Die Fährüberfahrt klappt reibungslos auf die Minute pünktlich.
Das Weiße ist alles Vogelsch……und riecht nicht gut
Nach 1 Stunde legen wir in Pictou an und ratzefatze ist das Schiff ausgeladen. Es handelt sich um eine symetrisch aufgebaute Durchfahrfähre, niemand muss rangieren. Wir fahren einen Teil der Strecke unseres Fiona Hurrikan Traumas 2022 und finden noch immer deutliche Spuren der Verwüstung. Schon auf Breton Island, nahe Isle Madame, finden wir einen Super Übernachtungsplatz. Die Dumpstation in der Nähe haben wir schon vor 2 Jahren genutzt.
Am nächsten Morgen freuen wir uns über Sonnenschein und fahren weiter
bis Louisburg, einer frz. Festung aus 1744. Großzügige Wohnmobilparkplätze, freier Eintritt bei Vorlage der Nationalparkpässe, Bustransfer vom Visitorcenter zum Fortresse – leider sind nur wenige Besucher hier. Ist die Saison schon zu Ende?
Wir bummeln durch die restaurierte Anlage
und sind erschrocken über die Fionaschäden hier. In Nationalparks bleibt alles, wie es ist, aufgeräumt wird nicht.
Am späten Nachmittag erreichen wir North Sydney, wo morgen die Fähre nach NF ablegt und übernachten an der Sportarena.
5660 km² misst die kleinste kanadische Provinz – ist also doppelt so groß wie das Saarland und 1/4 so groß wie Hessen – und sie ist die Heimat von 167.234 Menschen, die von Landwirtschaft – vorwiegend Kartoffelanbau – und Meeresfrüchten leben. Der höchste Punkt liegt 143 Meter über dem Meeresspiegel. Die Küste hat viele tiefe „Bays“ und „Coves“ mit roten Sandstränden und „Cliffs“, umspült vom Atlantikwasser des St. Lorenzgolfs, der hier in diesem Sommer 20 °C warm ist.
Heute darf unser Kleiner endlich mal wieder frische Luft schnappen. Wir packen den Roller aus und erkunden den zentralen Norden bei bestem Wetter. Cavendish ist eine Tourimeile mit Vergnügungspark und Fahrgeschäften. Nett sind dagegen die kleinen Dörfchen, durch die wir fahren. Die gepflegten Häuser und Gärten beeindrucken uns sehr. Hortensien und Funkien haben hier beste Voraussetzungen, gedeihen und blühen üppig. Alles erinnert uns ein wenig an Dänemark und Südschweden.
Lucy Maud Montgomery ist wohl eine Art Astrid Lindgren dieser Insel. Vor 150 Jahren dort geboren wurde sie berühmt mit der Kinderbuch – Serie „Anne…“ – „…auf Green Gables“, „…in Kingsport“ u.a. Es gibt ein Museum zu „Anne“, die nur eine fiktive Person ist, ein Heritage, das Geburtshaus der Autorin ist zu besichtigen – also ein richtiger Hype.
Zwischen North Rustica und Cavendish erstreckt sich entlang der Nordküste über 8 km ein Nationalpark mit vielen kleineren und größeren Badebuchten.
Der Strand bei unserem Campground im Capot Beach PP ist schöner. Nachdem wir uns in Malpeque ein leckeres Austernmahl gegönnt haben,
panierte, gebratene Aus
testen wir die Wassertemperatur. Wirklich angenehm, aber wir laufen und laufen und….. bis über das Knie reicht uns das Wasser, mehr wird nicht – es ist Ebbe und weiter laufen oder auf die Flut warten wollen wir nicht.
Am Sonntag frühstücken wir tatsächlich draußen. Dann geht’s weiter nach Charlottetown, der größten Stadt der Insel, gleichzeitig Provinzhauptstadt. Der kleine Markt am Hafen wird gerade (15 Uhr) abgebaut, viele Musikanten freuen sich über Publikum, wir schlendern durch das Städtchen,
besuchen die Sainte Dunstan’s Cathedral
und gönnen uns noch einmal ein leckeres Fischgericht,
bevor wir nach Wood Island weiterfahren, von wo wir morgen um 10 Uhr die Fähre nach Pictou in Nova Scotia nehmen. Am Fähranleger können wir übernachten und genießen zum Abschied einen herrlichen Sonnenuntergang.
Es hat die ganze Nacht geregnet, war wieder herrlich ruhig und am Morgen ist es grau, aber trocken. Unsere Route führt uns an Fredericton, der Provinzhauptstadt von New Brunswick vorbei. Egal , ob’s regnet, schneit oder sonst etwas, wir werden hier stoppen und der Stadt einen Besuch abstatten. Auf dem Scenic drive, auf den wir vom Highway wechseln und der an vielen Seen vorbeiführt, wird das Wetter ständig besser.
In Fredericton wird für Wohnmobiltouristen Parkraum angeboten und zu Fuß kann man von hier alle Sehenswürdigkeiten gut erreichen, die entlang von Queens – und Kingstreet liegen.
Besonders beeindruckt hat uns das Parlamentsgebäude. Das Internet sagt, man könne es besichtigen und an Führungen teilnehmen. Keine Security, eine stabile Doppeltür, die sich einfach öffnen lässt und schon werden wir begrüßt. Unsere Frage, ob wir das Gebäude besichtigen können, wird mit “ of course“ beantwortet. Ein sofortiger kurzer Sicherheitscheck wie am Flughafen und gleich empängt uns ein netter junger Mann, der uns das Gebäude und seine Funktion vorstellt: 1867 erfolgte die Gründung der Conföderation Canada im wesentlichen durch englandtreue „Loyalisten“ aus Provinzen. Noch heute ist Canada formal eine Monarchie mit King Charles als Oberhaupt. Er wird in den Provinzen vertreten durch den ernannten Lieutenant Governor, der formal alle Beschlüsse des Parlaments bestätigt, aber nicht bestätigen muss. https://www.voixfemmesnb-voiceswomennb.ca/content/gnb/en/lgnb/ltgov/role.html.
Das erste Parlamentsgebäude der Provinz New Brunswick, so benannt nach der Herkunft der damaligen Königen Charlotte von Braunschweig, Ehefrau von George III von England und British Commonwealth, brannte 1880 ab und wurde in nur 2 Jahren durch den heutigen vierstöckigen „Neubau“ an Ort und Stelle wieder errichtet. Da das Feuer im ersten Stock ausbrach, gab es Gelegenheit, viel Mobiliar und Inventar incl. der Bibliothek aus dem Erdgeschoss zu retten und in den Neubau mitzunehmen. So sind die heutige Bestuhlung und die Kronleuchter noch aus der Gründungszeit.
New Brunswick besteht aus 49 „Landkreisen“, die jeweils einen Abgeordneten in das Parlament wählen. Die Abläufe sind identisch mit dem englischen Parlamentssystem, die Sitzungen werden von dem Speaker geleitet.
In vielen Bereichen entscheiden die Provinzen ähnlich wie bei uns die Bundesländer souverän; im Übrigen das Bundesparlament in Ottawa.
Von Fredericton bis Moncton sind es noch cirka 170 km. Das ist gut zu schaffen. Wir erinnern uns an einen Rotary Mapleton Park dort, den wir jetzt als Übernachtungsziel ansteuern und vor Abendessen und „Heute Journal“ erst einmal eine große Runde in der Abendsonne laufen. Ohhhh – tut das gut.
Am nächsten Morgen fahren wir weiter nach P.E.I – wenn schon – denn schon – die kleinste Provinz Kanadas nehmen wir auch noch mit. Über die Confederation Bridge – mit einer Länge von knapp 14 Kilometern zählt sie zu den längsten der Welt – kann man die Insel erreichen.
Unser Zeitfenster bis zur Fährabfahrt von Sindney (NS) nach Port aux Basques (NF) gibt noch 3 Tage her und wir mieten uns im PP Cabot Beach für 2 Nächte ein.
Am roten Sandstrand wird auch an „handycaped people“ gedacht, die gerne mal ins Wasser möchten; die Wassertemperatur soll hier zur Zeit 20 °C betragen.
Wir ziehen fürs Erste einen Spaziergang vor und machen ein paar schöne Sonnenuntergangsfotos.
Wir haben endlich mal wieder wunderbar geschlafen – keine Straße, kein hupender Zug und keine startenden Flugzeuge wie in Ottawa. Der die ganze Nacht anhaltende Regen trommelte rhythmisch auf das Womodach – herrlich. Ja – und so sieht unser Platz heute Morgen aus:
Es regnet tagsüber ununterbrochen weiter, also bringen wir wieder Kilometer hinter uns: 457 km an der Zahl in 6h 22′ auf # 20 und später A 85 / #2. Viele Baustellen haben uns oft ausgebremst. Schöne Fotos haben wir auch nicht gemacht.
Von unten nach oben:
Grünstreifen – Gegenfahrbahn – Wiese – Sankt Lorenzstrom – Land hinter dem Strom – Himmel – himmlisch
In New Brunswick haben wir wieder die Zeitzone gewechselt – 5 Stunden sind wir jetzt noch hinter zu Hause. Wir finden ein Plätzchen in Edmondston und freuen uns über ein Reh, das uns neugierig beobachtet.
Falls sich jemand wundert, warum wir nur fahren, anstatt z.B. in Montreal oder Quebec zu stoppen und die Stadt anzuschauen – das haben wir vor 2 Jahren gemacht. Quebec ist uns in bester Erinnerung bei wunderbarem Sommerwetter. So wollen wir es in Erinnerung behalten. Gleiches gilt für Montreal.
Wir sind entschieden – wir haben die Fähre nach Neufundland gebucht. Andernfalls hätten wir uns immer wieder gefragt, ob wir etwas versäumt haben. Am 28. August fahen wir nun von Sydney, Nova Scotia, nach Port aux Basques auf NF und am 19. September zurück von Argentia nach Sydney. Da bleibt vorher sogar noch ein Zeitfenster für den einen oder anderen National- Regionalpark. Bei Montreal gibt es zwei Möglichkeiten. Den Parc national de la Maurice kennen wir schon, den Parc national de la Tremblant noch nicht. Es wäre schön, mal nicht zu fahren, stattdessen zu wandern oder zu paddeln – jedoch das Wetter ist dagegen. Temperaturen um 16 Grad machen keine Lust auf Wassersport und eine Regenwahrscheinlichkeit von 60% und Windgeschwindigkeiten von 38 km/h auch nicht zum Wandern. Also dann doch weiterfahren. Und das macht heute extrem viel gute Laune. Auf der Autoahn # 40 stehen wir 2 Stunden im Stau. Drei-vier Fahrspuren fädeln sich bei Baustellen auf eine einzige ein, kaum hat man es geschafft, geht es von vorne los. Besonders heftig wird es vor dem Tunnel, der unter dem St. Lorenzstrom durchführt.
Da wäre eine weitläufige Umfahrung der Stadt sinnvoller, wenn auch weiter gewesen. Für 307 km brauchen wir 5h 42′.
In Drummondville fahren wir um 17.30 Uhr ab und erreichen nach 10 km den Parc Sanctuaire mit schönen Wanderwegen – im Regen! Das obligatorische Stellplatzfoto kommt morgen, falls es nicht mehr regnet.
In der Nacht wird das Womo mal wieder gründlich gewaschen, gut nach der Gravelroad. Der Nebel hat sich verzogen, und wir können nach einer ruhigen Nacht die Aussicht auf den Superior Lake genießen. Es ist einer der wenigen Blicke auf den See, obwohl wir im weiteren Streckenverlauf den „Surperior Lake Circle“ (erst # 2, dann # 28) fahren.
Das Wetter ist wieder schlechter geworden. Es regnet, stürmt und zwischendurch zieht immer wieder Nebel auf, der die Sicht stark einschränkt.
Es ist schwierig, einen ruhigen Übernachtungsplatz zu finden. Viele Campingplätze liegen direkt an der Straße. Wir entscheiden uns nach 475 km für den Bay Furnace Campground in einem Statepark bei Christmas, doch der ist voll belegt. Klar – Dreckwetter – aber Wochenende – und die Kanadier setzen sich auch bei Regen ans Feuer. Einen Overflow gibt es nicht und an den Day Use Aereas stehen Schilder: „No Overnight Parking!“ Zum Glück liegt genau gegenüber das Casino. Ein kleines Spielchen gefällig, um die Urlaubskasse aufzufüllen? Lieber nicht. Am Ende sind wir vielleicht doch ärmer! Obwohl direkt am Hwy gelegen, haben wir auf dem dortigen Parkplatz bis 7 Uhr eine ruhige Nacht. Dann wechseln wir die Straßenseite, fahren in den Statepark, frühstücken gemütlich in der Day Use Area und dann geht’s weiter – wieder Richtung Grenze.
Sault Sainte Marie (Stromschnellen der hl. Maria) ist eine geteilte Stadt. Der Mary-River bildet die Grenze.
Über dem Mary RiverÜber dem Mary RiverSchleuse über 16 m Höhenunterschied zwischen Superior und Huron LakeStromschnellenStromschnellen
Auch bei der Einreise nach Kanada geht alles schnell und problemlos von statten.
Ohne Regen, aber gebeutelt von starkem Gegenwind – irgendwie haben wir den immer von vorne und selten von hinten 🙂 – fahren wir zunächst nördlich des Huronsees und erreichen nach 519 km um 18 Uhr Greater Sudbury, die Nickelstadt, die wir vor 2 Jahen schon besucht haben. Aber dass es hier einen sehr hübschen Stadtpark (Belle Parc) mit Übernachtungsmöglichkeit gibt, wussten wir nicht. Und ein Konzert mit Tanz am Ramsey Lake gibt es auch. Das nennen wir mal eine angemessene Begrüßung.
Leider ist es hier sehr laut und wir brechen am Montag bei 11° C , grauem Himmel und heftigem Wind zeitig auf. Ottawa ist unser Ziel. Heute wird nur gefahren, tatsächlich haben wir mal Seitenwind, aber auch Rückenwind. Auf der #17 erreichen wir um 17 Uhr nach 486 km eine kleine Grünanlage in Ottawa, der Hauptstadt von Ontario und Gesamtkanadas. Hier wollen wir uns jetzt entscheiden, wie es weitergehen soll. Neufundland noch mitnehmen – sonst werden wir es nie mehr sehen oder die wesentlich kürzere Strecke nach Baltimore fahren, dort das Womo in den Hafen bringen und früher zurückfliegen?
Unser wunderschöner Übernachtungsplatz in Ste. Anne
Anfänglich scheint noch die Sonne. Wir haben uns viel vorgenommen für heute. Als kürzeste Strecke zurück nach Nova Scotia hat uns das Navi folgende Strecke ausgewiesen:
Wir fahren also wieder ein Stück durch die USA. An der Grenze geht diesmal alles reibungslos. „Welcome in USA“ lesen wir bei der Einreise und so fühlen wir uns diesmal tatsächlich: welcome.
Mittags beginnt es zu regnen. Die Straßen: kinderpopoglatt – böses Gravel – Schlaglochasphalt übelster Sorte – wir leiden mit dem Womo mit und sind nach 542 km in 7h 34′ beide platt. In Duluth finden wir am Thompson Hill Information Center einen guten Übernachtungsplatz. Die schöne Aussicht, die man vom Hill aus genießen könne, boykottiert dichter Nebel. Morgen früh vielleicht.
Weiter gehen soll es bis zur USA/Kanada Border in Sault Ste.Marie, noch 676 km, das werden wir morgen vermutlich nicht ganz schaffen.
Die Moskitos überfallen uns am Morgen unvermindert heftig. Christiane kann nur eingeschränkt sitzen – 5 Stiche – durch die Hose -da ist es wohl nicht verwunderlich, wenn wir keine Lust auf einen ausgedehnten Spaziergang in diesem Park haben. Weitere 38 km später in diesem Park, in Wasagaming, gibt es neben einem weiteren Campingplatz eine sehr hübsche Feriensiedlung am Südufer des Clearlake, wo wir uns auf einen kleinen Bummel aus dem Auto wagen.
Bevor der Regen anbricht, sind wir auf der Weiterfahrt nach Portage La Prairie. Hier haben wir 2022 schon einmal gut übernachtet. Diesmal steuern wir vorher noch eine Laundry an. Wir sind überrascht über die „Kleine Nachtmusik“, die uns ein reger Zugverkehr konzertiert, daran können wir uns nicht mehr erinnern.
Auf der einen Seite…..…auf der anderen Seite…
In der Nacht Nacht regnet es viel und auch am Vormittag regnet es weiter. Nach einer Stunde Fahrzeit auf dem Transcanada-Hwy #1 sind wir an unserem Ziel in Winnipeg – dem Museum of Human Rights, wo es direkt gegenüber der Straße reichlich Parkraum gibt.
Schon von außen ist das moderne Gebäude sehr beeindruckend, aber die Innenarchitektur mit von innen beleuchteten, schrägen Alabasterpromenaden zwischen den Stockwerken, Glas und Stahlkonstruktionen der Außenfassade, die den freien Blick nach oben über alle Stockwerke freigeben, der Rundumblick über die Stadt vom zentralen Turm aus, bringen einen ständig neu zum Staunen. Der Architekt heißt Antoine Predock aus Albuquerque (New Mexico); es wurde am 19. September 2014 eröffnet, die Baukosten beliefen sich auf 351 Millionen $.
Wie kann man „Menschenrechte“ in einem Museum ausstellen? Hier ist es gelungen als ein sehr facettenreicher, im ständigen Fluss und Entwicklung befindlicher Prozess hin zu einer Utopie, der aber auch immer wieder gestört und konterkariert wird durch menschliche Tragödien. Es wird erinnert z.B. an Diskriminierung von Völkern, Rassen, Geschlechtern und Glaubensgemeinschaften, aber auf der anderen Seite auch an Personen der Geschichte festgemacht, welchen Beitrag sie zu einer allgemeinen Verbesserung der Menschenrechtssituation geleistet haben.
Es bedrückt zu sehen, wie viele Konferenzen stattfanden und Vereinbarungen und Verträge innerhalb der Weltgemeinschaft schon darüber geschlossen wurden und trotzdem KIndern das Recht auf Schule verwehrt wird
– weil sie aus Armut mitarbeiten müssen, um die Ernährung der Familie zu sichern
– weil die Taliban den Mädchen die Teilnahme am Unterricht verbieteten
– weil Kriege ihre Schulen zerstören
– weil – weil ……..
Uns fällt auf, dass Kanada auch sich selbst anklagt, insbesondere im Umgang mit den „First Nations“ und deren Kindern, die ab 1880 fast hundert Jahre lang den Familien teils gewaltsam entrissen wurden zur kollektiven Umerziehung und „Zwangsassimilation“ in Internaten. Die traditionelle Kultur wurde ihnen geraubt und verwehrt und mit der neuen kommen viele bis heute nicht klar.
Auch waren die „Treaties“, in denen den Indianern Land abgenommen beziehungsweise neu zugewiesen wurde, wohl sehr unfair und mehr Diebstahl als Tausch.
Im Flug sind so 5 Stunden vergangen, als wir uns gedankenvoll auf dem Rückweg zum Auto machen, da wir noch keine Bleibe für die Nacht haben. Auf den Vorschlag von I-Overlander hin fahren wir weiter auf dem #1 ostwärts bis zur Abzweigung der #12 bei St. Anne und bleiben dort in einem kleinen Park.
Wir verlassen Red Deer, die drittgrößte Stadt Albertas, auf dem Hwy 12 nach Osten. Die Straßenqualität ist sehr wechselhaft, durchgängig einspurig geht es mal ruhig gleitend und mal holprig mit Stoßfugen durch eine Ebene, die erst mit Getreideanbau und Ölförderung, dann meist weidewirtschaftlich genutzt wird.
Kurz hinter Saskatoon haben wir nach 583 km genug vom Fahren, befragen I-Overlander und übernachten ganz idyllisch nah am Hwy 16.
Hier wechseln wir auf den Transcanada- Hwy 16 – den wir auch von Jasper nach Prince George schon einmal befuhren – und bis Yorkton folgen. Hier überwiegt jetzt wieder der Getreideanbau.
Anstatt dem Hwy 16 nach Winnipeg zu folgen, wählen wir die nördlichere Route über den Hwy 10, der uns durch den Riding Mountain National Park führt, in dem wir am Moon Lake Campground übernachten. Es könnte so schön sein, am Feuer zu sitzen bei angenehmen Außentemperaturen — wären da nicht Tausende von Moskitos, die sich an keinem Abschreckungsmittel stören und uns auffressen wollen.
Heute wollen wir noch einmal zum Emerald Lake, den wir vor 30 Jahren ebenfalls mit unseren Jungs besucht haben. Liegt es an der Sperrung des nördlichen Teil des Icefield Parkways? Hier wimmelt es nur so von Menschen und Autos. Einen Parkplatz kann man sich abschminken. Bis weit in Gegenrichtung stehen Fahrzeuge am Straßenrand und Fußgänger pilgern entlang der Emerald Road zum See. Wir drehen eine Runde, machen ein Foto aus dem Fenster und sind nicht mehr motiviert, die 5 km um den See herum zu wandern, was sicher bei weniger Betrieb sehr schön gewesen wäre.
Statt dessen machen wir einen Fotostopp am Beginn der Straße und bewundern die „Natural Bridge“. Hier hält sich der Rummel in Grenzen.
Anschließend fahren wir zurück zu dem Campingplatz, auf dem wir übernachtet haben. Hier zweigt die Yoho Valley Road ab und führt 14 km in zum Teil sehr engen Kehren hinauf zum Takakkaw Wasserfall, mit 380 m einem der höchsten Kanadas.
Ähnliches Szenario wie am Emerald Lake, doch hier finden wir am Straßenrand eine Parkmöglichkeit, laufen 800 m bis zu den wirklich beeindruckenden Fällen. Die Gischt wird weit getragen und sorgt für angenehme Kühlung.
Weitere Wanderwege starten hier, für alle Ansprüche ist etwas dabei. Auch einen „Walk in Campground“ findet man hier. Am Parkplatz stehen Schubkarren bereit, mit denen die Camper ihre Zelte und Ausrüstung vom Auto zum Zeltplatz transportieren können.
Wir entscheiden uns für eine Wanderung zu den Point Lace Falls, 6 km hin und zurück. Der Weg ist wunderschön, gut zu laufen und erfreulicherweise nur wenig frequentiert.
Auf der Rückfahrt stoppen wir am Zusammenfluss von Kicking Horse River und Yoho River . Der erste hat seine Gletschersedimente zwischenzeitlich in mehreren Seen abgelagert und sein Wasser ist hell und klar, während der Yoho River vom Gletscherschmelzwasser milchig trüb ist.
Ein weiterer Stopp erfolgt am Aussichtspunkt auf den 1 km langen Spiraltunnel der Eisenbahn. In einer 280 ° Kurve überwinden die Züge zwischen Einfahrt in und Ausfahrt aus dem Tunnel einen Höhenunterschied von 48 Fuß, ca. 16 m.
Wir verlassen den Yoho NP, fahren noch ein kurzes Stück bis kurz vor Lake Louise auf dem Trans Canada Hwy 1, biegen dann auf den Icefield Parkway im Banf/Jasper NP ein. Bis Saskatchewan Crossing ist die Strecke offen. So weit wollen wir aber gar nicht mehr fahren. Wir haben inzwischen BC verlassen und in Alberta ist es 1 Stunde später – nur noch 8 Stunden Differenz zur Heimat. Um 19 Uhr aktuelle Zeit sind wir wieder auf dem Mosquito Creek Campground wie vor ein paar Wochen, sogar der gleiche Platz 23 ist frei. Hier übernachten wir.
Um 8 Uhr!!! am nächsten Morgen (Freitag) sind es 5 ° C!!! Wie schön, dass wir eine gut funktionierende Heizung haben. Gegenüber steht ein VW Bus mit Aufstelldach. Huuuhhhh!
Und ganz hart Gesottene sind mit Iglu-Zelten unterwegs.
Gegen 10 Uhr starten wir und sind ca. 30 Min. später am Saskatchewan Crossing. Der Wanderführer beschreibt einen kurzen Spaziergang 17 km nach dem Abzweig, auf dem man sich ein Bild machen könne, wie schnell sich die Vegetation nach einem Brand erholt. 2009 hat man hier den artenarmen Kiefernwald niedergebrannt. Wir nehmen uns die Zeit und laufen eine kleine Runde vorbei an verkohlten Baumstämmen, vielen nachgewachsenen Espen und wenig Kiefern. Die angekündigten interpretativen Tafeln fehlen und auch die Bedeutung der um manche Bäume geschlungenen Tücher können wir nicht deuten. Wahrscheinlich ein Ritual der Natives.
Nach 27 km erreichen wir den Wanderparkplatz zu den Siffleur Falls. Ein Franzose hat sie nach den pfeifenden Murmeltieren so benannt (warum nicht Chute statt Falls?). Wir überqueren den Saskatchewan River auf einer Hängebrücke
und folgen dann dem Canyon des Siffleur Rivers mit malerischen Ausblicken in die Bergwelt und die Schlucht mit türkisfarbenem Wasser. Nach 3,7 km sind wir am Ziel angekommen, machen eine kurze Rast und treten den Rückweg an. Für alle, die es nachmachen wollen: sehr empfehlenswert und wirklich wunderschön zu laufen.
Um 4 PM sind wir am Auto zurück. Morgen wollen wir zu den Crescent Falls wandern, ca. 70 km hinter dem Abzweig auf die 11. Wir schauen uns einige der vielen Campgrounds entlang der Strecke an. Für eine ganze Reihe braucht man einen „Public Lands Campingpass“, der 30$/Person/Jahr kosten soll. Doch wo bekommt man den her? Ohne Internet?
Am Abraham Lake finden wir nach langem Suchen eine Platz mit Internet, aber auch hier braucht man den Pass. Internet haben wir ja jetzt, aber die Anmeldeprozedur ist sehr kompliziert und so beschließen wir, dass wir zu doof sind und nichts verstanden haben, falls uns jemand nach dem Pass fragen sollte.
Hat aber keiner. Hier jenseits der Rockies ist es wärmer, heute Morgen um 8 immerhin 12° C.
Wir fahren noch ein kurzes Stück auf der 11 ostwärts, dann kommt der Abzweig nach links zu den Crescent Falls. Die 6 km lange Schotterstraße ist in relativ gutem Zustand. Auf der Crescent PRA (Provincial Recreation Aerea) braucht man keinen Campingpass und wir haben große Platzauswahl. Für die 17 entscheiden wir uns, weil wir vermuten, dass wir nachmittags dort Sonne haben werden.
Der Rucksack ist schnell gepackt und dann geht’s los zu den Falls. Bis dahin ist es nur ein kurzes Stück zu laufen. In 2 Stufen rauscht der Wasserfall in die Tiefe. Unser 5 Jahre alter Wanderführer berichtet von Trampelpfaden, die zum Becken der oberen Cascade führen. Ohne Höhenangst und schwindelfrei könne man es vorsichtig auf eigene Verantwortung versuchen. Gott Lob muss ich mich da nicht überwinden. Inzwischen ist alles wunderbar mit 127! Treppenstufen und Plattformen versehen und man hat einen tollen Blick auf die Wassermassen des Bighorn River. Nur zum Badebecken kommt man nicht mehr hin.
Wir setzen unseren Spaziergang entlang des Bighorn Canyon fort
und sind um 14.30 Uhr nach diesmal nur 5 km wieder zurück. In der Nähe geht ein Weg zum „Strand“ des Bighorn River. Den schauen wir uns an, entscheiden uns aber für die Campingstühle vor dem Womo. Bis zum vorhergesagten Gewitter um 17 Uhr genießen wir die Sonne.
Am Sonntagmorgen ist der Himmel blau, die Sonne scheint und das Thermometer zeigt um 8 Uhr stolze 5° C. Als wir um 9.30 den Platz verlassen, sind es immerhin schon 8° C. 2 Stunden später schwitzen wir dann bei 30°. Die Outdooraktivitäten sind hier auf ein recht kleines Zeitfenster beschränkt.
Am Hwy 11 haben wir wieder Internet und gratulieren einem uns sehr wichtigen, lieben Menschen zum 40. Geburtstag! Happy Birthday!
Bis Nordegg, einer ehemaligen Kohleabbaustadt, ist es nicht mehr weit. Es liegt an der Strecke (HWY 11) und wir statten dem dortigen Museum einen kurzen Besuch ab.
Außerdem gibt es 2 Tankstellen, 3 Imbissbuden/Restaurants, vielleicht 30 Häuser und einen 9 – Loch – Golfplatz.
Nach etwa weiteren 50 km erreichen wir das historische Rocky Mountain House, das als Handelsstation sowohl von der HBC (Hudson Bay Company) und der NWC (North West Company) doppelt gegründet wurde. Wir machen einen ausgedehnten Spaziergang auf den Spuren der alten Pelzhändler in einer Art Freilichtmuseum. Zwischendurch treffen wir auf Studenten im historischen Look, die uns Szenen aus dem Leben der damaligen Zeit erklären.
Büffelklauen als LöffelKralle einer SchneekatzeSchneekatzeSaskatchewan River früher Handelsweg, heute Freizeitvergnügen
Nach 10 km erreichen wir den modernen Ort Rocky Mountain House, ein hübsches kleines Städtchen mit ca. 6000 Einwohnern. Die Landschaft ist inzwischen langweilig, hügeliges Gelände im Übergang zur flachen Prärie und immer mehr geprägt durch großflächige landwirtschaftliche Nutzung. Zwischendurch tauchen immer wieder Ölförderpumpen in den Feldern auf.
Red Deer, die drittgrößte Stadt Albertas nach Calgary und Edmonton, ist unser heutiges Etappenziel. Hier übernachten wir auf dem Lions Campground am Little Read Deer River.
Hier sitzen wir um 21 Uhr noch draußen, schreiben Blog und haben endlich mal wieder ein Lagerfeuer.
Morgen geht’s in die unendlichen Weiten der Prärie und wir hoffen, ein großes Stück weiter in den Osten vorzudringen. Durch Saskatchewan bis Winnipeg in Manitoba sind es 1320 km. Bis Sydney in Nova Scotia, wo die Fähre nach New Foundland ablegt, sind noch 5050 km – vom Nordkap bis Gibraltar sind es nur 150 km mehr.