Liard Hot Springs

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Montag, 1. August 2022

Obwohl wir ziemlich direkt am Alaska Hwy nächtigen, der einzigen Straßenverbindung nach Norden in den Yukon und nach Alaska, stört kein Verkehr die Nachtruhe. Das mag daran liegen, dass hier sehr vor Nachtfahrten wegen der Wildtiere gewarnt wird. Insbesondere Bisons, die knapp bis zu einer Tonne wiegen können, die gerne auch mal auf der warmen Straße schlafen und eine ausgesprochene Nachttarnfarbe haben und deren Augen bei gesenktem Kopf auch nicht im Scheinwerferlicht aufleuchten, sind der Grund für schlimme Unfälle.

Bereits um 9 Uhr sind wir on the road again – nicht ohne vorher noch einige Bilder der Morgenstimmung eingefangen zu haben.

Wir bewegen uns hier durch die Ausläufer der nördlichen Rocky Mountains. Nach etwa 50 Kilometern treffen wir beidseits der Straße auf eine Bisonherde mit mehr als 50 Tieren, darunter auch einige Jungtiere, die sich bereitwillig fotographieren lassen.

Kurz darauf, wir sind hier nach etwa 350 km Fahrt wieder am Liard River angelangt, überraschen wir einen Schakal am Straßenrand beim Frühstück, wie er eine Maus verspeist. Das lässt man nicht so einfach zurück, um neugierigen Fotografen davonzulaufen.

Noch über die Brücke auf die andere Flussseite und dann sind wir auch schon am Liard Hot Springs Provincial Park. Dort treffen wir ein abreisendes Paar aus München im Allradhymer, das mit uns am 1. Juni, vor 2 Monaten also, sein Auto in Halifax aus dem Hafen geholt hat. Sie wollen noch weiter nach Alaska und evtl. auf den Dempster Hwy. Wir suchen uns den schönsten Platz, Nr 4, richten uns ein und gehen baden.

Über einen 700 m langen Boardwalk geht es über ein Sumpfgebiet zu einem Naturbecken mit warmem, am Einlauf auch heißem Wasser. Nach dem warmen Bad tut ein Mittagsschlaf gut und danach machen wir einen Spaziergang am Platz und lesen in der Sonne vor dem Womo.

Tageskilometer :                65 km

Fahrzeit :                              80 Min

Auf dem Alaska Hwy #97

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Sonntag, 31. Juli 2022

Da wir gestern beim Grenzübergang NWT / BC wieder eine Stunde gut gemacht haben, sind wir zeitig wach, gemessen nach der BC-Uhr, und fahren noch vor dem Frühstück zum Visitorcenter. Aber auch hier gibt es nur Schneckeninternet, sowohl über den Handyprovider Telus als auch über das Wifi des Centers.

Na gut, während des Frühstücks haben die Bilder Zeit zum Hochladen. Dann machen wir den Blog fertig und holen uns noch Informationen für den nächsten geplanten Reiseabschnitt: den Alaska Hwy hinauf bis nach Watson Lake. Damit waren wir dann auch im Yukon, den wir ja 2016 ausführlich bereisten – aber noch etwa 436 Kilometer von Whitehorse entfernt. Das soll dann diesmal unser nördlichster Punkt auf dem Alaska Hwy werden, bevor wir uns auf dem Stewart-Cassiar Hwy #37 wieder in den Süden machen Richtung Stewart und Prince Rupert.

Die ersten 80 km von Fort Nelson aus sind sehr gut zu fahren, dann wird die Straße zunehmend schlechter und hat häufiger Baustellen, gleichzeitig zieht es sich mehr und mehr zu mit tief hängenden Wolken. Bei einem kurzen Picknickstopp auf dem Summitpass, 1290 Meter über NN, ist es kühl und regnerisch. Danach wird die Landschaft immer schöner, aber die umgebenden Bergspitzen sind teilweise von Wolken abgeschnitten oder ragen ein anderes Mal schon wieder aus den Wolken oben hervor. Auch einen stärkeren Schauer kriegen wir ab.

Auch Tiere sind am Straßenrand, ein Kariboo und eine Bergziege sehen wir nur, wie sie von der Straße im Gebüsch verschwinden – aber – eine Elchkuh, die an einem kleinen See neben der Straße grast, ist sehr fotogen.

Gegen 18 Uhr nehmen wir Quartier neben zwei kanadischen Womos auf einem Parkplatz am Straßenrand, nachdem der Provincial Campground 3 km zuvor am Muncho Lake voll belegt war. Die Gegend und der See sind zu schön, um bei Regen nur durchzuschmettern – wir hoffen auf etwas Sonne für morgen, die sich am Abend denn auch schon mal vorsichtig zeigt.

Tageskilometer:     247km         

Fahrzeit:                   4h 40‘           

Durchschnittstempo: 53km/h

Von Fort Providence zurück zum Mackenzie Hwy #1 und über Jean Marie River zum Liard Hwy #7

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Freitag, 29. Juli 2022

„Den Liard Hwy wollt ihr fahren ? Ja, geht, aber ohne zwei Ersatzreifen nicht zu empfehlen“. Andere meinten: „Kein Problem. Ist ein bisschen holprig aber sonst gut.“ Was stimmt denn nun? Tatsache ist, dass es auf der gesamten Strecke ab Fort Providence kein Netz gibt. Außerdem soll sehr wenig Verkehr sein, besonders auf dem Liard. Wie lange müssten wir warten, wenn wir Hilfe bräuchten? Langer Rede kurzer Sinn: Wir fahren heute Morgen los.

Zunächst wieder 30 km Baustelle bis zur Kreuzung Yellowknife Hwy #3 – Mackenzie Hwy #1. War auf dem Hinweg schon übel und heute nicht besser.

Dann die erste Überraschung: Der Mackenzie Hwy, der auf der Karte als Gravel Road eingezeichnet ist, ist asphaltiert und in gutem Zustand. Juchu!

Doch man soll sich nie zu früh freuen. Bei Kilometer 35 beginnt sie dann, die Gravel Road. Manchmal geht’s gut, man kann 70 km/h fahren, manchmal aber auch nur 30 bis 40 km/h. Einsam ist die Strecke überhaupt nicht. Viele Baustellenlaster kommen mit Speed und Staubfahne entgegen oder überholen. Dabei spritzt ein Stein an die Frontscheibe und sie hat erneut ein kleines Loch, ärgerlich, denn sie ist erst im Herbst ausgetauscht worden.

Die Landschaft ist öde: Bäume, Büsche und Gras sind mit grauem Staub bedeckt, kein Tier weit und breit zu sehen, auch keine Raben, die sonst immer eifrig ihre Straßenreinigungsdienste ausführen.

Cirka 80 km vor Jean Marie River halten wir im Saamba Deh Falls Territorial Park und erkundigen uns nach dem Straßenzustand des Liard. „Very good! Yes you can do it with your car, sure“. Na dann – let‘s go!

Nach 155 Kilometern Schotterpiste, 100 km vor Fort Simpson verschlägt es uns die Sprache. Ruhe kehrt ein, die Straße ist plötzlich asphaltiert und wir kommen wieder schneller voran. In Jean Marie River wollten wir eigentlich übernachten, aber nichts sieht einladend aus, also doch noch ein Stück weiter – es ist 16.30 Uhr und den Liard testen. 90 Kilometer sind wir ihn bisher gefahren, wunderbarer Straßenzustand, zwar Schotter, aber kein Gehoppel. Verkehr ist wirklich kaum, aber doch genug, dass man im Zweifelsfall Hilfe erhalten könnte. Wir finden ein wunderbares Plätzchen für die Nacht und freuen uns, dass alles so problemlos lief.

Tageskilometer:                 315 km

Fahrzeit:                               6 h 25 Min  

Durchschnittstempo:       46 km/h

Über Fort Liard bis Fort Nelson am Alaska Hwy #97

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Samstag, 30.Juli.2022

Unser Übernachtungsplätzchen war gut gewählt.

Wir fahren weiter Richtung Fort Liard. Bäume und Büsche links und rechts der Straße sind so hoch gewachsen, dass man kaum einen Blick auf die Berge erhaschen kann. Man fühlt sich ein bisschen wie hinter grünen Mauern.

Im Blackstone Territorial Park machen wir einen kurzen Stopp, nutzen das Internet im Visitorcenter, machen ein paar Fotos und flüchten dann schnell wieder vor den unzähligen Schnaken.

Cirka 20 Kilometer vor Fort Liard treffen wir auf eine größere Bisonherde mit Jungtieren. Bei 30 hören wir auf zu zählen. Diesmal sind es Kühe mit ihren Kälbern. Die Bullen sind oftmals Einzelgänger.

Fort Liard mit seinen 400 Einwohnen ist absolut unattraktiv. Wir erreichen es nach einem Abzweig von 5 Kilometern, weil wir tanken müssen. Das Visitorcenter, wo man angeblich wunderschöne Handwerkskunst der Aboriginals (so nennt man hier die Ureinwohnener) kaufen kann, ist geschlossen und sieht verkommen aus. Wir fahren noch zum Flussufer, wo der breite helle Liard River mit dem dunklen Petitot River zusammenfließt.

Dann wieder zurück auf den Hwy 7, auf dem jetzt eine lange Baustelle beginnt und man nur noch mit höchstens Tempo 30 km/h vorankommt. Immer wieder sehen wir Bisons am Straßenrand. 20 km vor der Grenze zu BC freuen wir uns dann über die Weiterfahrt auf Asphalt.

Einen Schwarzbären entdecken wir auch. Leider tappt er ziemlich eilig von uns weg und als das Tele aufgesetzt ist, ist der Bär fast weg.

Der kleine schwarze Rest von einem Bären

Wir wollen eigentlich auf dem Alaska Hwy nordwärts fahren, entscheiden uns dann aber für 30 Kilometer Umweg nach Süden, um in Fort Nelson noch einmal alles aufzufüllen und unser total verdrecktes Womo zu waschen.

Es gibt einen sehr hässlichen Campingplatz direkt am Hwy und viele Schilder, die Overnight Parking verbieten. In einem Wohngebiet finden wir beiden Senioren vor einem Seniorenheim ein Plätzchen am Straßenrand, wollen unseren Blog aktualisieren und – haben kein Internet. Shit happens.

Tageskilometer :                388 km

Fahrzeit :                              8 h 03 min

Durchschnitt:                      48 km/h

Auch am Visitorcenter ist das Internet so schnell, dass man zwischen dem Hochladen zweier Bilder eine tasse Kaffee trinken kann.

NWT Diamond and Jewellery Centre  –  Zurück bis Fort Providence am Mackenzie River

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Donnerstag, 28. Juli 2022

Bedeckter Himmel und leichter Sprühregen machen uns den Abschied von Yellowknife leichter -. der Name soll darauf zurückgehen, dass die hier lebenden Indianer kupferne = gelbe Messer benutzten, als die ersten Europäer hier eintrafen. Wir wollen aber vor der Abreise noch die jüngste hier aufblühende Industrie näher kennenlernen.

Nachdem die Goldvorkommen erschöpft waren, entdeckten Geologen in den hiesigen Gesteinsformationen etwas, was in und um die Diamantminen in Kimberley, Südafrika, bekannt wurde und Kimberlite genannt wurde. Diese Gesteinsart kann Diamanten enthalten. Also begann die Suche nach der Kimberlite-Ader, die sich auszubeuten lohnt. 300 km nördlich von Yellowknife – hier werden Entfernungen allgemein in Zeit angegeben, die man zu ihrer Überwindung braucht, d.h. die Mine ist 40 Flugminuten entfernt von Yellowknife- wurde man fündig und errichtete die Diavik Mine. Dort wird im Tagebau mit anschließender vollautomatischer Aufarbeitung und Sortierung das Kimberlite-Gestein abgebaut und auf dem durch einen großen kreisförmigen Damm trocken gelegten Boden eines Sees verarbeitet. Schweres Gerät und Vorräte können nur im Winter über sogenannte Eisstraßen auf Flüssen und Seen dorthin gebracht werden. Der angegliederte, für Boeing 737 nutzbare Flughafen ist nur für leichte Güter und Personal bestimmt. Es wird rund um die Uhr gearbeitet in 12 Stundenschichten und 14 Tage non stop, dann geht’s für 14 Tage nach Hause.

Mittlerweile ist Kanada der 5 größte Diamantenproduzent weltweit. Allerdings werden mehr als 50 % der Diamanten für die Industrie produziert.

Hier gibt’s mehr Infos dazu: https://www.iti.gov.nt.ca/en/mine-market

Dies wird uns von einer netten Dame im NWT Diamond and Jewellery Centre in der 49 Straße vorgestellt. Wir können uns aber zurückhalten und kaufen keine Diamanten, die übrigens alle eine bei starker Vergrößerung lesbare Kennnummer und ein Ahornblatt als Zertifizierungskennzeichen tragen.

Danach machen wir uns auf den Weg nach Süden zurück bis an den Mackenzie River auf den Fort Providence Territorial Campground. Diesmal sehen wir auf den 320 Kilometern nur 8 Bison Einzelgänger. Am Lagerfeuer mit Blick auf den Sonnenuntergang über dem Fluss schreiben wir diesen Blogeintrag.

Yellowknife

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Dienstag, 26. und Mittwoch 27. Juli 2022

Nach all der vielen Fahrerei ist jetzt mal eine Verschnaufpause angezeigt. Wir verlängern die Buchung auf insgesamt 3 Nächte und müssen dazu leider auf dem Platz umziehen – von #60 auf #63 – noch näher an den Strand. Mittags versuchen wir dann auch mal das Baden – ich komme an dem ganz flachen Sandstrand, an dem viele Kinder planschen und spritzen gerade mal bis zu den Knien ins Wasser, während Christiane es bis zum Schwimmen schafft.

Direkt vom Platz aus geht ein geologischer Lehrpfad „Prospector‘s Trail“ über eiszeitlich glattgeschliffene Felsen als Rundweg 4 km durch lichten Kiefernwald und ein Moor. Es gibt an der Rezeption zwar eine Broschüre zu dem Trail, aber unterwegs stehen nur Wegweiser und keine Erklärungstafeln. Trotzdem kann man interessante Entdeckungen machen, wie etwa den Hinweis auf ein Erdbeben durch den etwa 30 cm breiten Versatz in einer eingeschlossenen Quarzader. Überhaupt gilt der Grundsatz: Wenn eine Gesteinsschicht eine andere durchdringt, dann ist sie jünger als die durchdrungene. Ziemlich abrupt wechselt dann der Fels von schwarzem Diabas zu hellem Granit. Ein Sprung in der Geschichte von 100 Millionen Jahren, die der Granit jünger ist – sagt die Broschüre. Auch diejenigen, die sich mehr für Landschaft und Ausblicke interessieren, kommen auf dem Pfad auf ihre Kosten – einschließlich einer tollen Skyline von Yellowknife.

Anschließend fahren wir mit dem Roller noch einmal zum Farmer’s Market in die City.

Am Abend sitzen wir mit Bernard und Sophie vor unserem Womo am Lagerfeuer und philosophieren.

Das Wetter ist nicht mehr so toll und wir lassen es gemütlich angehen. Tanken, Einkaufen, Ver-, Entsorgen, Roller wieder einladen, und eine kleine Reparatur an der Eingangsstufe stehen auf der to-do-Liste.

Am Abend sitzen wir wieder mit Bernhard und Sophie an deren Stellplatz zusammen und beratschlagen ob wir gemeinsam den Liard Hwy versuchen wollen. Vom Nachbarplatz, den man nicht einsehen kann ertönen, laute Stimmen. Erst halten wir es für Kindergeschrei, dann klingt es mehr nach Streit unter Erwachsenen. Unter lauten Worten wird eine Autotür zugeknallt, das Auto gestartet und dann rast es mit maximaler Beschleunigung an der Einfahrt zu Bernhards Parkbucht vorbei .50 Meter weiter, der Weg macht eine Linkskurve fährt es geradeaus weiter und kracht durch Gebüsch einen Abhang hinunter.

Wir stürmen hin. In der Furcht, das Auto könnte Feuer fangen, zerren Bernhard und ich eine junge Frau der indigenen Bevölkerung aus dem Fahrzeug. Sie war nicht angeschnallt, aber zum Glück haben Airbags, die jetzt die Bergung erschweren, wohl das Schlimmste verhindert. Sophie ruft die Polizei und Rettung herbei – 911 – ist hier in Kanada die Notrufnummer.

Die Frau macht einen verwirrten Eindruck – Alkohol ? – Drogen? Sie steht auf , taumelt, beschimpft uns und will uns fortjagen. Derweil sieht Bernard nach der zurückgebliebenen Frau auf dem Zeltplatz, die wohl in einem ähnlichen Geistes-Zustand ist.

Das Notfallmanagement ist grandios und es dauert kein 10 Minuten bis 3 Polizeiautos mit 6 Polizisten und kurz darauf auch ein Krankenwagen eintreffen. Wenig später kommt auch ein Abschleppauto und ein Angestellter des Parks räumt die Campingstelle ab.

Wir werden die Folgestrecke wohl doch nicht gemeinsam angehen, denn Bernrad und Sophie sind RV Neulinge und ihr Auto verfügt nicht über einen Ersatzreifen oder Wagenheber und da wollen sie lieber den 1800 km langen Weg zurück und den Alaska Hwy hinauf nach Fort Nelson nehmen, als die 1000 km kürzere Strecke einschließlich Gravel Road.

Tierreich

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Montag, 25. Juli 2022

Wir starten heute früher in der Hoffnung, mehr Tiere zu sehen. Und schon nach kurzer Zeit treffen wir auf einen einsamen Waldbison am Straßenrand. Nur wenige Kilometer weiter grast eine Herde von 12 Tieren. Interessiert schauen wir zu, wie zwei Bullen ihre „Frauen“ eifersüchtig von den anderen abschirmen.

Auf der Straße haltend beobachten wir dieses Szenario eine ganze Weile, kein einziges Auto kommt entgegen oder überholt.

Immer wieder tauchen kleine Gruppen von Bisons auf. Laut Reiseführer streifen in diesem Areal mittlerweile rund 2000 Tiere umher.

100 Kilometer vor Yellowknife verändert sich die Landschaft. Es wir hügeliger und kurviger, rote Granitfelsen erinnern an die skandinavische Schärenlandschaft. Jürgen entdeckt einen Schwarzbären wenige Meter neben dem Auto, doch als ich zurückfahre, verbschiedet er sich gerade ins Gebüsch.

Scheuer kleiner Schwarzbär

Wir machen eine Mittagsrast am Nort arm Park Day Area, direkt am Sklavensee

Am Nachmittag erreichen wir den Fred Henne Territorial Campground in unmittelbarer Nähe zum Flughafen, 3 Kilometer vor Yellowknife. Wir checken ein, packen den Roller aus und wollen ins Städtchen fahren, da treffen wir an der Rezeption auf ein bekanntes Wohnmobil: Gerade sind Bernhard und Sophie, die wir an meinem Geburtstag im Elk Island National Park kennen gelernt haben, hier angekommen. Sie haben einen Steinschlagschaden an der Windschutzscheibe und hoffen, dass er morgen repariert werden kann.

Man erkennt schnell, dass Yellowknife – seit 1967 Hauptstadt der North-West-Territories, eine erst im 20. Jahrhundert entstandene „Neustadt“ ist. Ältere Siedlungsteile findet man kaum, genauso wenig ein Zentrum. Sein wirtschaftlicher Aufschwung begann mit Goldminen in der Umgebung. Inzwischen sind auch Diamantminen hinzugekommen. Hübsch sind die schwimmenden Häuser auf dem See.

Bei unserer Rundfahrt entdecken wir ein uriges Lokal, an dem außen ein Messingschild hängt und es als ältestes Gebäude von Yellowknife (1937) ausweist. Dort kehren wir ein und essen gut zu Abend.

Um 21.30 Uhr sitzen wir am Lagerfeuer, die Sonne scheint und obwohl Mittsommer schon längst vorüber ist, wird es hier oben nicht dunkel.

Auf dem Yellowknife Hwy – von Hay River bis Cham Lake Territorial Park Day Use Area

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Sonntag, 24. Juli 2022

Wider Erwarten war die Nacht ruhig – kein Zug, kaum Verkehr. Wir haben gut geschlafen. Nach dem Frühstück fahren wir 7 km bis zum Sklavensee. Der Campground im Territorial Park gefällt uns gut. Wir parken und laufen ein paar Schritte zum Strand, wenn man das so nennen kann. Sand ist genug da, aber Treibgut in Unmengen versperrt den Zugang zum See.

Wir fahren zurück in den Ort, tanken noch einmal voll und dann müssen wir 34 km zurück nach Enterprise. Der Abstecher nach Hay River hat sich unserer Meinung nach nicht gelohnt.

Die 440 Kilometer nach Fort Smith (one way) schenken wir uns, auch wenn die Straße inzwischen asphaltiert ist.

Ab Enterprise geht es dann auf der #1 weiter nach Yellowknife. Zunächst geleitet uns das Safetycar , das hier Pilotcar genannt wird, mehrere Kilometer durch eine Baustelle. Dann ist die Straße wieder asphaltiert und wir dürfen ohne Geleitschutz weiter. Nach 105 km verlassen wir die #1, die später als Liard Hwy weitergeht und halten uns rechts auf die #3 (Yellowknife Hwy). Doch schon nach 10 Metern taucht das rote Schild „Construction“ auf und 30 Kilometer übelste Gravelroad beginnen. Eine Stunde brauchen wir und unser Auto sieht furchtbar aus. 20 bis 40 km/h Maximalgeschwindigkeit sind möglich. Man ist erstaunt, wenn man sieht, mit welchem Tempo die Einheimischen in ihren Pickups und Lkws hier entlangschmettern. Bei diesem Fahrstiel könnten wir uns die Rückverschiffung sparen.

Über den Mackenzie führt seit 2012 eine 30 Meter hohe, 1100 Meter lange Brücke – Deh Cho genannt. Vorher musste man mit einer Fähre übersetzen oder im Winter über das Eis fahren – aber im Herbst, bevor das Eis fest genug war oder im Frühjahr, wenn es schmolz und sich Eisschollen hoch auftürmten – ging nichts.

Hinter der Brücke beginnt das Mackenzie-Bison-Sanctuary. Und tatsächlich – bald finden wir 4 grasende Tiere direkt am Hwy. Um kurz vor 18 Uhr machen wir den Motor in der Cham Lake Territorial Park Day Use Area aus und funktionieren sie kuzerhand um in eine „Night-Use-Area“.

Von Fort Vermilion nach Hay River am Großen Sklavensee- Hwy 35

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Samstag, 23.Juli 2022

Unser Schlafplätzchen vor dem Museum ist wirklich sehr zu empfehlen: Ruhig, eben, gutes Internet (nicht Wifi) und obendrein eine Dump-Station.

Die Straße nach High Level – 80 km Entfernung -, die #88 erweist sich in den ersten 70 Kilometern als Katastrophe. Es gibt keine Chance, das beständige Babam – Babam der Schwellen und das Badadada der Schlaglöcher zu vermeiden. Mit 40 km/h max.verzweifelt Christiane am Steuer, dann löse ich sie ab.

Wir müssten zurück auf der #35, um durch High Level zu kommen, bleiben aber nur am Ortsrand für Tanken und Kleinigkeiten einzukaufen. Hier gibt es alles.

Auf der Weiterfahrt wird es zunehmend leerer auf der Straße # 35, die sich gut fahren lässt, aber weder landschaftlich noch von der Vegetation her ein Genuss ist und die gesichtete Tierwelt beschränkt sich mal wieder auf Insekten auf der Windschutzscheibe. Positiv zu bemerken ist, dass es fast durchgehend Internetverbindung gibt.

Kurz vor dem 60. Breitengrad, der Grenze zwischen Alberta und den North-West-Territories legen wir eine Gedenkminute ein für den 10.000 Kilometer, den wir jetzt schon in Kanada gefahren sind.

Am Visitorcenter der Grenze lassen wir uns ein Zertifikat ausstellen und nehmen Infomaterial mit.

Einen kurzen Fotostop später, vor Enterprise an den beeindruckenden Alexandra Falls des Hay Rivers und noch eine staubige Baustelle später, nehmen wir nicht den Abzweig links direkt nach Yellowknife, sondern fahren 38 km weiter bis zum Städtchen Hay River.

Nach 392 Tageskilometern in 6 Stunden 7 Minuten Autofahrt kommen wir mit blanken Nerven im Regen an und lassen am erstbesten freien Platz das Steuer aus der Hand fallen. Wenn wir die Jalousien schließen, sieht jeder Platz von innen eh gleich aus.

Wir freuen uns auf die Nacht. Haben wir doch schon deutlich gehört, dass die Schienen, die wir unterwegs  mehrfach kreuzten, auch befahren werden.

Auf dem Mackenzie Hwy #35 – entlang des Peace River

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Freitag, 22. Juli 2022

Wir haben uns bislang immer über zu wenig Tierbegegnungen beschwert. Das ist aber nicht berechtigt, zumindest dann nicht, wenn man sich die Windschutzscheibe und Frontseite des Autos anschaut. Eine Viertelstunde lang bin ich vor demStart damit beschäftigt, alle Insektenleichen zu beseitigen und wieder freie Sicht zu schaffen. Am Dörfchen Peace River finden wir bei der Durch-, Vorbeifahrt nichts Interessantes. Die Brücke wird erneuert.  Auf der westlichen Uferseite liegen noch 2 Campingplätze und auf der Uferhochfläche ein Einkaufszentrum und Tankstelle mit Propan, wo wir nochmal unseren Energievorrat auffüllen.

Die Zeiten des großen Abenteuers sind zumindest für unseren  heutigen, den südlichen Abschnitt des Hwy 35 vorbei. Der Verkehr ist wenig bis mäßig und Getreide und Maisfelder begleiten den Hwy mindestens ebenso oft wie Espen- und Fichtenwäldchen. Das Dörfchen Mannings unterwegs wirkt sehr gepflegt und hat wohl alles zu bieten, was Wohnmobilisten brauchen.

Wir wollen Fort Vermilion besuchen und fahren ab auf die 697 nach Osten. Am Peace River bringt uns eine Katamaranfähre, bei der das Autodeck quer zur Achse der Katamaranrümpfe verbaut ist, ans andere Ufer. Als wir in der Warteschlange sehen, welch riesige Laster sie auf unsere Seite rüberbringt, fassen wir Vertrauen und lassen uns übersetzen. Beim Runterfahren setzen wir ein wenig mit den Ablaufrollen im Kiesboden auf, aber dabei entsteht kein Schaden.

Weiter geht es auf der anderen Seite durch einen vor Jahren brandgeschädigten Wald, der dabei ist, sich zu erholen und durch Rapsfelder, die schon teilweise verblüht sind und Schoten tragen. Das liegt daran, dass hier am 58 Breitengrad die Tage deutlich länger sind, was die Pflanzen schneller reifen lässt.

Gegen 18 Uhr erreichen wir Fort Vermillon, die zweitälteste Ansiedlung in Alberta, 1788 von Pelzjägern im Dienst der North West Company gegründet.

Ein sehr netter junger Mann im örtlichen Museum freut sich so über unseren Besuch, dass er gerne Überstunden macht und uns eine Führung durch das kleine, aber sehr geschickt präsentierte Museum gibt.

Selbstverständlich sei es uns erlaubt, auf dem Platz vor der Sport-und Museumshalle zu übernachten. Später kommt er noch einmal zum Womo und bringt uns Saskatoon Beeren und lädt uns zum Selberpflücken ein – was uns einige Schnakenstiche beschert. Saskatoonbeeren sehen aus und schmecken wie Heidelbeeren, wachsen aber an 2-3 Meter hohen Büschen, deren Laub an Erlenblätter erinnert, daher der deutsche Name „erlenblättrige Felsenbirne“. Sakatoonbeeren sind neben Trockenfleisch und Tierfett ein Bestandteil des traditionellen Reiseproviantes der Indianer: Pemmican.