Sonntag, den 13.04.25 bis Dienstag, den 15.04.25 + Mittwoch, den 16.04.25
Die Sonne scheint, heute geht’s durch den Hohen Atlas über Taroundant bis Tarafoute im Antiatlas. Was in Marrakech als Regen niederkam, scheint in den Bergen Schnee gewesen zu sein, denn in der Ferne schimmert es sehr weiß . Wir wollen es trotzdem wagen, denn das war mit ein Grund, Marokko erneut zu bereisen. 2017 war es im März definitiv noch zu winterlich.
Wir fahren über Straßen, die in der letzten Nacht auch heftige Regenfälle mit Schlammüberflutungen abbekommen haben, aber sie sind passierbar. Die landschaftlichen Ausblicke sind sehr reizvoll, die Straßen leider nicht, sie werden immer schlechter, bis sie schließlich in einer einzigen Baustelle von ca. 80 km Länge enden. Kein Schnee. Schaut selbst.
Hundemüde kommen wir am Nachmittag in Taroundant an. Den Stellplatz von damals an der Stadtmauer gibt es nicht mehr. Nach längerem Herumsuchen in Medinanähe entscheiden wir uns für einen großen ruhigen Platz, ca. 20 Minuten von der Altstadt entfernt.
Habt ihr schon mal einen balzenden Pfau gehört? Wir schon – eine ganze Nacht lang und dann noch den Muezin um 6.00 Uhr früh – puh, welch erholsamer Schlaf!
Am nächsten Morgen entwickelt sich reges Treiben auf dem Parkplatz und bald erscheint ein netter Parkplatzwächter, der für 25 Diram unser Womo bewachen wird, während wir uns die Altstadt von Taroundant anschauen. Wir schaffen es, einen selbsternannten Führer los zu werden, nichts außer Bananen und Tomaten zu kaufen und gegen Mittag wieder aufzubrechen. Ein Besuch dieser Stadt lohnt unserer Meinung nach nicht.
Die Fahrt durch den Antiatlas bis Tarafoute bei Traumwetter ist wunderschön, aber auch anspruchsvoll. Größtenteils gibt es nur eine asphaltierte Fahrspur und Geröllpisten rechts und links. Wie man diese Strecke zu Zeiten, als es noch keine Servolenkung gab, geschafft und keine orthopädischen Schäden davongetragen hat, ist uns schleierhaft. Achterbahn ohne Looping auf ca 135 km Länge. Spart euch Europapark, Phantasialand u.ä. Kommt nach Marokko!
Kurz hinter dem Städtchen Tafraoute beziehen wir Quartier auf dem Campingplatz Tagtout Auberge, werden herzlich begrüßt, genießen eine wunderbare Tajine mit Hühnchen und schlafen murmeltiermäßig. War da ein Muezin? Keine Ahnung.
Am nächsten Morgen bekommen wir frisches Baguette und starten um 13 Uhr zu einer Wanderung durch das wunderbare Felsenlabyrinth vor unserer Haustür. Komot Routenvorschlag: 13 Km. Naja, schauen wir mal.
Leider sind Komot und Realität nicht immer einer Meinung, unsere Männer auch nicht, teilweise sogar diametral. Nach 3,5 Stunden sind wir zumindest wieder unten an der Straße und werden von vorbeirauschenden Autos staubgebadet. Ein klitzekleiner Tante Emma – Laden ist dann unsere Rettung: Die Marrokanerin, die davor hockt, ruft uns ein Taxi und für 20 Diram (2 €) werden wir die letzten 3 km zum Campingplatz gefahren.
Eine noch bessere Tajine köfte ist unsere Belohnung.
Am Mittwoch wollen wir einen Faulenzertag dranhängen, ehe wir wieder nordwärts reisen.
Mittwoch, den 16.04.2025 – Faulenzertag
Wir genießen einen wunderschönen Tag auf dem Campingplatz. Außer uns steht hier noch ein junges Paar aus MUC ( neues Kennzeichen für München, die M – Nummern seien ausgegangen ).
Die Kinder der Wirtsleute fühlen sich wohl bei uns und präsentieren stolz ihre Schildkröten.
Jürgen lässt die Drone steigen und zeigt, wo wir gestern gewandert sind.
Wieder bekommen wir frisches Brot zum Frühstück, dann geht‘ weiter bis Boulmane und auf der N 9 und einer Nebenstraße durch langweilige, eintönige Landschaft bis Ait Benhaddouh. Dort kommen wir am Nachmittag an und erschrecken angesichts der Tourimassen, die sich wie eine Ameisenstraße hinauf zum Agadir (Speicher für Vorräte und Schätze) winden. Wir suchen wieder den Camping „Atlas View“ auf. und bestellen zum Abendessen Tajine mit Rindfleisch, die um 7 Uhr zum Womo gebracht wird, zusammen mit einem riesigen Fladenbrot direkt aus dem Holzofen. – Sehr lecker!
Eine Gruppe von 8 Wohnmobilen gesellt sich dazu und obwohl reichlich Platz vorhanden ist, muss sich einer so hinstellen, dass wir am nächsten Morgen rangieren müssen, um den Platz zu verlassen.
Um 9 Uhr treffen wir auf einem bewachten Parkplatz gegenüber der Lehmfestung ein. Inzwischen gibt es eine Brücke über den Fluss und man muss nicht mehr von Stein zu Stein hüpfen wie früher. Gerade rechtzeitig steigen wir hinauf, denn 1 Stunde später wimmelt es erneut, da fahren wir schon weiter über den Pass Tizi n’Tichka, kalt und stürmisch wie 2017, bis zum „Camping Le Relais de Marrakech“.
Früh am Freitagmorgen wechseln wir den Ort. Jetzt haben wir gute Chancen, einen Platz ( 150 Diram ) an der Kotoubia – Moschee ganz nahe an der Altstadt zu finden, am Nachmittag ist das nicht mehr gewährleistet.
Bald erreichen wir die Souks und erstehen 2 schöne Decken für unsere Womos. 300 Diram ( 30 € ) sollte eine kosten, für 200 Diram ( 20 € ) bekamen wir dann zwei. Der Händler nebenan konnte sich das Grinsen nicht verkneifen und meinte, es sei ein guter Preis, den wir Berberfrauen erhandelt hätten.
Wir lassen uns durch die Gassen treiben, schauen beim Sonnenuntergang dem bunten Treiben auf dem Platz Jemaa El Fnaa zu und essen in einer der zahlreichen Garküchen zu Abend. Nicht gut und überteuert. Zurück am Womo desinfizieren wir ordentlich und ja – alles bleibt bei uns.
Die Nacht ist extrem ruhig, auch am Morgen können wir ausschlafen. Der Muezin der nahe gelegenen Koutoubia Moschee hat ein Einsehen mit Touristen und sendet keinen Weckruf.
Nach dem Frühstück machen wir uns wieder zu Fuß auf zum berühmten Palais de Bahia, das uns vor 8 Jahren sehr beeindruckt hat. 100 Diram Eintritt finden wir nicht gerade günstig, aber zur Erhaltung dieses großartigen Gebäudes zahlen wir das gerne. Doch dann – hinter der Kurve – stellen wir fest, dass Hunderte von 100 Diram – Scheinen in die Kassen geflossen sind. In einer dicken unendlich langen Schlange geht es durch Gärten und Gebäude, es macht keinen Spaß! Bald beschließen wir, uns lieber die Fotos aus unserem alten Blog 2017 anzusehen, als diese Schieberei weiter mitzumachen. Gegen den Strom entkommen wir dem Trubel, bummeln noch einmal durch die Souks, reservieren im „Cafe‘ Ancient einen Platz on the roof in erster Reihe und halten eine ausgiebige Siesta.
Am Abend sieht es nach Regen aus. Wir erreichen das Restaurant, setzen uns, solange noch Tische frei sind, unter die Markise, geben unsere Bestellung auf und dann geht’s los. Zuerst nur tröpfchenweise, Sonnenschirme werden zusätzlich aufgespannt, doch bald läuft es überall in Sturzbächen von Markisen und Schirmen. Nach und nach ergreifen alle die Flucht ins trockene Innere, wo zusätzliche Tische aufgestellt werden. Es ist eng und auch hierhin hat sich das Wasser einen Weg gebahnt und wird mit großen Abziehern wieder nach draußen befördert. Trotzdem verläuft der Service reibungslos. Nach 1,5 Stunden zahlen wir. Der Regen hat aufgehört und wir kaufen noch Sesammandeln und gefakte Crocs für 100 Diram, damit Momo wieder in den Besitz der Seinen kommen kann.
Am Womo gibt’s noch einen Absacker und dann gute Nacht bis morgen, wenn wir über den Tizi n‘ Test Pass fahren wollen. 2017 war es dafür noch zu winterlich.
Montag, den 07.04.2025 bis Mittwoch, den 09.04.2025
Wir verlassen Erg Chebbi, fahren diesmal über Rassini weiter und bleiben prompt im Verkehrsgewühl stecken. Heute ist Markttag, aber es sieht gruselig und schmuddelig aus und wir wollen nichts einkaufen. Doch wie geht’s weiter bis Tinguir? Ein Fahrradfahrer bedeutet uns, hinter ihm herzufahren. Sofort erinnern wir uns an unser Lotsenerlebnis in Chefchauen. Ist er einfach nur freundlich oder will er uns am Ende auch abzocken und ist mit einem kleinen Trinkgeld nicht zufrieden. Blöde Situation. Wir fahren anders weiter als er und müssen dann doch wieder umkehren und den Weg fahren, den er gezeigt hat. Nun ist er aber weg und war wahrscheinlich einfach nur hilfsbereit und freundlich.
Wir verlassen Risani durch das prächtige Stadttor Richtung Erfoud,
zweigen ab auf die R 702, später auf die N 10, lassen die Lehmstadt in Goulmima dieses Mal aus und biegen in Tinguir ab in die Todra-Schlucht.
Am frühen Nachmittag haben wir die Nase vom Fahren voll und bleiben wie letztes Mal auf dem Camping Atlas.
Am nächsten Morgen starten wir zur großen Runde durch den Hohen Atlas, die Todra-Schlucht hinauf bis Agoudal und die Dades – Schlucht wieder hinunter.
Nach einer unruhigen Nacht (Hundegebell und Weckruf des Muezin um 5 Uhr morgens) brechen wir gegen 10.30 Uhr auf in der Hoffnung, bald eine Tankstelle zu finden. Doch es kommt keine und wir müssen tanken. 200 km durch die Berge schaffen wir nicht mehr. Also kehren wir um bis Tinguir (22 km), tanken voll, während Benners mit ihrem beneidenswert undurstigen Womo schon mal weiterfahren.
Die Hauptattraktion in der Todra – Schlucht ist total überlaufen, ganz anders als 2017.
Danach wird es dann aber ruhiger und urtümlicher. Wir bewundern fantastische Schichtungen und Farben in den Felsen, kommen durch ursprüngliche Berberdörfer, fahren über teilweise übelste enge Pisten.
StaudammSchuleGlück gehabtHier fliegt der Storch nichtHerrliche Passstraßenhinunter in die Dades – SchluchtDades – SchluchtDades – SchluchtEinfahrt zum CampingHerzliche Begrüßung
Gelegentlich kommen uns Wohnmobile entgegen, also gibt es ein Durchkommen. Doch von Benners keine Spur. Leider gibt es hier auch kein Netz, nur „Notruf möglich“ – immerhin! An einer Kreuzung steht mal wieder eine Polizeikontrolle. Die fragen wir nach dem Weg, weil wir die Schilder nicht eindeutig der Richtung zuordnen können. Ein Marokkaner, der aus der Richtung kam, in die wir wollen, beteuert, einen weißen Camper „Etrusko“ gesehen zu haben. Dann geh’s weiter. In manchen Dörfchen hätten wir sogar Diesel bekommen können. In Hauseingängen stehen dann große Tonnen, aus denen in einen 5 l Kanister abgefüllt wird und dann wieder mit Hilfe eines Trichters in den Tank geschüttet wird. Gut, dass wir das nicht brauchen. Wir klettern mehrere Pässe in steilen Serpentinen hinauf und wieder hinab. Oben bläst es heftig und ist kalt. Von Benners noch immer keine Spur und nach wie vor kein Netz. Da muss nun halt Starlink helfen. Am Straßenrand stellen wir ihn auf das Armaturenbrett und kurz drauf hat er einen Sateliten gefunden. Auch Benners sind gerade in einer Zone mit Empfang angekommen – wir telefonieren, sind erleichtert, dass alle wohlauf sind – sie 34 km vor uns- und wir beschließen, uns nach für uns ca. weiteren 50 km auf dem Camping L‘ Etoille d’azur zu treffen. Der Besitzer begrüßt uns herzlich mit Tee und Gebäck und bringt uns abends gratis frisch gebackenes Brot und eine leckere Gemüsesuppe, die wir allerdings wieder kräftig nachsalzen. (Vorsicht, direkt davor ist ein anderer Campingplatz, doppelt so teuer und unfreundlicher Besitzer.)
Wir lassen den Tag gemütlich angehen, sitzen in der Sonne, kaufen dieses leckere Olivenöl, das der Chef hier aus seinen eigenen Oliven presst und das uns bereits vor 8 Jahren begeistert hat. Inzwischen kostet der Liter schon 10 Euro, das Doppelte.
Camping JurassicCamping aus der LuftCamping aus der LuftRestaurantRestaurantCouscous – sehr lecker
Die Gorge du Ziz ist beeindruckend, der Farbkontrast von rotem Lavagestein und grünen Palmen entlang des Flusses ebenso.
Zeitweise sind die Straßen wieder ein Härtetest für die Womos. Unerwartete Bodenwellen lassen die sie durchfedern bis auf die Dämpfer und sorgen für „Ordnung“ in den Schränken.
Am Nachmittag kommen wir in der Kasba Mohayout (Mohamed und Youta = Jutta hatten sie einst gegründet) am Rand der Sahara an. Vieles hat sich hier verändert, ist moderner geworden. Hassan lernten wir bereits vor 8 Jahren kennen, er ist jetzt der Chef. Sein Äußeres erinnert stark an den Exfußballer Lothar Matthäus.
Hassan im Mohayoutam Wüstenrand Erg Chebbi
Für den folgenden Tag buchen wir eine Wüstentour mit dem Jeep für 150 Euro, 4 Personen incl. Mittagessen (10 Euro konnte ich runterhandeln, ich „harte Berberfrau“).
Das Abendessen ist sehr enttäuschend und kein Vergleich zu dem, was es im Jurasic am Vortag gab (siehe Foto oben) teuer, fad und verkocht.
Pünktlich um 8.30 Uhr steht Yousef mit einem 4×4 Toyota neben uns
und bald geht es los, entsprechend der Runde, die Hassan uns gestern aufgemalt hat:
Hassans Skizze
Zuerst zu einem See, der nur selten mit Wasser gefüllt ist – zuletzt vor sieben Jahren. Viele Flamingos durchsieben weit draußen im See das Wasser nach Nahrung. Woher die wohl wissen, dass der See momentan nicht ausgetrocknet ist?
Die Flamingos muss man sich denken, sie waren aber wirklich da und mit dem Fernglas gut zu sehen.
Dann in die Dünen, wo ein imposanter Ritt mit dem Auto hinauf und hinunter beginnt, ohne vorher den Reifendruck gesenkt zu haben. Der Toyota macht alles brav mit. Wir steigen aus und laufen ein Stück. Der Sand ist unerwartet fest und klebt nicht an den Füßen.
Querfeldein geht es weiter zu den „schwarzen Bergen“, deren Steine zur Herstellung von Kajal benutzt werden.
schwarze BergeKajalsteine
Die nächste Etappe führt uns zum „Schildkrötenfriedhof“, aber auch Muscheln, Schnecken, Trilobiten kann man hier versteinert finden.
Inzwischen knurrt der Magen. Bei einer Nomadenfamilie kehren wir ein.
NomadendorfNomadendorfAbstützung der PlaneAbstützung der Planeso wohnt man hierFeuerholzgrade geboren
Yousef hat alles für den Lunch mitgebracht, die Nomadenfrauen bereiten ihn zu und wir dürfen zuschauen, wie der „Pizzateig“ hergestellt wird, die Füllung darauf verstrichen und mit einem Teigdeckel verschlossen wird. Dann ab in den Ofen, der schon vorgeheizt ist.
der Ofen wird angefeuertTeigverarbeitungFüllung
Ein kleiner Junge, 8 Jahre alt, langweilt sich ganz offensichtlich. Die erwachsenen Männer sind mit dem Vieh unterwegs und er hat keine Spielkameraden. In die Schule geht er offensichtlich nicht. Yousef erklärt uns, dass es in Marokko keine Schulpflicht gebe und viele darauf bauten, sich im Tourismus etwas verdienen zu können. Etwas Deutsch kann fast jeder. „Guten Tag. Alles klar?“, hören wir dauernd. Die neunzigjährige Großmutter wird von Tochter oder Enkeltochter immer mal wieder eine kleine Runde spazieren geführt. Wir erschrecken, als wir ihren um 90° gekrümmten Rücken sehen und fragen uns, wie sie wohl schlafen kann.
Nach dem obligatorischen Tee mit Minze und Nüssen gibt es Tomaten-Zwiebelsalat mit Fladenbrot und dann die Berberpizza, die sehr lecker schmeckt, wenn wir auch gerne nachgesalzen hätten. „Salz ist nicht gesund“, meint Yousef. Stimmt ja, aber….. Eigentlich sind wir kurz vor dem Platzen, aber es gibt noch Desert in Form von Bananen und Orangen.
Wir bedanken uns, lassen ein Trinkgeld da und der Junge freut sich über ein Duplo.
Wir kommen an einem weiteren, kleineren See vorbei
und dann erinnert ein nachgebautes Flugzeug an Antoine de Saint-Exupéry, der in der Wüste abgestürzt ist und von dem die Geschichte vom „Kleinen Prinzen“ stammt.
Zum Abschluss besuchen wir noch ein Geschäft, in dem Berberhandwerk wie Teppiche verkauft wird, aber wir können nichts Passendes für uns finden.
Wir konnten endlich wieder einmal Lissy und Michi für eine große Abenteuerreise zur Einweihung deren neuen Wohnmobils gewinnen.
Längere Vorbereitungen waren nötig, nicht nur, um dem Etrusco seine „Kinderkrankheiten“ auszutreiben, auch die Crew brauchte noch vorbereitende Impfungen nicht nur medizinischer Art.
Zu guter Letzt hätte es noch sprichwörtlich ins Auge gehen können- aber jetzt ist alles gut und wir sind auf Achse.
Die erste gemeinsame Übernachtung ist auf einem schönen Stellplatz unter der Schauenburg von Oberkirch, die wir am nächsten Morgen noch besuchen. Die Burgschenke mit Biergarten macht einen sehr guten Eindruck und am Stellplatz gibt’s Strom und eine Dumpstation sowie eine schöne Aussicht.
Die A5 ist frei, nochmal volltanken und dann geht es ohne Einreisestau in die Schweiz und den Gotthardt hinauf. Die dritte Spur ganz rechts ist frei – und die Signalanlage gibt eindeutig diese Spur nach Andermatt frei. Kurzfristig ändert Christiane die Spur und fährt am Stau vorbei bis zur letzten Ampel an der Tunneleinfahrt. 30 Minuten gespart: 🙂
Auf dem Rasthof hinter dem Tunnel gibt es nochmal eine Brotzeit und dann nach einem Fahrerwechsel geht es weiter über den Mailänder Ring Richtung Genua.
Nach 588 km erreichen wir kurz nach Sonnenuntergang unseren Übernachtungsplatz in Voltaggio 47 km vor dem Hafen von Genua. Die Vorfreude ist groß und wir diskutieren, wie es weiterlaufen soll.
Samstag, den 25.03 bis Donnerstag, den 03.04.2025
Wieder eine wunderbar ruhige Nacht. Am Samstagmorgen empfängt uns leichter Regen. Wir tuckern über enge bis sehr enge Sträßchen und Gassen durch das wunderschöne Piemont
bis zum Hafen in Genua, den wir wieder nach allerhand Irrwegen erreichen. Wir bräuchten ein Navi, in das Höhe und Breite des Womos eingegeben werden kann, dann wären nicht so viele Kehrtwenden notwendig.
Schon kurz nach unserer Ankunft im Hafen werden wir auf das Schiff gewunken – Excellent ( Reederei GNV) heißt es. Die Kabinen sind geräumig und sauber.
Die Überfahrt mit Stop in Barcelona soll 50 Stunden dauern, tatsächlich werden es aber 54, da am Ankunftstag das Ramadanende ganz groß gefeiert und nicht gearbeitet wird.
Einfahrt Hafen BarcelonaWorld Trade Center BarcelonaSeilbahn über den Hafen von BarcelonaAuf DeckAuf DeckAuf Decklecker vom Büffetlecker vom BüffetWarten auf das Öffnen der Garage
Wir haben Vollverpflegung gebucht. Bis auf eine Passage im Golf von Marseille, den wir umbenannt haben in Golf von Europa, ist das Gewässer ruhig und die Delikatessen vom Büffet bleiben bei uns.
Das Ausladen der Fähre ist genauso chaotisch wie wir es schon kennen. Alle wollen gleichzeitig von Bord, mit Hupen geht’s natürlich schneller. Die Polizeikontrolle ist schnell geschafft, aber dann kommt der Zoll. Bereits auf der Fähre haben wir uns den Einreisestempel im Pass geholt sowie die Einfuhrpapiere für das Womo und den Roller. Jetzt wird nochmal nachgeschaut, ob alles seine Richtigkeit hat. No arms, no drones, no drugs… Letzteres bestätigt auch der Schnüffelhund, der ins Auto springt und dann ist Mitternacht vorbei – wir bleiben zusammen mit vielen anderen Womoreisenden auf dem Parkplatz im Hafengelände und haben eine ruhige Nacht.
Am Dienstag halten uns die Suche in Tanger ohne Navi ( kein Internet) nach Supermarkt und Telefonshop auf, gegen Nachmittag sind zumindest Benners mit funktionierender Simkarte ausgestattet und wir fahren weiter bis Chefchauen. Die Beschilderung zum dortigen Campingplatz fehlt an der entscheidenden Stelle und bald landen wir auf winzigen Gässchen im dicksten Verkehrsgewimmel. Nix geht mehr, vorwärts nicht und rückwärts auch nicht. Drei selbsternannte Helfer wollen uns aus dem Gewühl befreien und produzieren dabei noch mehr Durcheinander. Endlich klappt das Wendemanöver, ich steige ein und schon springt einer der Drei hinter mir ins Womo und bekundet, uns zum Camping begleiten zu wollen. Das will ich aber auf keinen Fall, denn mir schwant schon genau das, was dann eintritt und bewege ihn nachdrücklich, unser Auto wieder zu verlassen. Doch Jürgen plädiert, ihn mitzunehmen und – seine Hilfe ist nicht mehr erforderlich – bald sind wir am Campingplatz. Unser Trinkgeld wird zurückgewiesen, er wolle für so viel Mühe 20 EURO! Entweder 20 Diram oder gar nichts. Wir haben ihn nicht gebeten, er habe seine Hilfe aufgedrängt. Dann kommt der Platzwart und er ist zusammen mit seinen beiden Kumpanen, die uns hinterhergefahren sind, blitzschnell verschwunden – mit 20 Diram.
Der Platz ist ziemlich voll, aber wir passen noch in eine Lücke.
Am nächsten Morgen, Mittwoch, laufen wir steil bergab in die blaue Stadt Chefchauen (dauert ca. 20 Minuten). Blau ist hier die vorherrschende Farbe. Das Städtchen ist noch genauso hübsch wie in unserer Erinnerung und wir genießen den Bummel durch die Gässchen und finden einen Telefonladen, der unser Internet wieder flott macht.
Vom Taxi lassen wir uns zurückbringen und starten gegen 14 Uhr nach Fes, das wir um 18.30 Uhr erreichen – nach einer anstrengenden Fahrt über schlimme Schlaglochpisten.
Auf dem Camping „Diamant Vert“ spricht uns ein junger Mann wegen einer Führung durch Fes an und bald sind wir uns einig: Für 800 Diram (80 €) holt uns am nächsten Tag – Donnerstag – um 11.30 Uhr ein Taxi ab, bringt uns vorbei am Königspalast
zur Medina, wo uns ein Deutsch sprechender Führer erwartet und 3 Stunden durch die Altstadt führt.
Neben verschiedenen Moscheen (alle nur von außen, nur Muslime dürfen hinein) zeigt Dirss Faydi uns die Koranschule, eine Weberei, eine Ledergerberei, ein Hamam und einen Naturkosmetikladen. Natürlich ist erwünscht, dass wir überall etwas kaufen, wofür Dirss dann Provision erhält.
Zuletzt führt er uns in ein völlig überteuertes Restaurant, wo wir über den Dächern von Fes für 170 Diram (17 €) ein Dreigangmenue bestellen.
Nach einer Stunde werden wir wieder abgeholt und zum Taxi gebracht, das wir ohne Führer im Gewirr der 360 Gässchen totsicher nie mehr gefunden hätten.
Freitag, 04.04.2025
Heute haben wir eine Etappe von 300 km vor uns, für die wir 6 Stunden brauchen. In Ifrane drehen wir eine Runde durch den Sommersitz wohlhabender Marokkaner. Das Städtchen kommt ganz europäisch daher und kann einen eigenen Flughafen und zwei Golfplätze aufweisen.
Kurz vor Azrou wechseln wir von N8 auf die N13 und erreichen bald den Zedernnationalpark. Die Berberäffchen sind inzwischen angefüttert und halten sich in Straßennähe auf.
Die Landschaft ist abwechslungsreich, zahlreiche Schafherden weiden entlang der Straße, auch viele Esel sehen wir. Sie sind ein wichtiges Transportmittel hier zu Lande.
Die Menschen begegnen uns äußerst freundlich, winken und lächeln, ganz besonders herzlich zeigen sich die Kinder. Sehr oft treffen wir auf Polizeikontrollen, vor denen uns entgegenkommende Fahrer regelmäßig per Lichthupe warnen.
Dann erreichen wir das schöne Ziztal, finden wie vor 8 Jahren Unterkunft beim Hotel/Camping Jurasic und genießen eine riesige Schale Cous Cous, das beste von ganz Marokko, wie uns versichert wird.
Die Gasflaschen sind nun beide leer. Einerseits wunderbar, denn das sollen sie ja auch sein, bevor das Auto verladen wird. Anderer seits ist es hier nachts so kalt, dass wir gerne heizen wollen, um gemütlich frühstücken zu können. In Dartmouth, ca. 20 km entfernt, gibt es eine Gasfüllstation. Dort lassen wir noch einmal 10 kg einfüllen. Ebenfalls in Dartmouth gibt es eine Möglichkeoit, das Womo zu waschen – allerdings wohl eher nur für kleinere Fahrzeuge. Nach vielem Hin- und Herrangieren sieht der Große dann aber wieder ganz passabel aus.
Ebenfalls in Dartmouth sollen wir am Freitag vor 11 Uhr die Frachtpapiere abholen. Es wäre schön, wenn das im Anschluss klappen würde, denn dann könnten wir am Freitag trödeln. Den Hafen müssen wir erst bis 16 Uhr aufgesucht haben, der Flug geht um 22.35 Uhr, da wäre die Zeitspanne nicht mehr so groß. Doch leider sind wir zu spät, das Büro ist nicht mehr besetzt.
Wir fahren zurück auf unseren Campingplatz im Porters Lake PP und buchen uns erneut für 2 Nächte ein. Am Donnerstag packen wir.
Mittags machen wir einen Spaziergang über den fast leeren Platz – Ende der Saison – der Herbst hält Einzug.
Dann genießen wir unser letztes Abendmahl in diesem Urlaub und sind fassungslos über das, was sich heute im Thüringer Landtag abgespielt hat.
Um 22.20 Uhr können wir online einchecken. Der morgige Tag wird sehr lang und anstrengend. Wir hoffen, auf dem 6,5-stündigen Flug etwas schlafen zu können. Um 9.50 Uhr deutsche Zeit sollten wir landen und freuen uns sehr auf Kinder und Enkelinnen, die uns abholen werden.
Unsere Reise war wieder großartig, erlebnisreich und informativ. Die letzten Tage kreisten unsere Gedanken allerdings schon sehr um die Heimreise. Was müssen wir alles bedenken, dürfen wir keinesfalls vergessen – halt genau wie zu Reiseantritt auch. Aber das ist halt unvermeidbar. Ganz leise haben wir uns auch schon gefragt, was als nächstes kommt. Werden wir nochmal eine so große Tour in Angriff nehmen? Warum eigentlich nicht – wenn wir hoffentlich gesund bleiben.
50 m von unserem Übernachtungsplatz entfernt ist der Taylors Head Procincial Park gelegen, allerdings ohne Campingmöglichkeit. Doch Wandermöglichkeiten entlang der Küste gibt es dort. Die Wege sind nicht gepflegt und es wird richtig anstrengend, über unzählige Wurzeln, dicke Kieselsteine, durch Gebüsch, das die Beine zerkratzt, zu laufen. Die Ausblicke sind jedoch sehr schön.
Über 3 Stunden brauchen wir für 8 km. Anschließend sind wir platt. Wir wissen jetzt, welche Muskeln arbeiten, um kippelnde Bewegungen in den Fußknöcheln auszugleichen. Rund 90 km fahren wir noch in den Porters Lake Provincial Park mit Campingplatz, beziehen den sonnigen Platz 23 und faulenzen in der Abendsonne und den ganzen nächsten Tag.
Noch ca 40 km sind es jetzt noch bis Halifax, wo wir am Freitag die Frachtpapiere abholen und das Womo in den Hafen bringen werden. Bis dahin müssen wir den Dreckspatz noch einmal waschen und die Koffer packen.
Cape Breton haben wir vor 2 Jahren nach dem Hurrikan Fiona umfahren, die Eastcoast kennen wir noch nicht. Das wollen wir jetzt nachholen. Auf der 233 fahren wir entlang des St. Andrews Channel in der Erwartung schöner Ausblicke auf den Kanal. Doch weit gefehlt. Zwischen Straße und Channel verläuft die stillgelegte Bahnlinie, eingehüllt in dichtes Buschwerk, das den Blick auf das Wasser versperrt. In Grand Narrows stoppen wir an einer roten Ampel, weil die Brücke wegen eines Schiffchen hochgeklappt ist.
Keine Brücke, sondern eine Seilzugfähre gibt es in Little Narrow, die die Fahrzeuge über die 130 m schmale Enge bringt.
In Port Hastings, am Ende von Breton Island suchen wir das dortige Visitorcenter auf, um uns Anregungen für 3-4 Tage an der Eastcoast zu holen. Aber die Dame am Schalter ist derart unmotiviert und unfreundlich, dass wir uns nur eine Straßenkarte geben lassen und selbst recherchieren. Dann suchen wir uns ein Übernachtungsquartier und I-Overländer schickt uns zur Wildlife Management Aerea Landing Road am Rande von Antigonish, wo wie gut schlafen und am Morgen noch einen Spaziergang an einem Meeresarm entlang machen. Viele Reiher finden hier Nahrung.
Die Herbstfärbung wir immer intensiver
Und dann entdecken wir unseren ersten Biber. Burgen und Dämme haben wir zahlreich gesehen, aber nie einen Bewohner. Heute haben wir Glück und können beobachten, wie er sich herabgefallene Äpfel schmecken lässt.
Weiter geht die Fahrt auf der landschaftlich sehr schönen 7 bis Sherbrooke, einer kleinen Stadt mit dem größten Freilichtmuseum Nova Scotias. „Village closed for season“, aber wir können durch die Straßen bummeln und die Häuser von außen besichtigen.
Früh am Nachmittag stoppen wir in der Spry Beach auf einem Parkplatz zwischen Meer und Wald und informieren uns über den Wahlausgang in Brandenburg.
Mit Regen wurden wir in Neufundland empfangen, mit Sonnenschein entlassen.
Zwei Stunden vor Abfahrt sind wir im Hafen.
Unsere FähreDas war mal ein Schulbus
Das Beladen geht wieder gut organisiert und entspannt von statten. Mit 30 Minuten Verspätung legen wir ab und haben eine gute Aussicht auf Port aux Basques.
Den größten Teil der Überfahrt halten wir uns an Deck auf. Zweimal sichten wir einen Wal – da bläst er! Die See ist glatt, der Wind mäßig, die Sonne scheint und viele Bänke sind frei und bieten Platz für ein Nickerchen. Um 18.30 Uhr Neufundlandzeit , 19.00 Uhr Nova Scotiazeit legen wir an und richten uns für die Nacht wieder auf dem Parkplatz der Eishalle ein.
Knapp 1000 km müssen wir nun wegen des Wechsels des Fährhafens wieder westwärts fahren. Aber das Wetter ist soooo herrlich, da wollen wir noch einen schönen, wenn auch sehr anstrengenden Wanderweg hoch über Quidi Vidi laufen.
270 km fahren wir anschließend noch bis zum Newman Sound Campground im Terra Nova NP, wo wir vor ein paar Tagen schon einmal waren. Erst vor ein paar Tagen? Das Zeitgefühl geht ganz verloren.
Unterwegs auf dem TCH 1Unterwegs auf dem TCH 1Unterwegs auf dem TCH 1
Der TCH 1 ist super in Schuss, Fahrer, -in und Auto freuen sich gleichermaßen. In der Nacht regnet es, aber am Mittwochmorgen ist das Wetter wieder super. Das nutzen wir für einen weiteren Spaziergang im NP ein Stückchen weiter nördlich, am Donnerstag soll es regnen, da können wir dann eine längere Strecken fahren.
Biberburg im Hintergrund
Auf dem Weg in den Osten von NL waren wir sehr mit Bremsbelägen beschäftigt und haben den alten Flughafen in Botwood ganz in der Nähe von Grand Falls – Windsor ausgelassen. Hier starteten früher die Transatlantikflüge mit Wasserflugzeugen. Von Juni bis November war der geschützte Tiefwasserhafen eisfrei, doch in der übrigen Zeit waren keine Starts und Landungen möglich. Deshalb wich man aus nach Gander, weil der Gander Lake auch im Winter nicht vollständig zufror und baute den Flughafen seit 1936 sukzessive aus.
Den Botwood Heritage Park wollen wir jetzt auf dem Rückweg besuchen, zumal er auch nah am TCH 1 liegt. Doch leider ist das lt. Internet erst wieder ab Juli 2025 möglich. Ende der Saison :(
In Springdale gibt es einen schönen Übernachtungsplatz am Indian River Walking Trail. Auf einem Boardwalk vertreten wir uns noch einmal die Beine, treffen an einem Lookout sehr nette Neufundländer, mit denen wir uns längere Zeit angeregt unterhalten. Auch hier macht sich der Klimawandel deutlich bemerkbar, wie sie uns erzählen. In diesem Sommer seien kaum Eisberge vorbeigedriftet und das Wasser, das immer zu kalt zum Schwimmen gewesen sei, habe sich deutlich erwärmt.
Seit der Nacht regnet es nun. Das stört uns nicht, denn es soll ja ein Fahrtag werden und abends wollen wir in Port aux Basque sein. Gegen 11 kommt jedoch die Sonne wieder durch. In Deerlake suchen wir die städtische Dumpstation noch einmal auf, dann geht’s weiter.
Blick auf Corner Brooks …… mit Papierfabrik
Im Vergleich zu deutschen Autobahnen ist der TCH 1 so gut wie leer.
Wir kommen prima voran und stellen fest, dass ganz plötzlich die Herbstfärbung begonnen hat. Vor 3 Wochen waren die Bäume noch grüner.
Unterwegs stoppen wir noch einmal für einen einstündigen Spaziergang
und erreichen um 17 Uhr den Übernachtungsplatz 3 km von der Fähre entfernt, an dem wir auch bei der Ankunft parkten. Morgen um 9.45 Uhr sollen wir am Fährterminal sein, Abfahrt ist dann um 11.45 Uhr. Die Wetterprognose ist gut, wenig Wind und Sonne mit Wolken. Schauen wir mal.
Neufundland nicht bereist zu haben wäre eine Sünde gewesen. Es ist eine wunderschöne, landschaftlich vielfältige und reizvolle Insel mit liebenswerten Menschen und hat sich für uns auf alle Fälle gelohnt!