und war schon durch einen „Hausbesuch“ des Reparaturteams einer Toyota-Mannschaft auf dem Campingplatz repariert, als wir heute aufbrachen.

Schon von weitem sehen wir eine schwarze Rauchfahne. Nach einer Weile wird klar, dass es sich um eine Raffinerie handelt.

Kurz hinter Kebili wird’s dann gruselig. Der Wind hat noch einmal zugelegt, die Luft ist sandgeschwängert und die Sonne nicht mehr zu sehen. Die P16 führt durch eine große Salzpfanne, Chott el Jérid. Jürgen steigt aus und testet die Oberfläche: Unter einer dünnen harten Schicht kommt nach 2-3 cm eine matschige Masse zum Vorschein. Man kann sich gut vorstellen, in welchen Gefahren Kara Ben Nemsi in „Durch die Wüste“ schwebte und wie vorsichtig er beim Ritt über diesen Chott sein musste, um nicht zu versinken.

Wir fahren am Rande eines Oasengürtels entlang. Dattelpalmen sorgen hier für das Einkommen.

Wir kommen heil in Tozeur an und – natürlich wieder eine Empfehlung eines anderen Tunesienreisenden – hier muss man auf den schönsten Campingplatz von ganz Tunesien, den Camping „Coco Oasis“, wieder in einer Oase gelegen. Und ja, so schön haben wir noch nicht gestanden. Das Highlight ist ein großer Pool, der auch hier von einer Quelle gespeist wird. 3 Tage bleibt das ungechlorte Wasser im großen Becken, dann wird es gegen Mittag zur Bewässerung in die Palmen- und Gemüsefelder abgeleitet und am Abend wird wieder neues Wasser mit großem Druck hineingepumpt. Das Wasser ist angenehm weich, nicht warm, sondern erfrischend und wir genießen es ganz allein, auch als im Lauf des Nachmittags weitere Gäste ankommen.

Der Besitzer, Dhiheb, lebte lange Zeit in Deutschland, hat dort Maschinenbau studiert, in selbstständiger Position u.a. bei Mercedes gearbeitet, spricht fließend Deutsch, kennt sich in der Weltgeschichte bestens aus und hat uns heute Mittag viel Interessantes über sein Heimatland erzählt, in das er vor 2 Jahren als knapp 70-jähriger Rentner zurückgekehrt ist. Die Oase habe er schon besessen, nun habe er einen Campingplatz daraus gemacht. Vermutlich hat er viele Dinge, die bei uns zu Hause auf den Sperrmüll wandern, hierher gebracht wie z.B. Sitzmöbel, die überall auf dem Areal aufgestellt sind.

Der starke Wind, der binnen kurzer Zeit alles mit Staub überzieht, sei normal für diese Jahreszeit und auch absolut erforderlich, um die Dattelpalmen zu bestäuben, die nicht von Insekten, sondern vom Wind und von Menschenhand in wagemutigen Kletterexkursionen bestäubt werden.

Eigentlich wollten wir morgen weiter zu den Bergoasen, zu denen wir ebenfalls Tipps von ihm erhalten haben, aber wir werden nun doch noch einen weiteren Tag hierbleiben und das 2,5 km entfernte Tozeur besuchen.

Um 8.30 Uhr bringt uns Chiheb, der Besitzer des Campingplatzes, frisches und noch ganz heißes Baguette ans Womo, das gehört hier zum unentgeltlichen Service. Später nehmen er und seine Frau, die etwas in der Stadt erledigen wollen, uns in ihrem Auto mit bis zum Eden Palm Museum, das wir uns anschauen wollen. Anhand von vielen Schautafeln ist hier die Geschichte der Dattelpalmen erklärt. Wir lernen, dass die Dattelpalme kein Baum, sondern ein Gras ist. Jerid ist das arabische Wort für Palme und Tozeur ist die Hauptanbauregion für Datteln. Der riesige Palmenhain, etwa 1000 Hektar groß, wird von mehr als 200 Quellen gespeist und in Kanälen auf die Plantagen geleitet. Die besten Datteln Tunesiens seien die honigfarbenen „Deglet Nour“. Im angrenzenden Garten kann man die verschiedenen „Stockwerke“ sehen, ganz unten Gemüse- und Futterpflanzen, dann Granatäpfel, Bananen und Feigen und oben als Schattenspender die Palmen.

Vom Museum laufen wir vorbei an schön eingegenzten Palmenhainen – die Lehmziegel sind lt. Reiseführer nur noch in Tozeut und im Nachbarort Nafta zu sehen…

in die Medina von Tozeur,

über den Souk, auf dem Markt gibt’s frisches Obst und Gemüse – das kauft man wirklich besser nicht im Supermarkt – Fisch und Fleisch. Für den Rückweg winken wir einem Taxi und lassen uns in der Mittagshitze für weniger als einen Euro zum Campingplatz fahren. Erstes Ziel: der wunderbar erfrischende Pool.

Einen Kindergarten sehen wir auch. Dhihebs Frau hat uns ganz stolz berichtet, dass in Tunesien die Kinderbetreuung viel besser geregelt sei als in Deutschland. Frauen könnten problemlos arbeiten, es gebe reichlich Betreuungsangebote. Was es nicht gebe, seien Altenheime. Da würden sich hier die Kinder darüber streiten, wer die Eltern pflegen dürfe.

Morgen fahren wir weiter in die Bergoasen, auch dazu haben wir Tipps von Chiheb erhalten.

Hier auf den Camping Coco Oasis haben wir wirklich 3 entspannte Tage verbracht und die große Gastfreundschaft der Besitzer genossen, Es war schön!!!

Gute Nacht!