Highway # 11 – wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen

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Mittwoch, 07. September 2022

Beim Dumpen stellen wir fest, dass der linke äußere Hinterradreifen etwas schlapp aussieht. Also Luftpumpe rausholen und pumpen, pumpen, bis der Schweiß rinnt. Nee, nicht wirklich! Für solche Fälle haben wir gottlob einen Kompressor dabei, der die anstrengende Arbeit per Knopfdruck über die Batterien erledigt. Bald ist der Reifen wieder dick und rund und die anderen fünf sind auch überprüft.

Dann geht’s außen um Thunderbay herum. An einem Walmart wollen wir unser Sprudelwasser nachkaufen, das es in USA nirgends zu vernünftigen Preisen gab. Dort waren die Regale gepfropft voll mit zuckerhaltigen Getränken und anderem ungesunden Zeug.

Doch auch hier scheint der Wassernotstand ausgebrochen, nicht eine einzige Flasche ist zu finden. Gegenüber im Safeway immerhin noch 6 – die sind jetzt uns.

Für die Weiterreise nach Osten wollen wir nicht die gleiche Strecke wählen, auf der wir gekommen sind, sondern entscheiden uns für die Nordroute über den als „Transcanada Hwy“ ausgewiesenen Hwy #11.

Die Strecke ist landschaftlich ungeheuer reizvoll mit vielen Seen und rechter Hand bis zu 170 Meter hohen Diabas Felswänden. Die ersten Laubverfärbungen haben bereits vorsichtig begonnen.

Viele LKW sind auf dieser Strecke, die in den ersten 50 Kilometern recht holprig ist, aber dann besser wird und uns ein rasches Vorankommen ermöglicht. Ortschaften gibt es hier kaum, auch weit und breit keinen Campingplatz und an den wenigen Parkplätzen stehen Übernachtungsverbotsschilder. Noch vor ein paar Tagen hätten wir uns dann halt unbesorgt in einen Waldweg gestellt und dort übernachtet. Doch es ist Land der „First-Nations“, wie man die Indianer hier auch gerne umschreibt.

Nachdem vor einigen Tagen auch durch die deutsche Presse ging, dass zwei Brüder, „ indigenious people“ – eine weitere Umschreibung neben „ Aboriginals“, in Saskatchewan 10 Leute ermordeten und 18 weitere verletzten, haben wir plötzlich ein mulmiges Gefühl, einfach „wild“ stehen zu bleiben. Im Hinterkopf schwirren einfach Assoziationen mit, dass es „Verrückte“ auch hier in der Einsamkeit geben könnte.

Auf keinen Fall wollen wir die First-Nations diskriminieren und als gewalttätig darstellen. Tatsache ist aber, dass sie hier die unterprivilegierte Schicht sind, die kaum Zukunftsperspektiven sieht und sich deshalb oft schon früh im Leben harten Drogen und Alkohol zuwendet, die Seele und Körper zerstören. Hinzu kommt und deswegen war Anfang August 2022 der Papst in Kanada, um sich zu entschuldigen, dass es im 20 Jahrhundert staatliche Programme der Zwangsassimilation gab, durch die Indianerkinder der familiären Gemeinschaft mit Gewalt entrissen wurden, um sie in meist kirchlichen Internaten zu guten Kanadiern umzuerziehen Zahlreiche Kinder kamen dabei ums Leben.(Gräberfunde in Kamloops).

Deshalb sind wir heilfroh, als wir im MacLeon Provincial Park nach 293 km oder 4h24‘ einen wunderschönen Stellplatz am See finden.

Im späten Nachmittagssonnenlicht gehen wir erst einmal schwimmen und lassen uns dann aufwärmen.

Back to Canada

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Dienstag, 6. September 2022

Das Plätzchen am Mississippi ist sehr schön, aber der Geräuschpegel der vorbeiführenden Einfallsstraße # 2 hat unseren Schlaf doch beeinträchtigt.

Als wir startklar sind, ist es gegen 10 Uhr. Wir verlassen bald danach die #2 und steuern über kleine Holpersträßchen – padam, padam, padam, padam, alle 100 Fuß eine Querrille – direkt westwärts auf den Lake Superior zu, den wir bei Silver Bay erreichen. Ab hier geht es nordwärts auf dem Hwy #61 Richtung Thunderbay, Ontario, Kanada. Die Strecke führt größtenteils direkt am See entlang mit schönen Aussichten und hübschen Ferienhäuschen am Wasser.

Die letzte gute Gelegenheit, sich noch einmal mit Diesel für unter 5 $ / Gal sowie im amerikanischen Liquor Store einzudecken, besteht in „Grand Marais“.

Danach durchfährt man keine größeren Ansiedlungen mehr. Einen schönen Aussichtspunkt auf den Lake Superior gibt es aber noch, den man nicht verpassen sollte zum Abschied aus den USA.

An der Grenze geht es dann uninteressiert zu, was die Ausreise aus den USA betrifft. „Last turnover before border“ steht vor dem Gebäude, an dem die Einreise abgewickelt wird, aber auf unserer Ausreiseseite steht niemand, ist kein Eingang, ist nichts.

100 Meter weiter an der Pigeon Bridge über das gleichnamige Flüsschen, das die Grenze bildet, werden wir angenehm freundlich vom einem kanadischen Grenzer begrüßt: „Hey guys, what‘s your plan for Canada? Passports please?“

Mit dem Eingeben des Passes taucht auf seinem Bildschirm auch gleich auf, dass wir brav das „ArriveCan-Formular“ ausgefüllt haben. Ob das ein in USA zugelassenes Womo sei? „Nein – ein deutsches.“ – „Ok – soll es in Canada überwintern?“ „Nein wir verschiffen es im Oktober zurück nach Deutschland und unser Heimflug ist auch schon auf den 4. 10. terminiert“ „Travel save and enjoy Canada“. So kann Einreise auch gehen !

Wir erinnern uns, dass wir am Fort William, Historical Site, im Gebiet von Thunderbay schon einmal ganz gut auf der Hinreise campiert haben und steuern diesen Platz wieder an. Diesmal im Sonnenschein und – nach dem Grenzübertritt auch schon wieder in einer neuen Zeitzone, dieser Tag hatte für uns nur 23 Stunden – wir schreiben uns für den Campground ein (Selfregistration im Visistorcenter).

Labor-Day

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Montag, 05. September 2022

In der Nacht zieht ein Gewitter mit Regen und Hagel über uns hinweg. Als wir aufstehen, hat es deutlich abgekühlt. Bis 10 Uhr ist es auf der Straße gespenstig ruhig, kaum ein Auto ist unterwegs. Feiertag ! Die Amerikaner und Kanadier feiern heute ihren Labor-Day, das Pendant zu unserem 1. – Mai Feiertag. Seit 1894 wird er in beiden Staaten immer am ersten Montag im September gefeiert.

In Minnesota wird die Landschaft wieder interessanter und grüner. Bis Bemiji ist die #2 sogar 4-spurig ausgebaut. Bliese nicht ein starker Gegenwind, kämen wir noch flotter voran.

Auf einem kleinen Campingplatz am Mississippi-River kurz vor Grand Rapids finden wir unser heutiges Nachtquartier: „Pokegama Dam Campground“, ein bundesstaatlicher Platz, der telefonisch oder per Internet gebucht werden muss über die Website www.recreation.gov . Bei uns hat es noch vor Ort geklappt, liegt direkt an Bahngleisen, die aber wenig frequentiert sind.

Es empfiehlt sich, einen Account auf dieser Webseite evtl. schon zu Hause anzulegen – wir haben den Account angelegt, als wir in Hyder- Alaska das Permit für die Bären/Lachse-Beobachtung gebucht haben.

Wir hoffen, morgen wieder bei Thunderbird in Kanada einzureisen – jedenfalls haben wir das so auf der kanadischen Covid-Internetseite www.arrivecan.ca eingetragen. Von Hyder (USA) nach Stewart (Kanada) zurück war die erste und wichtigste Frage die nach der arrivecan.

Übrigens haben wir auch heute telefonisch mit Seabridge festgemacht, dass unser Womo am 09.10. wieder ab Halifax in See stechen soll Richtung Hamburg. Eine Querverschiffung nach Südafrika bietet Seabridge noch immer nicht an. Das soll dann so ablaufen: Auto am 4.10 im Hafen abliefern – mit dem Taxi zum Flughafen und um 22 Uhr Start nach FRA. Landung 9.45 Uhr am 5. Oktober 2022.

Richtung Osten – Nichts Neues

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Sonntag, 04. September 2022

Heute sind wir wirklich früh, um 8.30 Uhr schon wieder auf der #2. Die Strecke ist genauso eintönig wie gestern, wir wechseln uns circa stündlich beim Fahren ab

und sind nach 597 Kilometern und 7h 56‘ Fahrzeit in dem kleinen Ort Towner angekommen. Die Gemeinde stellt hier neben dem Sportplatz einen kostenlosen Campingplatz in einem kleinen Park zur Verfügung – gegen eine Spende in die „Donation-Box“ kann man sich sogar an Strom anschließen (30A).

Früh sind wir aufgebrochen, aber spät angekommen, denn wir haben in North Dakota wieder die Zeitzone gewechselt. Die Heimat ist uns nur noch 7 Stunden voraus.

Tageskilometer : 597 km

Fahrzeit : 7h 56‘

483 km Hitze

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Samstag, 03. September 2022

Obwohl wir eigentlich früh starten wollten, ist es doch wieder 10 Uhr, bis wir wieder auf dem Highway #2 sind. Wir machen einen Fehler und fahren nach Süden, um nach Browning zu gelangen und müssen so etwa 15km „Construction“ = Gravelroad bewältigen. Es wäre besser gewesen etwa 10 km nach Norden zu fahren und dann noch Osten auf Browning zu.

Die Strecke ist durchwegs 2 – spurig und ab Browning sind wir dann auch hier in der eintönigen Prärie, die uns den ganzen Tag begleitet. Rinderfarmen und unendliche abgeerntete Getreidefelder säumen die Strecke, neben der auch eine eingleisige Bahnlinie läuft. Alle paar Meilen stehen Getreide-Verladesilos am Gleis. Wir halten zweimal an für Einkäufe und zum Tanken, zuletzt in Havre, wo es auch einen Walmart gibt, der zwar lizensiert ist für Alkoholverkauf aber Sprudelwasser nur als kleine Perrier-Fläschchen zu Apothekerpreisen kennt.

Unser Womo schlägt sich tapfer mit 100 km durch die Hügel, wobei streckenweise der Kühlerelektroventilator ganz schön stöhnt, zumal auch noch der Wärmetauscher der Klimaanlage zu kühlen ist, denn hier sind es über 100° – Fahrenheit natürlich.

Um 17.30 Uhr steuern wir etwa 1/2 Stunde hinter Malta die „Nelson Reservoir State Recreation Ärea mit kostenlosem Campground am gleichnamigen Stausee an. Zu unserer Recreation hilft eine frische Brise und ein gut gekühltes Budweiser.

Wir sollten morgen besser noch viel früher starten und dafür eine Siesta einlegen.

Wandern – St. Mary Falls und Virginia Falls

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Freitag, 2. September 2022

Als besonders schön ist im Reiseführer die Wanderung zu den St Mary Falls und Virginia Falls angegeben. Wir haben um einen Tag verlängert und uns vom Campinghost ein Permit für das Befahren der Going to the Sun Road besorgt.

Auf halber Strecke zur Passhöhe ist der Trailhead – Einstieg zum Wanderweg. Der Parkplatz ist gepfropft voll, kein Problem für Rollerfahrer, aber es zeigt uns, dass der Reiseführer wohl recht hat und wir nicht allein sein werden.

Das erste Stück Weg ist unattraktiv, führt abwärts durch im Jahr 2015 verkohlte Baumstümpfe und ohne Schatten entlang von roten Steinschichten. Bis zu den St. Mary Falls bleibt es so, und von weiteren Haltestellen der Shuttlebusse kommen auf Pfaden Wanderer hinzu. Die meisten sind in unserem Alter und auch in geführten Gruppen, aber es sind auch einige Familien mit kleinen Kindern dabei.

Unterhalb der St. Mary Falls gibt es tiefe Gumpen und reichlich Absolventen für Mutproben, in das kalte Wasser zu springen.

Jetzt steigt der Weg auf der anderen Seite des St. Mary Rivers wieder an, hier hat das Feuer nicht gewütet und wir laufen im Wald. Linker Hand von uns begleitet uns in Kaskaden der Virginia Creek, der mit seinen tiefroten Felsböden immer wieder zum Verschnaufen, Füße- und Sonnenbaden einlädt. Auch der Blumenbewuchs und Schmetterlinge erfreuen uns.

Nach 3 Kilometern sind wir am Ziel und stehen am Fuß eines etwa 20 Meter hohen Wasserfalls.

Wir verweilen nicht sehr lange, machen auf dem Rückweg an einsamerer Stelle noch ein Picknick und wollen dann noch einmal, da es erst 3 Uhr ist, mit dem Roller zu dem nördlicheren Parkeingang „Many Glaciers“ fahren. Nach rund 30 Kilometern, kurz hinter dem Parkeingang, brechen wir das Vorhaben ab, da hier eine recht frequentierte Gravelroad beginnt und wir nicht gewillt sind, ständig Staub zu schlucken. Ein Sonnenbad am Camping wäre erquicklicher gewesen.

Trotz des wunderbaren Wetters und der tollen Landschaft wollen wir morgen einen Fahrtag einlegen und versuchen eine möglichst große Strecke auf dem Us Hwy 2 ostwärts zu kommen.

Glacier Nationalpark, Montana USA

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Donnerstag, 1. September 2022

Jetzt sind wir schon 3 Monate unterwegs und haben heute ein weiteres Highlight erlebt.

Der Glacier Nationalpark ist die Fortsetzung des kanadischen Waterton-NP in den USA. Beide zusammen nennen sich Peace Nationalpark und vor dem Visitorcenter am Logan Pass wehen denn auch beide Fahnen – USA und Kanada.

Die hochgepriesene „Going to the Sun Road“ wird von einem Kontrollposten bewacht. Wir hätten eigentlich eine Bestätigung des Campgrounds gebraucht, aber es gibt auch nette (weibliche) Officer, diese informiert uns nur und lässt uns mit dem Roller dann durch mit dem Hinweis, dass es schwierig sein könnte, wenn wir auf der Gegenseite aus dem Park rausfahren und dann wieder reinfahren wollten. Die Ausblicke während der Fahrt sind atemberaubend und wir machen viele Fotos.

Auf der Passhöhe (2025 Meter über NN) ist das Visitorcenter, wo wir anhalten und spontan eine tolle Wanderung etwa 5 km hin- und zurück (260 HM – Gain 780 FT) zum „Hidden Lake“ machen. Es geht über noch wunderschön blühende Bergwiesen mit Enzian, Paintbrush, etc. etc..

Mehrfach werden wir – wohl weil wir uns in Deutsch unterhalten – angesprochen, wo wir denn herkämen und haben nette Gespräche mit anderen Wanderen, die schon mal in Deutschland waren oder sogar von Kindern berichten, die in D leben.

Auf der Westseite fahren wir dann den Pass hinab bis zum Mc Donald Lake und sehen einen großen Schwarzbären am Flussufer, der sein Beerenlunch genießt und sich sogar auf die Hinterbeine aufrichtet – „die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere…“.

Bei den Fotostopps erregen wir die Aufmerksamkeit von Bikern großer Maschinen, die es kaum glauben wollen, dass unser Roller in der Womo-Garage mitfährt und nicht auf einem Trailer. Heute hat er uns 130 km weit über die Berge getragen.

Besser als Worte, erzählen viele Bilder von unserem schönen Tag.

Einreise in die USA – Glacier Nationalpark

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Mittwoch, 31. August 2022

Sonnenschein, 18°C, einen See vor der Womotüre – heute ist alles anders. Unmittelbar nach dem Aufstehen springen wir in den See und schwimmen eine Runde. Hui, das erfrischt, macht wach und hungrig. Zum ersten Mal auf dieser Reise frühstücken wir draußen. Zur großen Freude ist hier „Checkout“ erst um 14 Uhr. So können wir den Platz noch eine Weile genießen und auch unseren Blog weiterschreiben. Hier ließe es sich sicher gut noch eine Weile aushalten; nochmal danke an den lieben Müllmann, dessen Namen wir noch nicht einmal kennen.

Bis zur Grenze der USA ist es nicht mehr weit und um 15 Uhr passieren wir das kanadische Grenzgebäude  😊kana da😊– „stopping not requested“ stand auf dem Schild.

Wenige Meter weiter die amerikanischen Grenzer: Eigentlich, laut Schild, sollten wir als größeres Wohnmobil die LKW Spur benutzen, doch eine Officer*in, die gerade einen LKW abfertigt, weist uns mit ausgestrecktem Zeigefinger ohne sich umzudrehen in die PKW Spur.

„Have you been in the US in the last 90 days?“ Diese Frage ist wichtig, denn falls nein, braucht man entweder ein Visum oder eine kostenpflichtige Einreisegenehmigung ( 6 US $ p. P.), die wiederum eine Online – ESTA Genehmigung zur Voraussetzung hat, die aber an der Grenze niemand sehen will, weil bei der Eingabe der Passdaten ohnehin für den Zöllner aufpoppt, ob eine ESTA vorliegt oder nicht. Dann noch Fragen zu Firewood und Früchten und Paprika oder Tomaten. Ich beantworte wahrheitsgemäß, noch Feuerholzreste zu haben und verneine den Rest. Das muss er in Augenschein nehmen, was Reste bedeutet. „No, that’s too much, bring it back to Canada and than come back again“. Also eine Ehrenrunde zurück auf die kanadische Seite. Dort steht ein großer Container mit der Aufschrift „Bring no Firewood to Alberta“, denn auch die Kanadier wollen kein amerikanisches Feuerholz ins Land gebracht haben. Wir dürfen trotzdem dort hinein entsorgen. Zwischendurch kommen schon Erinnerungen an Tom Hanks auf, der in dem Film „Terminal“ im Niemandsland festsitzt. Es wäre interessant zu erfahren, wie dieser Sondermüll entsorgt wird, bzw. wer damit im Winter seine Hütte heizt. Zurück um das Gebäude herum auf der Ausreiseseite und wieder zur US Einreise. Erneut die Frage, welche Spur, der LKW ist abgefertigt? Da winkt aus dem Fenster am Ende der PKW-Spur eine lockende Hand.

Jetzt sitzt da ein anderer Officer, dem erzähle ich, dass ich wegen Firewood zurückgeschickt worden sei und jetzt erneut die Einreise begehre. Er behält die Pässe und heißt uns, um die Ecke zu parken und dann durch die Haupttüre in das Gebäude zu kommen. Dort ist außer uns und einer telefonierenden Officerin niemand. Wir werden der Reihe nach fotografiert, die Fingerabdrücke der 4 Finger rechts, Daumen extra, dann links, werden genommen. Christiane muss die dunkle Sonnenbrille abnehmen und ist genervt, was der Lady nicht entgeht und sie fragt, warum? „I like formalities“, ist Christianes Antwort. Ich ergänze noch, dass dies alles schon einmal bei der Einreise nach Alaska vor 6 Jahren als Akte erfasst wurde und ich nicht verstehen könne, warum das alles nun wiederholt werden müsse und scheinbar eine neue Akte angelegt würde.

Da könnte ja jemand mit einem falschen Pass und Gesichts-OP versuchen, in die USA einzureisen, deswegen sei die Überprüfung der Fingerabdrücke wichtig, denn falls der Computer hier eine Abweichung registriere, käme sofort die geballte Staatsgewalt von hinten angeschossen. Es gäbe so viele Leute, die unbedingt in den USA leben wollten, fügt sie erklärend hinzu. Die Mehrdeutigkeit unserer Antwort, dass wir unser Heimatland Germany lieben und ganz bestimmt nicht in den USA bleiben wollen, entgeht ihr zum Glück.

Wir bezahlen 12 $ und dürfen ohne weitere Kontrollen des Autos einreisen. Ungläubig frage ich nach, was wir jetzt noch machen müssten. „Nothing, safe travel“.

2o Kilometer hinter der Grenze, in dem Ort St. Mary, beginnt der Weg in den Glacier NP – die „Going to the Sun Road“ – 50 mi quer (Ost-West) durch den Park.

Wir informieren uns im Visitor-Center. Die Straße ist für Autos über 21 Fuß Länge – wir haben 26 Fuß – gesperrt, dafür gibt es kostenlose Shuttlebusse auf dieser 50 Meilen Strecke, die bei allen interessanten Stellen und Wanderparkplätzen anhalten.

Das Parkgrenzhäuschen ist nicht mehr besetzt und wir finden gleich dahinter auf dem St. Mary-Campground mit Self Registration für 20 US$ unser Quartier für die nächsten 2 Nächte.

Waterton Lake National Park

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Montag, 29. August und Dienstag, 30. August 2022

Bevor wir weiterreisen, statten wir den Painted Turtels noch einen Besuch ab. Wir haben sie beim Sonnenbad erwischt.

Auf dem Hwy # 3 fahren wir weiter bis zum Waterton Lake National Park mit teils spektakulären Aussichten auf die Rockies und einem Erdrutsch nach einem Grubenunglück (https://en.wikipedia.org/wiki/Hillcrest_mine_disaster)

Im Park angekommen versuchen wir, auf dem riesigen, zentralen Townsite Camping (238 Plätze) unterzukommen. Es ist ca. 14.30 Uhr und viele Parzellen sind leer. Eine unfreundliche, junge, schnöselige Rezeptionisten weist uns jedoch ab und drückt uns einen Zettel in die Hand mit einer Liste von Campgrounds außerhalb des Parks. Im Reiseführer finden wir zwei weitere Campgrounds innerhalb des Parks, die steuern wir an, doch sie sind außer Betrieb. Der Crandell Mountain Campground vermutlich wegen eines Feuers vor wenigen Jahren und der Gefahr von umstürzenden Bäumen. Beim zweiten Platz, direkt am Bach gelegen, erschließt sich uns kein Grund warum hier „Zelten verboten“ Schilder aufgestellt sind.

Wir wollen bleiben, denn wir zelten ja nicht, doch während wir uns einrichten, fährt ein Müllauto auf den Platz. Der Fahrer steigt aus, kommt auf uns zu und begrüßt uns mit „Moin,moin“. Was denn LM auf unserem Kennzeichen bedeute, fragt er in Englisch und ob wir hier übernachten wollten. Als Kind hat er in Soest in Westfahlen gelebt. Hier übernachten könne teuer werden – aber er wisse einen weiteren Campingplatz im Nationalpark, Belly River, etwa 30 Min. oder 17 km von hier südwärts, Richtung Border zur USA an dem Hwy #6. Na prima – da wollen wir doch als nächstes hin. Doch, so informiert er uns weiter, diese Grenze sei seit Corona geschlossen und noch nicht wieder geöffnet.

Wir übernachten trotzdem am Belly River für 16,75 CAD mit self registration und bedauern es nicht. Abends sitzen wir draußen und bewundern den Sternenhimmel, den man ohne Kunstlicht wunderbar studieren kann.

Am nächsten Morgen fahren wir wieder zurück nach Waterton Townsite.

Dieselbe Unperson hat wieder Dienst an der Rezeption und ihre Motivation und Arbeitseinstellung von gestern hat sie auch wieder mitgebracht. So erfahren wir also um 11 Uhr (= Checkout time) wieder eine Abfuhr. Dabei glaube ich ihr sogar, dass sie unfähig ist zum überblicken, wieviele Plätze frei geworden sind.

Wir parken am See auf einem öffentlichen Parkplatz neben dem Camping und machen die „Bertha Falls“ Wanderung, etwa 8 km hin und zurück ,mit tollen Aussichten auf den See und das Hotel Prince of Wales (Zimmer ab 259 CAD).

Wir zahlen heute 24 CAD für unseren Superplatz direkt am See und mit atemberaubender Aussicht auf den Sonnenuntergang über den Rockies.

Am Nachmittag fahren wir mit dem Roller 17 km zum Cameron Lake durch die Skelette abgestorbener Bäume nach dem letzten Waldbrand. Es sieht traurig aus. Der See ist recht hübsch und die Bäume unmittelbar am Wasser stehen noch, aber die weiter von der Wasserlinie entfernten Bäume bis hinauf zu den Bergrücken sind alle tot und verbrannt.

Auf dem Rückweg, am Parkplatz zum Denkmal der ersten erfolgreichen Ölbohrung im Westen Kanadas,

begegnen wir wieder unserem Müllmann von gestern. Artig bedanken wir uns für den guten Tipp für den Belly River Campground. Dem Aussehen nach würde man ihn bei uns vielleicht der Obdachlosenszene zuordnen, aber im Gespräch wird deutlich, dass er sich für Natur und Geologie interessiert und seine Umgebung sehr gut kennt. Auch er freut sich, uns wieder zu treffen und nach dem Abschied, er fährt voraus, hält er noch einmal an, wartet, bis wir mit dem Roller beikommen und hat dann noch zwei weitere Übernachtungstipps für den heutigen Abend für uns. Dazu ruft er extra zu Hause an, weil ihm der Name eines der beiden Provincialparks entfallen ist.

Solche Begegnungen wiegen den Frust mit der Tussy am Townsitecamping mehrfach wieder auf.

Die Begeisterung wird bestätigt, als wir auf dem Payne Lake Alberte Provincial Park unseren Stellplatz finden. Hier gibt es keinen Fireban und so können wir vor den Einfahrt in die USA unser Feuerholz noch aufbrauchen und machen ein Lagerfeuer.

Von Creston bis Elko auf dem Hwy #3

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Sonntag, 28. August 2022

Heute Morgen videotelefonieren wir erst einmal wieder ausgiebig mit unseren aus dem Albanienurlaub heimgekehrten Kindern und Enkeln. Die Enkelinnen haben wir leider verpasst, die waren schon wieder auf dem Weg nach Hause in die Mupfel, aber der Papa konnte noch mittelefonieren.

Der Hwy #3 ist auf diesem heutigen Stück von 210 Kilometern recht flach und gut ausgebaut, so dass wir mit einem Durchschnitt von 70 km/h vorankommen. Am Moyie See machen wir nach etwa einer Stunde einen kurzen Fotostopp – hier gibt es am Nordende des Sees auch einen Provincial Park, der sicher lohnenswert ist.

Kurz vor dem größeren Städtchen Cranbrock, schön ist es nicht,

halten wir am Lake Elizabeth an, einem Sumpfgebiet, ein wichtiger Zwischenstopp für Zugvögel. Hier tauchen am Horizont auch wieder hohe, kahle Bergspitzen auf und die Landschaft ist traumhaft.

Die Sonne scheint, und wir sind unentschlossen, wann und wo wir in die USA einreisen sollen, um den Glacier NP zu besuchen. Auch wollen wir den damit in Verbindung stehenden kanadischen Waterton NP besuchen. Der Plan ist nämlich, die kanadische Präriestrecke auf dem Rückweg durch die Fahrt in der USA auf dem HWY #2 bis zu den großen Seen zu ersetzen.

In Elko gabeln sich die Wege: Es gewinnt die Idee, den schönen Tag nicht mit Fahren zu vertun, sondern kurz vor Elko in den Kikomun Creek Provincial Park an den See zu fahren und die Sonne zu genießen. So können wir die Entscheidung vertagen und reifen lassen.