Heute geht es weiter Richtung Norden. Der Icefield Parkway ist unser nächstes Zwischenziel. Wir verlassen den Glacier NP wieder am Westgate. Vor zwei Jahren waren wir auf der Ostseite bei St Mary hineingefahren. Die Verbindungsstraße zwischen beiden Eingängen, die Going to the Sun Road, ist im Moment noch gesperrt. Schnee wird wohl nicht mehr der Grund sein, möglicherweise braucht die Natur nach langen Wintern und vielen Touristenbesuchen noch Zeit zur Regeneration.
Unser Weg führt uns auf der „2“ bis zum hübschen Örtchen Whitefisch, wo wir noch einmal in einem von uns bevorzugten Supermarkt „Safeway“ einkaufen. Vor der Grenze tanken wir einmal Diesel und Propan voll. Bisher haben wir in rund 4 Wochen 2 Flaschen a 11 kg Propan verbraucht für Kühlschrank, Kochen und Heizen. Dank 200 Watt Solarzellen und 200 AH LiFePo4 Batterien kann uns das amerikanische Stromnetz mit 60 Hz und 110 V egal sein, wir sind diesbezüglich autark mit unserem 3000 Watt Inverter.
Danach wechseln wir auf die „93“, die uns in Rooseville zur kanadischen Grenzkontrolle führt. Die Amerikaner interessieren sich nicht für Ausreisende und haben hierfür keine Grenzstation: Fahren Sie durch und melden sich bei den Kanadiern- steht auf einem Schild. Die Einreise nach Kanada verläuft absolut unproblematisch: Pässe vorzeigen, die eingescannt werden, keine Inspektion des Kühlschranks und des Womo-Innenraums, einige Pflichtfragen nach Waffen, Tabak, Alkohol und Bargeldmenge über 10.000 CAD, wir müssen in kein Büro, sondern können im Auto sitzen bleiben, dann wird uns auf Deutsch eine schöne Weiterreise gewünscht und wir sind in Kanada.
Welch angenehmer Unterschied zur Einreise in die USA vor 3 Wochen, wo wir zuvorderst den Willen zur Machtdemonstration des Staates und der Überlegenheit gegenüber den Ankömmlingen verspürten. Willkommenskultur an der Grenze geht anders . Wir erwähnen noch einmal ausdrücklich, dass wir uns in den USA sehr wohlgefühlt haben, die Bevölkerung genau wie in Kanada sehr entgegenkommend und freundlich ist, die Behörden sind nur anders und kehren ihre Machtposition raus.
Wir bleiben auf der 93 bis Radium Hot Springs. Nach 385 km und 5:30 h Fahrzeit reicht es uns und wir mieten uns wieder auf dem Readstreak Campground im Kootenay NP ein wie vor 2 Jahren. Noch gibt es Netz und Internet – im weiteren Verlauf könnte das problematisch werden. Hier kaufen wir den Nationalpark Jahrespass. Es gibt die Version pro Person für 64 CAD und pro Fahrzeug bis max 6 Personen für 150 CAD. Wir wählen natürlich die Personenvariante, beide gelten 365 Tage ab Ausstellung.
Dickhornschafe begrüßen uns wie vor 2 JahrenDickhornschafe begrüßen uns wie vor 2 JahrenDickhornschafe begrüßen uns wie vor 2 Jahren
Es sind jetzt erst gerade mal 21 Tage, dass wir „on the road“ sind. Wir haben schon so viel erlebt, dass es uns viel länger vorkommt. Bislang gab es mit dem Auto keine Probleme, jetzt ist zum zweiten Mal an einem Morgen die Anzeige des Reifendrucks vorne rechts abgesunken und das Gerät piept. Nachpusten ist kein Problem, wir haben ja einen guten Kompressor dabei, aber was ist die Ursache? Beim ersten Mal hatte ich den Eindruck, die Messkappe habe sich gelockert und dadurch sei Druck entwichen. Also diesmal Aufpumpen und die Messkappen vorne links und rechts vertauschen, um zu sehen, ob die Messkappe selbst das Problem ist oder etwas anderes.
Auf der I 90 rauschen wir durch flaches bis leicht welliges Grasland nach Butte. Am Horizont in etwa 50 km Entfernung sieht man in der klaren Luft schon wieder schneebedeckte Bergspitzen.
Weiter geht’s nach einem Tankstopp über den Hwy 12 Nord, nach 52 km links ab auf den 141. An der Kreuzung zur 200 rechts ab auf den 83. So nebenbei waren das 3 Bundesstaaten, Wyoming, Idaho und jetzt sind wir in Montana. Die Straßen sind gut und die Landschaft wird immer schöner.
I-Overländer verhilft uns zum nächsten Übernachtungsplatz: „state land“ neben der 83 N 48,09991 W 113,97360, etwa 1,5 km auf einer gravelroad leicht bergauf zu einer Lichtung und Wendeplatz. Wir haben es uns gerade vor dem Auto auf den Stühlen in der Abendsonne bequem gemacht, als ein blauer Pickup anhält, aus dem uns ein Ehepaar auf deutsch anspricht :“Wie habt ihr denn diesen Platz gefunden und wo kommt ihr denn her?“ Wir kommen ins Gespräch und erfahren, dass Jörg vor 60 Jahren aus der Schweiz eingewandert ist und seine zweite Frau, Erika, eine Amerikanerin mit Deutschlehrer als Vater eine Zeit lang in Deutschland studierte. Mit treuen Augen mustert uns Willie, ihr Hund. Spontan laden sie uns ein mitzufahren in ihr Haus, das weiter oben im Wald am Berg liegt, sie würden uns auch wieder zurückbringen. Wir sind begeistert vom Blockhaus der beiden, das sie selbst geplant haben als Oase der Ruhe, als Ausgleich zu ihrem Domizil mit Maschinenbaufirma in Kalifornien. Es ist ein kurzweiliger Abend mit netten Gesprächen und wird schon leicht dunkel, als Jörg uns zu unserem Womo zurückbringt.
Am nächsten Morgen brauchen wir nur noch eine Stunde bis zum Glacier NP Westgate. Wir haben Glück und finden auf dem Fish creek campground Platz für drei Nächte. Die Buchung erfolgt online über die „NPS-App“, wobei uns der freundliche Camp-Host, durchs Programm leitet. Eigentlich ein Platz für Rollstuhlfahrer, den auszuwählen wir uns nicht getraut hätten – aber bevor er leer bleibt, darf er nach 12 Uhr auch anderweitig belegt werden. Ein junger Hirsch (Deer) äst in unserer Nachbarschaft.
Wir werden erneut auf unser Womo angesprochen und das Staunen ist groß, als wir unseren Roller aus der Garage holen. Die Road to the Sun ist zu dieser Jahreszeit noch nicht durchgängig befahrbar und bei der Sperrung am geschlossenen Avalanche Campground haben wir im Gegensatz zu den großen Autos keine Probleme für den Roller, einen Parkplatz zu finden. Wir starten mit einer hübschen „Catwalk Runde“ durch einen alten „Red Cedar“ (Thuja) Wald,
die wir dann ausweiten zu einer Wanderung hinauf zum Avalanche Lake. Viele Menschen sind auf dieser Strecke unterwegs und die Warnung vor Bären ist sicher unbegründet.
Nach 10 km zu Fuß und insgesamt 50 km auf dem Roller sind wir dann um 20.00 Uhr Ortszeit wieder auf dem Campingplatz.
Das Wetter ist auch an den nächsten beidenTagen herrlich. Morgens noch recht frisch klettert das Thermometer gegen Mittag auf 22°C – angenehm zum Wandern. Am Freitag frühstücken wir gemütlich, genießen die Ruhe am Platz und brechen gegen Mittag zu einer kurzen Wanderung zum Rocky Point auf. Der Wanderweg ist nur 2 km lang und startet direkt am Campingplatz Fish Creek. Von oben hat man einen herrlichen Ausblick auf den Lake Mc Donald.
Wir hätten auch unser Kayak aufpumpen und einen Ausflug zu Wasser unternehmen können, aber wir haben noch keine Schwimmwesten und ohne fühle zumindest ich (Christiane) mich unsicher, denn wir haben noch keinerlei Erfahrung mit Kayakfahren. Es geht anders als Kanufahren und wackelt mehr, die Erfahrung machten wir letztes Jahr bei der Premiere auf der Lahn. Zudem muss man in USA und Kanada mit allem, was sich auf dem Wasser bewegen lässt, eine „Waterinspection“ durchführen lassen – für jedes Gewässer wieder neu. So soll das Verschleppen und Einwandern nicht endemischer Arten verhindert werden. Damit werden wir erst in Kanda starten.
Am Samstag machen wir zunächst Pläne für die Weiterreise. Im Wells Gray Provincial Park haben wir auf dem Clearwater Lake Campground vom 1. bis 7. Juli einen Platz reserviert: C15, den einzigen, den es Ende Juni/Anfang Juli zu reservieren gab. Das passt gut, da können wir uns vorher noch etwas Zeit für den Icefield Parkway nehmen.
Am Nachmittag fahren wir mit dem Roller noch einmal ein Stück auf der „Going to the Sun Road“ hinauf bis zu den Mc Donalds Falls. Dort führt eine Brücke hinüber und man kann sehr schön und gamz allein am Fluss entlang wandern. Bären nicht in Sicht, aber ein hübsches Deer äst im Sonnenlich auf einer kleinen Insel. Übrigens: Für das Befahren der Straße – nur in West – Ost Richtung und nur zwischen 6.00 AM und 3.00 PM – muss man zwischen dem 24.05.24 bis 08.09.24 mit einem Tag Vorlauf im Internet täglich eine Genehmigung beantragen.
Es waren drei schöne, erholsame Tage hier im NP, endlich mal kein Motorbrummen, stattdessen viel Bewegung. Trotzdem habe ich einen fürchterlichen Hals. Warum? Ein Wespe hat mich vorgestern auf dem Roller erwischt und unter dem Kinn in den Hals gestochen, der langsam aber sicher zu einem wunderbaren Kropf anschwoll. Joghurtwickel, kalte Umschläge, Kortisonsalbe und ein Antihistamin sorgten dafür, dass es heute nicht mehr ganz so kriminell aussieht. Aber dann gibt es da noch den wirklich kleinen, unsichtbaren Stein vor unserem Womo, über den ich drüberfalle und mir rechte Wange, rechtes Kinn, Nase und Lippen aufschürfe. Tja – noch nichts mit wiedergewonnener Schönheit. Ein Foto? Im Blog? Auf gar keinen Fall, aber gerne vom Übeltäter.
Morgen wollen wir dann erst mal wieder zurück nach Kanada.
Wir erreichten gestern den 20 km südlich des Yellowstone liegenden Park schon gegen 17.30 Uhr. An der Headwater Lodge and Campground kurz vor dem Eingang zum Grand Teton NP tankten wir noch einmal für 3,499$/Gal voll ( 1$/Gal weniger als im Yellowstone) und wollten auf dem Campground mit sehr guten Internetempfang ausspannen und endlich mal wieder einen deutschen Film streamen. Es war noch ein Platz frei, direkt am Eingang und zudem hässlich und der sollte 129$/Nacht kosten. Nein, vielen Dank, das zahle, wer will, wir fuhren lieber weiter und verschoben das Abhängen.
Am Lizard Creek , knapp 20 km weiter und bereits im Park, ohne dass wir ein Entrance Gate durchfahren hätten, ist ein Nationalpark Campground. Dicht nach der Abfahrt von der Hauptstraße trauen wir unseren Augen kaum. Steht da doch tatsächlich ein junger Grizzly Bär vor einer alten Hütte. Bis wir das richtig realisierten und zurückfuhren, um zu fotografieren, war er aber schon wieder im Gebüsch verschwunden.
Der junge Camphost konnte nur bedauernd feststellen, das Camp sei leider voll und wir könnten hier nicht bleiben. Wir sollten es weitere 20 km südlich im Colter Bay Village probieren.
Auch hier zunächst die Aussage, der RV-Park sei voll: Aber nach wehleidiger Nachfrage, wo wir denn bitte heute Nacht bleiben sollen und ob es denn nicht so etwas wie einen Overflow gäbe, bekamen wir dann noch für 30 $ einen Platz auf dem Gruppenareal # 6c zugeteilt, auf dem wir mit recht passablem Internet und leichtem Schnellfall die Nachrichten des „Heute Journal“ der letzten 4 Tage nachholten. Wieder nix mit Spielfilm oder Krimi. (:
Heute Morgen, am Dienstag, ist es tatsächlich leicht weiß vor der Tür. Die hübschen Arnika, die am Tag zuvor noch mit erhobenem Haupt dastanden, lassen die Köpfe hängen.
Wir fahren zum Parkplatz am Jackson Lake, doch das sicher herrliche Bergpanorama käme bei weniger dichten Wolken und Sonnenlicht wesentlich besser zur Geltung. Es macht keinen rechten Spaß, spazieren zu gehen und so beschließen wir, auf der 89 weiterzufahren und keine weitere Nacht im Park zu verbringen, zumal die Eindrücke des Yellowstone Parks kaum zu toppen sind.
Wir verlassen den Park, fahren weiter nach Jackson, einem Wintersportort, der aber auch jetzt viel Zulauf hat
und wollen die 22 über den Teton-Pass fahren, 2570 m hoch, aber der ist gesperrt. Also dann doch die schnelle Verbindung über die 89 bis Alpine, weiter auf der 26 bis kurz vor Idaho Falls und über kleine Nebenstraßen eine Abkürzung nach Bassett auf die Interstate 15, auf der wir dann mit 115 km/h (man darf sogar 130) zum Clark Canyon Dam ganz nahe an der I 15 der Empfehlung des I Overlander folgen, um nach 5.39 h Fahrzeit eine ruhige Nacht zu verbringen. Ein Häschen hat schon mal „gute Nacht“ gesagt, ein kurzer Wolkenbruch die Scheiben wieder gewaschen und der Blog ist Dank gutem Internet auch aktuell.
Allen zu Hause einen baldigen guten Start in den Tag, während wir schlafen gehen.
Um 5.00 Uhr stehen wir auf und legen einen „Blitzstart“ hin , bei dem so manche morgendliche Gewohnheit erst mal ausbleibt, so sind wir bald darauf auf der Piste. Erst mal etwa 40 km zurück auf die Interstate 90, auf der wir zügig bis Buffalo vorankommen und dort tanken. Weiter geht es über die Hwy 381 und 16 bis zum nächsten Tankstop in Cody kurz vor dem Park, hier gibt es auch einen Walmart zum bunkern und es erinnert alles an den legendären Buffalo Bill. Die Landschaft, durch die wir kommen, ist teils flach und öde, teils hochgebirgig und wunderschön. Gegen 16 Uhr erreichen wir das Ostgate des Yellowstone Parks und fahren über eine Passhöhe von 2600 m (Sylvan Pass). An den schattigen Straßenrändern liegen noch Schneereste und auch die hohen Berge ringsum sind noch weiß.
Tolle Sandsteinreliefs an der Ost-Auffahrt zum YellowstoneTolle Sandsteinreliefs an der Ost-Auffahrt zum YellowstoneTolle Sandsteinreliefs an der Ost-Auffahrt zum YellowstoneTolle Sandsteinreliefs an der Ost-Auffahrt zum YellowstoneTolle Sandsteinreliefs an der Ost-Auffahrt zum YellowstoneTolle Sandsteinreliefs an der Ost-Auffahrt zum YellowstoneTolle Sandsteinreliefs an der Ost-Auffahrt zum YellowstoneTolle Sandsteinreliefs an der Ost-Auffahrt zum YellowstoneTolle Sandsteinreliefs an der Ost-Auffahrt zum YellowstoneTolle Sandsteinreliefs an der Ost-Auffahrt zum YellowstoneEast – GateAuf der PasshöheVisitor Center „Fishing Bridge“Visitor Center „Fishing Bridge“Visitor Center „Fishing Bridge“Visitor Center „Fishing Bridge“Visitor Center „Fishing Bridge“Visitor Center „Fishing Bridge“Visitor Center „Fishing Bridge“
Im Park gilt ein generelles Tempolimit von 45 mph (72kmh), auf vielen Strecken auch 35 mph (56kmh) und man kommt , teilweise im Stau, nur langsam voran. Die Hauptstraßen im Park entsprechen einer „8“, wobei die „upper loop“ 113 km lang ist und die „lower loop“ 155 km misst.
Die East- Entrance road trifft bei „Fishing Bridge“ auf die untere Loop. Hier im Visistorcenter am Lake Yellowstone holen wir uns noch einmal Informationsmaterial, bevor wir die Südschleife weiterfahren bis zum Geysir „Old Faithful“, einer der Hauptattraktionen des Parks. Wir haben Glück und erleben bei der Ankunft unseren ersten Ausbruch des Geysirs. Alle 60 bis 90 Minuten speit er zuverlässig (daher der Name) sein heßes Wasser in die Höhe. Im naheliegenden weiteren Visitorcenter holen wir uns Detailmaterial für Wanderungen zu den umliegenden Geysiren, die wir morgen besuchen wollen.
Old FaithfulOld FaithfulOld FaithfulOld Faithful
Unterwegs erreicht uns eine tolle Sprachnachricht unseres Enkels Falk: Deutschland hat im EM-Eröffungsspiel gegen Schottland 5 zu 1 gewonnen.
Jetzt liegen noch 25 km bis zum Madisson Campground vor uns – Loop D Platz # 140 – auch hier kündigt man uns Bären an, die wir wohl nie sehen werden. Nach 717 km und 9:33 h reiner Fahrzeit gilt für uns „rien ne va plus“ und wir liegen um 21.30 in der Mupfel. Hier gibt es keinen Handyempfang.
Von Bären haben wir in der Nacht nichts mitbekommen, aber zwei Murmeltiere lagen in unseren Betten, die auch vor 7.30 da nicht rauszukriegen waren. Gut gestärkt geht es erst mal zurück Richtung Old Faithful. Beim Auschecken reservieren wir uns nochmals für morgen einen Platz auf diesem Campgound. Unterwegs treffen wir Angler -Fliegenfischer- am Firehole River.
Am Fountain Flat Drive begegnen wir einer großen Bisonherde.
langsam ist Sommerfell angesagtlangsam ist Sommerfell angesagt
Am Lower Geysir Basin machen wir den ersten Spaziergang auf dem Holzsteg zwischen den Wasserlöchern. Bei heftigem, stürmischem Wind ist es teilweise recht unangenehm, die schwefligen Dämpfe ins Gesicht geblasen zu bekommen. Das Farbspiel ist allerdings hier schon beeindruckend.
Das Gebiet der Midway Geysir Basins um die „Grand Prismatic Spring“ toppt die vorherigen Bilder nochmal um ein Vielfaches.
Die Farben entstehen durch Mikroorganismen, genannt „Thermophilen“, die jeweils einen bestimmten Temperaturbereich besiedeln: Blau, hier ist es so heiß, dass kein Leben existieren kann und die schiere Wasserfarbe erscheint, Grün und Gelb: hier herrschen Temperaturen von über 70 Grad Celsius. Darunter wird es orange oder rötlich und am kältesten sind bräunliche Bereiche.
Auch hier wird die Besichtigung durch starken Wind beeinflusst. Um das Ganze nochmal mit etwas Abstand von oben im Überblick sehen zu können, müsste man am Fairy Falls parking area anhalten und einen Spaziergang machen – keine Chance! Heute – und jetzt insbesondere – ist für unser Womo nicht an einen Parkplatz zu denken, also fahren wir weiter zum Old Faithful und kommen wieder kurz vor seinem Ausbruch an.
Es gibt mehrere vorhersagbar eruptierende Geysire, die auf der Internetseite des Yellowstone Parks auf der App „NPS“ mit ihrer nächsten Entladung angezeigt werden. Danach drehen wir eine Runde durch das „Upper Geysir Field“ auf einem von Michelin gesponsorten Wanderwegbelag und sind mit unserer Runde einschließlich Besichtigung der Old Faithful Inn – unbedingt sehenswert, freier Eintritt – zum nächsten Ausbruch des Old Faithful wieder zurück.
Old Faithful InnOld Faithful InnOld Faithful InnOld Faithful Inn
Jetzt geht es auf der „8“ links hoch, rechts rüber und dann wieder rechts hoch zum Canyon Village und Campground. Am Weg liegen die Gibbon Falls, wo wir einen Fotostopp einlegen. Und dann geht es hinauf auf 2650 m Höhe zu unserem Übernachtungsplatz. Hier gibt es ein regelrechtes Village mit Tankstelle, Post, Einkaufsladen, Restaurants und Lodges. Auch heute sind wir wieder ziemlich geplättet. Bei den einzelnen Besichtigungsstopps kamen auch 10 km Wanderweg zusammen und bitte nicht vergessen, wir Flachländer sind seit 36 Stunden auf über 2000 Höhenmetern. Von den Schönheiten des Canyon Campgrounds bekommen wir nicht mehr viel mit, da es, erst recht durch den Sturm, draußen lausig kalt ist und wir lieber im kuscheligen Womo bleiben. Hier gibt es Handyempfang – zum telefonieren ausreichend – aber die Internetstärke reicht nicht zum Blog schreiben und nicht zum Fernsehen.
Gibbon FallsGibbon FallsÜbernachtungsplatz im MadissonÜbernachtungsplatz im Canyon Campground auf 2650m ü NN
Um 7 Uhr am nächsten Morgen zeigt das Außenthermometer 5 Grad Celsius an. Gut, dass unsere Heizung funktioniert. Heute wollen wir das Süd- und Nord Rim des Yellowstone Canyon zusammen mit den Upper und Lower Falls (südlich des Campgrounds) entdecken. Wir checken um 9.30 Uhr aus und sind nach kurzer Zeit am Southrim. Immer wieder gibt es Parkplätze, von denen aus man nach kurzen Spaziergängen Ausblicke auf die beiden Wasserfälle des Yellowstone Rivers genießen kann. Nie haben wir an den Aussichtspunkten das Gefühl, es sei hier überlaufen. Lediglich an den Parkplätzen erkennt man, dass nicht wenige Besucher da sein müssen. Am Northrim kann man ganz dicht am Wasserfall stehen und ist beeindruckt von den tosenden Wassermassen. Ein längerer Spaziergang mit etlichen Treppenstufen führt uns vor Augen, in welcher Höhe wir uns bewegen: bei 2500M schnaufen wir Beide ganz ordentlich, als wir wieder oben ankommen.
Weiter geht es nordwärts zu den im Reiseführer hoch gelobten Mammoth Hot Springs. Die weltweit größten Sinterterrassen sollen es sein. Auf dem Weg dorthin stoppen wir an den Tower Falls. Auch sie sind sehr beeindruckend, können aber, was die Wassermenge anbetrifft, nicht mit denen des Yellowstone River mithalten.
Schon von Weitem sind die Mammoths Hot Springs sichtbar.
Im Dorf gibt es sehr guten Internetempfang, den besten im Park bisher. Hier gabelt sich die Straße, nach links der Loop folgend und nach rechts zum Nort-East Entrance. Es ist schwierig, einen Parkplatz zu finden. Letztendlich gelingt es uns aber sogar am Anfang eines Treppenwegs zum Sinterterrassenfeld.
Wir steigen auf und je weiter wir kommen, desto mehr wächst die Enttäuschung. Weite Teile sind ohne Wasser und schon im Zerfall und so schöne Terrassenbadewannen wie diejenigen, in denen wir in Pamukkale in der Türkei lagen, scheint es hier nie gegeben zu haben. Die Reste, die wir sehen, sind flach und keinesfalls geeignet, darin zu baden. Auch die Farben der Region können uns nicht begeistern. „Lohnt sich nicht!“, wäre unsere Zusammenfassung. Die für Wohnmobile gesperrte Rundfahrt durch die Terrassen mussten wir auslassen, aber vom Ende her sind wir zu Fuß hineingelaufen und kamen zu einem leidlichen Anblick. Eine PKW – Fahrerin nannte diesen Anblick das „ WOW-Erlebnis“ des Circular Drives.
Blick vom „Pullout“ an der StraßeDas „Wow-Bild“
Eine weitere Stunde brauchen wir jetzt noch, bis wir um 18.30 wieder am Madisson Campground eintreffen. „Full“ steht auf dem Schild – zum Glück haben wir ja reserviert. Diesmal wird es Loop B Platz 50. Gute Nacht!
Als wir aufwachen, beträgt die Außentemperatur 6°C und es ist bedeckt. Schade, denn heute wollen wir den zweiten Anlauf nehmen und zum Grand Prismatic Overlook laufen. Wir finden einen Parkplatz und als wir dick eingepackt aussteigen, beginnt es zu regnen. Bei diesen Lichverhältnissen leidet natürlich das Farbenspiel.
Wir fahren weiter südwärts mit dem Ziel Teton NP, passieren die kontinentale Waserscheide im Schneetreiben und stoppen im Grant Village, wo wir ganz brauchbares Internet finden und endlich den Blog hochladen können. Während wir vor dem General Store parken, schneit es leicht.
Eine niederländische Familie baut kleine Schneemänner: Mama, Papa, Kind
Auf dem Weg zum Mount Rushmore stoppen wir in Rapid City zum Tanken und finden an der 16 auch einen Safeway. In den USA Walmarts gibt es kein Sprudelwasser (= Club Soda), dafür viele „Flavoured Waters“ mit viel Kunstaroma und Süßstoff, Cherry-Lemon erinnert an Marzipan, eklig!
Hier gibt es endlich wieder Sprudel und auch Wein können wir kaufen. Inzwischen haben wir den Eindruck gewonnen, dass Lebensmittel in den USA teurer sind als in Deutschland, abgesehen von Fleischwaren.
Mount Rushmore ist frei zu besichtigen, lediglich Parkgebühren in Höhe von $10 – für Senioren nur $5 – sind zu entrichten. Hier ist Remidemi. Schnell fotografieren wir die Präsidenten, von links nach rechts: Washington, Jefferson, Roosevelt und Lincoln, schreiten die Flaggenparade der einzelnen Bundestaaten in alphabetischer Reihenfolge ab. Jeweils 3 Flaggen befinden sich auf einem Mast. Auf dem Sockel darunter Staatsname und Eintrittsjahr. Erster Bundesstaat war übrigens Delaware, der zweite Pennsylvania.
Beim nahe gelegenen Memorial „Crazy Horse“ sind $30 Eintritt zu entrichten. Zu viel für ein unfertiges Werk,finden wir, machen ein Foto und sind wieder weg.
Crazy HorseCrazy HorseCrazy Horse
Am späten Nachmittag erreichen wir den „Devil’s Tower Monument NP“ . Der Campground arbeitet ausschließlich auf der Basis „ first come, first serve“ und wir finden noch einen großen, freien Platz für $20 ohne Anschlüsse. Da können wir nicht verstehen , warum der KOA Campingplatz vor dem Parkeingang so voll war. Am nächsten Morgen ziehen wir auf ein schattigeres Plätzchen um und wandern anschließend spiralförmig zweimal um den Tower herum (11 km). Man kann auch vom Visitorcenter aus, wo es viel Parkraum gibt, die 2 km lange asphaltierte obere Loop wählen, was die meisten auch machen. Erfreulich, denn auf den übrigen 9 Kilometern, der unteren Runde sind wir weite Strecken alleine. Aus jedem Blickwinkel fasziniert der Tower aufs Neue, hinzu kommen White Tail Deers, Schmetterlinge und Prärie-Hunde, die hier ganz unkompliziert Wohnraum für alle besorgt haben und eine regelrechte Stadt gründeten. Die Kamera ist ständig im Dauereinsatz und wir können uns mal wieder nicht entscheiden – viele Fotos folgen.
Soviel Platz haben wir auf dem NPS CampgroundUnser Campingplatz von obenDer „Belle Fouch “ Fluß hat sich eingegrabenAm AnkunftsabendDer KOA Camping
Morgen haben wir eine lange Strecke vor uns. Bis zum vorgebuchten Camping im Yellowstone sind es mehr als 700 Kilometer.
Wir hatten eine gute Nacht am Ufer des Missouri und wie erwartet scheint am Morgen wieder die Sonne. Badlands eine Frage der Perspektive ? Heute wollen wir mehr die Bilder sprechen lassen:
Schnell sind wir auf der Interstate 90, kommen flott voran durch eintönige Graslandschaft und Farmland und sind frühzeitig in den Badlands. Hier besuchen wir zuerst die „Minuteman Missile National Historic Site“, ein Museum, das über den Kalten Krieg informiert. Hunderte von Nuklearwaffen waren hier unter dem Farmland verborgen, jederzeit bereit, im Ernstfall Richtung Osten zu starten – „in 30 Minuten wird geliefert , oder auch früher“- in der Hoffnung, dass die Abschreckung so groß sei, dass sie nie zum Einsatz kommen müssten. Im Zuge gegenseitiger Abrüstung wurden sie vernichtet.
Auch ein CadillacDas Minuteman ProgrammRV hier nicht als Recreation Vehicle, sondern Reentry Vehicle, der AtomsprengkopfträgerSo war symbolisch der unterirdische Wohnraum des BedienungsoersonalsWenn das rote Telefon geläutet hätteWenn das rote Telefon geläutet hätteAbrüstungsverträgeMit diesen besonders dicken und geschützen Kabeln waren die Raketensilos mit der Einsatzzentrale verbundenGästebuch des MuseumsGästebuch des Museums – TageseintragBedrohungskulissse oder PropagandaIn 30 Minuten…….
In Kleingruppen von 6 Personen kann kann man noch eine echte Abschussrampe besuchen.
Wir bestaunen einen ganz besonders riesigen Auflieger, der neben uns parkt – geschätzt 28 m lang. Den zieht auch kein Pick up mehr, da muss schon ein richtiger LKW davor.
Bis in den NP ist es jetzt nur noch ein Katzensprung. Unsere „American the Beautiful“ Card hat sich heute amortisiert. Für die bisher 3 besuchten NPs hätten wir insgesamt 90$ Eintritt zahlen müssen, 80$ hat die Karte gekostet, mit der wir in weiteren Parks freien Eintritt haben.
Von den Badlands – einer weiten Grasfläche inmitten bizarr geformter Erosionsgebilde, hatten wir eine ganz falsche Vorstellung. Wir hielten sie für ähnlich langweilig wie die in Drumheller, Kanada. (Bericht 2022). Weit gefehlt! Theese Badlands are not bad – really.
Prärie Enzian – Lysianthus
Überall gibt es ausreichend große Haltebuchten und Parkplätze zum Fotografieren und die Möglichkeit, kleinere Spaziergänge über Catwalks zu unternehmen.
Bei der Einfahrt in den Park springt vor uns ein Reh über Straße und Zaun, bei der Ausfahrt treffen wir auf eine große männliche Bisonherde, grasend direkt am Straßenrand und sehr fotogen.
Ein toller Tag mit großartigen Eindrücken, den wir auf dem gepflegten kleinen „Expresscamping“ ca 100 km vor dem Mt. Rushmore beenden.
Es war sehr ruhig und wir schlafen aus. Eine ganze Reihe lokaler Wochenendcamper haben den Platz schon verlassen, bevor wir loskommen. Sonntag ist auch der Tag für ein Videotelefonat über Threema mit den Enkelinnen und Enkeln, über das wir uns immer sehr freuen.
Wir quälen uns gegen einen regelrechten Sturm mit Windböen, die das 5 Tonnen schwere Womo mal eben einen halben Meter seitwärts versetzen, durch monotones Farmland. Da steigt der Dieselverbrauch zusammen mit der Klimaanlage bei Sonnenschein locker um 2 Liter pro 100km. Nach einiger Zeit erscheint eine Warnmeldung „ESP -Werkstatt aufsuchen“, aber an dem Auto ist nichts defekt. Es ist einfach eine Art „Elchtest“ durch die Windböen, mit der das Elektronische Stabilitäts Programm nicht mehr klarkommt. Nach einem kurzen Stopp ist die Warnmeldung wieder verschwunden.
„Sandsturm“„Sandsturm“Über den MissisippiÜber den MissisippiÜber den MissisippiÜber den MissisippiÜber den MissisippiÜber den MissisippiÜber den Missisippi
Teilweise müssen wir durch einen regelrechten Sandsturm hindurch, wenn wir an Feldern ohne deutlichen Bewuchs vorbeikommen. Der Hwy 20, auf dem wir unterwegs sind hat, ist schlicht und ergreifend miserabel und wir hätten wohl besser daran getan, nicht erst über die 35 nach Norden auf die Interstate 90 zu wechseln.
Kurz vor der Kreuzung in Albert Lea beschließen wir erschöpft den Tag mal wieder auf einem Walmart Parkplatz. Hier hoffen wir auf ein WLAN, um endlich unsere Mautanmeldungen aus New York und Illinois bearbeiten zu können. Denn die staatlichen Internetseiten lassen entweder erst gar keine Internetverbindung mit einem Handy mit einer deutschen IP-Adresse im Roaming zu – oder die Formulare sehen es nicht vor, dass man ein Land außer USA, Kanada oder Mexiko eingibt, eine deutsche Handynummer passt schon überhaupt nicht ins vorgegebene Formatschema.
Aber Pustekuchen – ja, Walmart bietet seinen Kunden freies WIFI, aber dazu muss man sich registrieren – und zur Registrierung erhält man zur Verifizierung einen Zahlencode auf das Handy, dessen deutsche Rufnummer….. – richtig – nicht ins vorgegebene Formatschema passt.
Die Nacht verläuft ruhig, ohne Störgeräusche und als wir aufstehen sind die beiden anderen Camper schon wieder weg.
Ich liebe das einfache Leben, deswegen mache ich CampingIch liebe das einfache Leben, deswegen mache ich CampingIch liebe das einfache Leben, deswegen mache ich CampingPäriePäriePäriePärieChamberlain Hall of Fame
Mittags machen wir einen Raststopp auf einem Mac Donalds Parkplatz. Hier gibt es auch regelmäßig „Free WIFI“ (WLAN). Diesmal haben wir Glück und können uns einloggen. Damit ist die Mautfrage in Illinois schon mal gelöst, aber New York State zeigt uns weiter die kalte Schulter bzw. die Kehrseite des Internetzeitalters auf. Was nicht bei der Programmierung mitgedacht wurde, geht einfach nicht und es hat eben keiner daran gedacht, dass Europäer in mitgebrachten Autos durch New York fahren könnten. Wir haben es daraufhin mit „Old- School“ probiert und dem „Tolls by mail Payment Processing Center“ in Albany NY eine Postkarte geschrieben: Für das Kennzeichen LM CM 500 könnt ihr die Rechnung an Christianes Emailadresse schicken. Mal sehen was daraus wird.
Wir nutzen die Gelegenheit und buchen für Freitag und Samstag über das Internet schon mal zwei Übernachtungsplätze im Yellowstone Park. Vorher stehen noch die Badlands NP, Mount Rushmoore, Sitting Bull Memorial und Devils Tower NP auf dem Programm.
Auf der glatt asphaltierten, kurvenlosen I 90 sind 80 mph erlaubt und wir kommen schnell durch die eintönige Landschaft. Am Abend erreichen wir Champlain am Missouri. Hier können wir unsere erste Gasflasche neu füllen lassen. 4,4, Gall für 12 $. In USA und Kanada wird übrigens auch der in Deutschland verwendete Schraubadapter zum Füllen verwendet. Am Ufer des Missouri hält die Gemeinde für uns in einem Wiesengelände Stellplätze bereit, auf denen man bis zu 7 Tagen stehen kann. Aber das lehmig braune, trübe Wasser verführt nicht zu einem Badeaufenthalt.
Am Ufer des Missouri
Abends entlädt sich ein Gewitter mit heftigem Regen und es stellt sich heraus, dass die Fensterdichtungen spröde sind und Wasser durchlassen. Sikaflex wird dringend benötigt. Vorläufig tut es ein Töpfchen. Ein tolles Abendrot lässt auf besseres Wetter für morgen hoffen.
Auf Empfehlung unseres Wirtes machen wir nach etwa 70 km auf unserem regulären Weg einen kurzem Stopp im Indiana Dunes Nationalpark. Auf dem Parkplatz vor dem Visitorcenter fällt uns ein deutsches Wohnmobil mit Landshuter Kennzeichen auf. Wir holen uns Infomaterial und als wir zurückkommen, treffen wir auf Ramona und Andy, ein Landshuter Paar, das schon über ein Jahr durch Amerika reist (Kanada, USA und Mexico). Wir tauschen uns kurz aus und zum zweiten Mal hören wir gute Erfahrungen über das Satelliten -Internet „Starlink“ von Elon Musk. Vielleicht sollten wir uns das auch zulegen.
Wir machen einen kurzen Spaziergang zum Lake Michigan und durch die Sanddünen zurück. Das Wasser ist ausreichend warm zum Schwimmen, aber es sieht nach Regen aus und wir beschließen, statt eines Badetages einen weiteren Fahrtag einzulegen.
Die Ausblicke der weiteren Route zeigen, was unter dem Begriff „Rustbelt“ – Rostgürtel zu verstehen ist. Trostlos, deprimierend, hier wollten wir keinesfalls abgemalt sein.
Der Verkehr wird dichter, als wir uns Chicago nähern und am Cityrand umfahren. 8 Spuren führen in die Stadt und ebenso viele hinaus. Es gibt Stau in beiden Richtungen und konsequentes Spur- und Abstandhalten ist angesagt, um heil durchzukommen.Wieder sind wir in einem neuen Bundesstaat – Illinois – angekommen und einer neuen Zeitzone, jetzt liegen wir 7 Stunden hinter Deutschland.
Es beginnt zu regnen, wir müssen wieder tanken (3,39$ per Gallon) und finden auf der Interstate 90 kurz hinter Rockford im Seward Bluffs Forest Preserve einen wunderschönen Campground „mit alles“ für 23 $ (alles – ohne Stromanschluss). Und am Abend kommt der Camp – Host mit fritierten Putenschnitzeln vorbei – for free.
Hier wohnt der Camphost, bei dem man sich anmeldet
Fahrtage durch Maine, New Hampshire, Vermont, New York, Pennsylvania, Ohio bis Indiana
Mittwoch, 05.06.24 bis Freitag 07.06.24
Der Übernachtungsplatz am Lake Champlain war sehr schön, aber auch sehr laut durch die direkt angrenzende auch in der Nacht viel befahrene Straße. Um 6.15 Uhr stehen wir auf, es regnet leicht, ist aber schwül-warm. Unser USA Endziel ist ja der Yellowstone NP und bis dahin sind es noch etwa 40 Stunden reine Fahrzeit.
Eigentlich dachten wir, bis kurz vor die kanadische Grenze hochfahren zu müssen, da wir weder eine Brücke noch eine Fähre auf unseren Karten entdecken konnten. Doch das Navi kennt eine Fähre über der Lake Champlain, der 180 km lang ist. Drei Schiffe sind rund um die Uhr im Einsatz und in 20 Minuten sind wir für 22 $ – schneller als gedacht in New York State.
Wir fahren auf der 9N und später auf der 86 durch die Adirondack Mountains bis Lake Placid. Hier wurden 1932 und 1980 die Olympischen Winterspiele ausgetragen.
Hier sind noch die Bürgersteige hochgeklappt. Wir finden nichts Mondänes und nichts an klotzigen Sportstätten, aber auch nichts, was uns begeistert. Der Lake Placid liegt hinter dem Ort und wird von Motorbooten befahren, davor der Mirror Lake, aber es gibt keinen Uferweg und nur hin und wieder kann man einen Blick zwischen den Häusern auf den See werfen. Es ist schwül-heiß mit Gewitterwolken am Himmel, während wir entlang der Main Street mit überteuertem Fastfoodangebot durch den Ort schlendern.
Wir fahren weiter auf der 86 bis Lake Saranac und wechseln dann auf die 3, der wir südwestwärts 3 Stunden bis Watertown folgen. Kurz vor dem Ziel öffnet der Himmel seine Schleusen – Blitz und Donner mit Starkregen, der uns kurz zum Anhalten zwingt.
Sogar einen Aldi-Supermarkt haben wir gefunden
Der bei I-Overlander ausgesuchte Übernachtungsplatz liegt neben dem Sportcenter der Stadt und heute ist Jugendturnier – keine Chance auf einen Parkplatz. Scheinbar zog das Unwetter an der Stadt vorbei und alle Kinder der Region, begleitet von ihren familiären Fan-Gemeinschaften (Geschwister, Eltern, Großeltern etc,) sind an vielen diversen Stationen dabei, ihr Können zu zeigen und gegeneinander zu messen.
Es gibt noch einen zweiten angezeigten Übernachtungsplatz näher an der Autobahn und bei einem Restaurant, den wir vorübergehend anfahren. Hier gibt es sogar WLAN, wir vervollständigen unseren Blog und kochen Linsensuppe. Gegen 21 Uhr fahren wir zurück, jetzt sind alle Parkplätze frei. Unter einer Laterne fühlen wir uns gut aufgehoben und sind ziemlich sicher, dass die heutige Nacht ruhig wird.
Und so ist es auch, wir haben wunderbar geschlafen bis gegen 5 Uhr, als es beginnt zu regnen und wir schnell die Dachfenster schließen. Also doch Watertown – nomen est omen.
Wir fahren auf der Interstate 90, einer zumindest in Abschnitten mautpflichtigen Straße mit 65 mph gen Westen. Wir lesen Schilder, die informieren, über die Nummernschilder erfasst zu werden und dann per Mail eine Rechnung zu erhalten. Doch wie soll das gelingen mit deutschen Nummernschildern? Ein Anruf bei der angegebenen Nummer **826 bringt uns nicht weiter – kein Anschluss – keine Reaktion. Die Jungs von einer Tankstelle – hier tanken wir für 4,27$ per Gallon – meinten, wir sollten einfach abwarten, ob wir geortet würden, andernfalls hätten wir Glück und bräuchten nichts zu zahlen. So richtig wohl fühlen wir uns mit dieser Info nicht.
An der Grenze zum nächsten Bundesstaat – Pennsylvania – stoppen wir am Welcome Center und erkundigen uns . Die Damen empfehlen uns, ein Foto von unserem Nummernschild zu machen und an die Internetadresse der Toll-Behörde zu senden. Das wäre dann ok.
Mittlerweile sind wir südlich des Eriesees. Buffalo, noch in New York, haben wir nicht besucht, aber wir empfehlen allen die Ballade von Theodor Fontane, „John Maynard“. 1841 hat sich hier auf dem See tatsächlich ein Schiffsunglück ereignet. Der Steuermann hieß Luther Fuller. https://de.wikipedia.org/wiki/John_Maynard
Pennsylvania erstreckt sich nur wenige Meilen entlang des Eriesees. Schon bald erreichen wir Ohio, – nach Maine, New Hampshire, Vermont, New York (dessen Hauptstadt übrigens Albany und nicht New York City ist), Pennsylvania – den 6. Bundesstadt unserer Reise und einige sollen noch folgen.
Die App Harvest Hosts weist uns den Weg zu einem Weingut, 6 km vom See entfernt, wo wir nach Anmeldung um 17.50 Uhr ankommen. Der Host ist ein sehr freundlicher Winzer, der uns großzügig seine Weine probieren lässt. Wir führen ein nettes Gespräch über Wein und gehen am Ende mit einem Sixpack wieder beschwingt zum Wohnmobil zurück: It’s wine o’ clock, now.
Hier übernachten wir, allerdings mit der recht stark frequentierten Bahnlinie vor der Haustür.
Nee, nee, die Nacht war nicht erholsam. Viele, viele laaaaange Züge fuhren an uns vorbei. Besonders störend war allerdings das laute Gehupe wegen zweier Bahnübergänge.
Weiter geht’s. Wir versuchen einen Blick auf den Eriesee zu erhaschen, was aber schwierig ist, weil fast überall Häuser am Ufer stehen. Obwohl eher ein kleiner der „Großen Seen“, können wir nirgendwo ein gegenüber liegendes Ufer entdecken.
Blick auf den ErieseeBlick auf den ErieseeCleveland OhioCleveland OhioCleveland OhioCleveland OhioKernkraftwerke gibt es hier auch
Bei bedecktem Himmel fahren wir vorbei an Cleveland, Toledeo, auf dem Hwy 20 bis in den Bundesstaat Indiana nach South Bend. Unterwegs begegnen uns in einem Abschnitt zahlreiche Pferdekutschen. Hier leben offenbar Amishpeople.
Mit der Harvest Hosts App finden wir einen Hobbyfarmer, auf dessen gepflegtem Anwesen wir heute ganz bestimmt ruhig übernachten werden. Beim Smaltalk erfahren wir, dass Ed Apotheker und seine Frau Hausärztin ist. Für die Entwicklung der Kinder, die etwa so alt wie Falk und Ennio sind, hielten sie es für angebracht, aufs Land zu ziehen, um sie hier in und mit der Natur groß werden zu lassen.
Unser Womo findet er beeindruckend, so viel Luxus auf so wenig (8m) Platz. Sein eigenes Wohnmobil misst 38 Fuß, also 11,58 m und wiegt rund 30 Tonnen. Dafür braucht man hier keinen besonderen Führerschein. Jürgen hat’s gesehen und ist seinerseits beeindruckt. Aber den Durst dieses Gefährts wollen wir nicht stillen. Mit einer Gallone Diesel lässt es sich gerade mal 5 Meilen bewegen, d.h. auf 100 km schluckt es etwa 47 Liter.
Ed bedauert uns keine Farmprodukte anbieten zu können, es sei noch zu früh im Jahr. Aber Honig bekommen wir, den wir mit Euromünzen bezahlen, die er für die Sammlung der Kinder erbittet.
Sonntagmorgen – himmlische Ruhe – Sonnenschein. Nach dem Frühstück brechen wir auf zur nahe gelegenen Fähre nach Campo Bello Island. Aber: Satz mit X : Da geht noch nix. Erst ab Mitte Juni ist die Überfahrt möglich. Also zurück zum anderen Anleger, der uns wieder auf das Festland bringt. Die erwartete Kilometereinsparung war das jetzt nicht gerade, aber wir bedauern es keinesfalls. Deer Island ist wunderschön, nicht vom Tourismus beleckt und erinnert ganz stark an Skandinavien. Und wäre es etwas wärmer, wäre es dass ideale Kajakrevier.
Der Fährableger nach Campo Bellozurück am Festland
Um 11 Uhr sind wir an der Grenze zur USA und reisen nach Maine ein. Hier beginnt eine neue Zeitzone und wir verlieren eine Stunde. Während wir in Kanada bei der Einreise auf Menschen mit freundlichen Gesichtern trafen, die uns mit „Welcome, this way, please“ begrüßten, kamen wir uns bei der Einreise nach Maine wie halbe Verbrecher vor. Der Kühlschrank wurde inspiziert, ebenfalls das Bad, wo wir ja eine oder sogar mehrere Personen hätten verstecken können. Dann müssen wir ins Office. Leider ist der Computer noch nicht hochgefahren. Es dauert….. und schließlich werden wir an den nächsten Schalter zur wesentlich freundlicheren Kollegin verwiesen. Alles wie vor 2 Jahren beim Grenzübertritt von Kanada nach USA: Foto, Fingerabdrücke aller 10 Finger ( bei Jürgen haben schon die rechten 4 Finger gereicht – Gynäkologenvorteil?) und dann dürfen wir weiterfahren.
An der Grenze
Wir müssen tanken und freuen uns über einen Dieselpreis von 1,05 € pro Liter = 4,29 $ pro Gallon.
Im Acadia Nationalpark ist für heute Nacht keine Campsite mehr frei. Im Visitorcenter kaufen wir – wie schon vor 2 Jahren in Kanada – eine „America – Beautiful“ Card zum Preis von 80 $. Damit dürfen bis zu 4 Personen in einem Auto fast alle Nationalparks in den USA ein Jahr lang besuchen, ohne weiteren Eintritt zu zahlen. In Bar Harbor finden wir einen kommerziellen Campingplatz für 72 $ ohne irgendwas.
Den Pool haben wir nicht getestet
Für den Folgetag buchen wir online die Cadillac Summit Road für 6 $ im Zeitfenster von 18 bis 22 Uhr. Mit dem eigenen Fahrzeug können wir dann die Aussicht vom 470 m hohen Gipfel genießen. Er gilt als der Punkt der USA, den die Strahlen der aufgehenden Sonne als erstes treffen . Mal schauen, wie die Sonnenuntergänge sind. Eine Campsite im Seawall Campground für den nächsten Tag haben wir ebenfalls gebucht für 30 $ – auch „ohne alles“.
Bis hierher sind wir inzwischen 1012 km gefahren davon 286 km am Sonntag.
Der Montag beginnt wieder mit strahlendem Sonnenschein, aber die Luft ist kühl. Wir erleben Temperaturschwankungen von 8 Grad in der Nacht bis zu 28 Grad am frühen Nachmittag, dazu weht beständig ein leichter, kühler Wind. Sobald die Sonne untergegangen ist, verziehen wir uns schnell ins warme Wohnmobil.
Wir befahren die NP-Loop, die auf 27 Meilen tolle Aussichtspunkte bietet.
Kurz vor dem Camingplatz müssen wir umdrehen: Road closed ! Offensichtlich hat eine Sturmflut im Frühjahr die dicht an der Küste verlaufende Straße unterspült und teils weggerissen. Stimmt – da war doch was bei der Buchung – ein „alert“ und „road closed“ – aber, dass das auf unserer Route liegt ?
Na ja, vor ein paar hundert Metern sind wir doch an einem Foodtruck vorbeigekommen, der gut besucht war. Wir drehen also um und belohnen uns mit zwei Lobsterrolls, die gut schmecken. Darf man wohl aber auch erwarten für 75 $ – oder ist der Preis dadurch gerechtfertigt, dass Charlotte, die Wirtin, die Hummer mit Marihuanarauch betäubt, bevor sie sie in das siedende Wasser wirft, wie viele Zeitungsartikel an der Wand belegen?
Charlottes Marihuana Lobster BudeCharlottes Marihuana Lobster BudeCharlottes Marihuana Lobster Bude
Nach einem Umweg von 20 Kilometern erreichen wir unseren Campground und checken bei einer sehr netten Rangerin problemlos ein, indem wir unseren Pass „America the Beautiful“ und auf dem Handy die Buchungsbestätigung vorzeigen. Online Buchungen in einem Nationalpark Campground für den laufenden Tag kann man über die Website www.recreation.gov nicht durchführen. Der geringste Vorlauf ist eine Buchung für den Folgetag. Für die Buchung muss man sich mit einer Emailadresse und selbst gewähltem Passwort vorher registrieren – dann kann man alle Aktivitäten und Campsites in allen USA Nationalparks buchen – auch lange im voraus.
Nach einer kleinen Pause starten wir um 4 Uhr erneut zur Cadillac Summit Road, deren Zugang wir für 18 Uhr gebucht haben. Als wir 16.30 Uhr am Gate ankommen, lesen wir, dass die Straße für RVs gesperrt sei. Genau genommen für solche, die länger sind als 21 Fuß. Der Ranger lässt sich nicht erweichen, erstens sind wir zu früh – frühestens ab 17.30 Uhr dürfe er uns hochlassen und zweitens nicht mit einem so großen Wohnmobil, da oben sei wenig Platz.
Gut, wenn man noch ein Ass in der Hinterhand hat: Wir fahren ein Stück zurück und packen unseren Roller aus. So dürfen wir dann sogar um 17 Uhr das Gate passieren und hinauffahren. Die Straße ist neu gemacht und wäre auch von Gelenkbussen bequem zu befahren und Parkraum am Gipfel gibt es in Hülle und Fülle – ist ja Vorsaison. Aber dürfen wie uns beschweren? Wer hat’s erfunden? Die Preußen!! Auch wenn es die Amerikaner zur Perfektion weiter entwickelten. Und da ist dann immer noch der Gruppenzwang zu bedenken. Was hätte der Kollege in der anderen Box gemacht, wenn unser Ranger die Vorschriften eigenmächtig sinnvoll abgewandelt hätte?
Von oben hat man eine tolle Aussicht, aber der Wind bläst kalt und wir verzichten auf das Ausschöpfen unseres Zeitfensters, zumal der Sonnenuntergang hinter Wolken stattfinden wird.
Zur Geologie der RegionBlick nach SüdwestenBlick nach WestenBlick nach WestenBlick nach (Nord-) OstenBlick nach (Nord-) OstenBlick nach (Nord-) OstenBlick nach (Nord-) Osten
Wir fahren zurück zum Campground, ziemlich erschlagen, ohne dass wir uns besonders verausgabt hätten. Der Internetempfang reicht hier nicht fürs Blog schreiben.
Am nächsten Morgen scheint wieder die Sonne und wir starten recht früh gen Westen. Wir wollen nicht, wie die Navis anzeigen, in weitem Süd-Bogen auf den Autobahnen fahren. Unsere gewählte Route folgt dem Hwy #2 durch die Appalachen, durch New Hampshire und die White Mountains mit dem 1917 m hohen Mt. Washington als höchster Erhebung im Nordosten der USA. Weiter geht es durch Mexiko und an Berlin vorbei durch Vermont und seine Hauptstadt Montpelier, die gerade einmal 7500 Einwohner zählt. Die Landschaftseindrücke sind herrlich und mit einem Durchschnitt von etwa 60 km/h kommen wir ganz gut voran.
Mt. Washington
Ab Montpellier geht es auf der Autobahn 89 wieder hinunter an den Lake Chamberlain, wo i-Overlander einen Übernachtungsplatz für uns bereit hält, den wir uns mit einer furchtlosen, netten jungen Dame aus Quebec teilen.