Montreal

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Sonntag, 12 Juni und Montag 13. Juni 2022

Nach den schönen Erlebnissen des Vortags schlafen wir aus und machen uns in Ruhe fertig für die Weiterfahrt. Wir wählen die nördliche Strecke dicht am St. Lorenz Strom auf der 40, während das Navi die Südstrecke vorschlägt. Vielleicht hätten wir ihm folgen sollen. Unsere Strecke ist jedenfalls langweilig und vom Fluss ist nichts zu sehen. Je näher wir Montreal kommen, desto dichter wird dder Verkehr. Viele einheimische Womos legen die Vermutung nahe, dass es wohl Wochenendurlauber sind, die die Autobahn verstopfen.

Da die Campingplätze sehr weit außerhalb der Stadt liegen, folgen wir einem Tipp der Parking4night App und übernachten auf einem Walmartparkplatz in der Nähe einer U-Bahn Station. Hier trifft man zuverlässig Gleichgesinnte.

„Michaels guest“ WLAN versetzt uns in die Lage, per Magenta TV-Stick den Sonntags-Tatort aus Hamburg in Montreal zu schauen – ohne eigene Giga – Bytes zu verbrauchen.

Tageskilometer      290 km

Obwohl wir hier gut und ruhig geschlafen haben, wollen wir einen Stellungswechsel zum Botanischen Garten neben dem Olympiagelände machen, von „Reise Know How“ als stadtnaher Parkplatz für RVs empfohlen. Dort wird unser menschenleeres Womo sicher auch nicht so vielen verschieden Blicken ausgesetzt und die Einbruchsgefahr ist wohl eher geringer. Leider ist das Parken auf diesem tollen Platz nur von 6 Uhr bis 24 Uhr erlaubt.

Parkplatz Botanischer Garten
Botanischer Garten

Ganz Montreal scheint eine Baustelle zu sein, aber wann immer wir auf den Plan schauen, wird uns sofort Hilfe und Erklärung angeboten.

Wir bewundern das Olympiastadion mit dem tollen Dach, zu dessen Bedienung ein sprungschanzenartiger schräger Turm erbaut wurde, von dem Seile aus das Dach halten (Die Konstruktion wurde erst nach den Olympischen Spielen fertig.)

Olympiastadion
Olympiastadion

Mit der Metro fahren wir von „PIE IX“ zurück ins Stadtzentrum – grüne Linie, umsteigen auf die orange Linie in „Beri-Uqam“ und dann eine Station weiter bis Champ-de-Mars.

Auch hier rund um die Metrostation Baustelle bis zum Hotel de Ville, das ebenfalls renoviert wird und eingerüstet ist.

Hochhäuser rundum, die einen erdrücken, so wie die Kathedrale Notre Dame de Montreal erdrückt wird von Hochhäusern. Der linke Turm wird ebenfalls renoviert und ist halb abgetragen, so als habe er im Kampf mit dem schwarzen Hochhaus nebenan, wer höher in den Himmel rage, verloren und schwere Verletzungen davongetragen.

Schön finden wir den Place Jaques Cartier. Insbesondere sind wir angetan vom Restaurant Lord Nelson, in dessen „Jardin“ wir bei live Jazzmusik sehr angenehm und gut zu Mittag essen.

Einige wenige Gebäude aus dem 18. Jahrhundert entdecken wir auch noch, ebenfalls überwuchert von Bauten des Big Business ab 1850, aber sie halten keinem Vergleich mit der Altstadt Québecs stand.

Unser Bemühen, der unterirdischen Stadt „RESO“ etwas abzugewinnen, erklären wir als gescheitert. Hier sollen 30 km unterirdische Tunnel Boutiquen, Geschäfte, Restaurants und mehr enthalten und miteinander verbinden. Es ist schlecht ausgeschildert, langweilig, und kein Angebot für uns. Auch das Kaufhaus „La Baie d’Hudson“, das wir unterirdisch erreichen, weckt mit seinem Angebot eher unseren Spott als unser Interesse.

Müde und ein wenig enttäuscht fahren wir wieder zurück zu unserem Womo und weiter zum Walmart Übernachtungsplatz.

Interessante Brücke

* Vergebens sucht die Hilfe des Gesetzes der, der selbst gegen das Gesetz verstößt.

Québec – Stadtbesichtigung

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Samstag, 11. Juni 2022

Um 9 Uhr wollen wir mit dem Shuttlebus vom Campingplatz in die Stadt fahren. Um 7.45 Uhr werden wir wach – oh Mist – warum hat der Handywecker nicht um 7 Uhr geweckt? Alles muss nun schnell gehen, aber wir schaffen es und zwischendurch um 8 Uhr rappelt der blöde Wecker. Um 8.55 Uhr sind wir an der Rezeption, die Einzigen! Ist der Bus schon weg?

Nein, hier gehen die Uhren anders. Wir haben nicht gewusst, dass wir zwischen New Brunswick und Québec die Zeitzone gewechselt haben, und sind jetzt eine Stunde zu früh am Treff.

Also noch mal zurück zum Womo und pünktlich 9 Uhr Québec–Time geht’s dann los, die Rückfahrt haben wir für 19.30 Uhr gebucht für 10 CAD p.P. und Strecke.

Beim Chateau Frontenac steigen wir aus und genießen einen tollen sonnigen Tag in der quirligen bunten Stadt mit Häusern und engen Gässchen, die auch irgendwo in einem alten Städtchen in der Bretagne gelegen sein könnten.

Bei „Il Bello“, einem echten Italiener in der Rue St. Louis, essen wir noch stilvoll und vorzüglich zu Abend, bevor wir abgeholt werden.

Die Flut der Eindrücke haben wir in sehr vielen Bildern festgehalten.

Stadtplan der Altstadt

Von Woodstock nach Québec

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Freitag, 10. Juni 2022

Den heutigen Tag kann man eigentlich in der Pfeife rauchen.

Die Gastankstelle in Woodstok finden wir zwar, aber der passende Adapter zum Tanken fehlt.

Hier wussten wir noch nicht, wie der Tag verlaufen wird.

In Grand Falls, 40 km entfernt , soll es eine weitere geben. Dort wollen wir eh hin, denn die Wasserfälle sind im Reiseführer als sehenswert beschrieben. Obwohl viel Wasser für das Kraftwerk abgezweigt wird, sollen sie nach der Schneeschmelze 90 % der Wassermassen der Niagarafälle führen.

Die Gasfüllstation „ACETOX“ finden wir auch ( blaues Gebäude auf der linken Straßenseite). Hier wird jetzt nur noch Französisch gesprochen –  aber was für eines! Jürgen kommt halbwegs klar, meine Ohren nehmen jedoch noch nicht einmal wahr, dass es Französisch ist. Könnte genauso gut eine indigene Sprache sein.

Dann geht‘s weiter Richtung Québec. Die Landschaft ist immer gleich, der Straßenzustand mal sehr gut, mal desaströs; immer wieder Regenschauer.

Unterwegs
Unterwegs

Auf dem Parkplatz des Botanischen Gartens bei Edmonston machen wir Pause und schlafen eine Stunde. Um 16 Uhr fahren, bzw. holpern wir dann weiter bis Québec.

Brücke über den St. Lorenzstrom – Einfahrt Québec
Brücke über den St. Lorenzstrom einfahrt Québec – alte Brücke

Auf dem Campingplatz „ de la Joie“ bekommen wir einen Platz, eng, ohne festen Untergrund, vom Regen aufgeweicht und schief. Welche Freude!

Kaum dass wir eingeparkt haben, stellen wir fest, dass die verriegelte Kühlschranktür wohl auf den Schlaglochabschnitten die Angeln so verbogen hat, dass sie aufgegangen ist. Wie gut, wenn man einen Handwerker dabei hat und wie gut, dass die vorausschauende Ehefrau dem Handwerker einen ordentlichen Werkzeugkasten zum Geburtstag geschenkt hat. Die Tür ist schon wieder repariert.

Morgen um 9 Uhr fährt ein Shuttlebus in die Altstadt.

Tageskilometer  :   509 km

Fahrzeit :                  7 h

Durchschnitt: 73 km/h

Unsere heutige Etappe

Hopewell Rocks oder Les Roches Hopewell –  in New Brunswick ist man bilingual.

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 Donnerstag, 09. Juni 2022

Es hat in der Nacht ordentlich geregnet und der Himmel ist noch bedeckt. Über dem Meer, es ist ablaufende Flut, stehen Nebelschwaden. Für heute ist Regen angesagt.

Da ist Wandern wohl keine optimale Tagesgestaltung. Aber die Felsen von Hopewell -auch Flowerpots genannt – wollen wir uns nicht entgehen lassen. Anstandslos bucht uns die nette Dame von der Rezeption die Kosten für eine nicht mehr genutzte Übernachtung zurück und schickt uns, weil die 114 wegen einer Baustelle gesperrt ist, über die schlaglochübersäte 915 etwa 50 km ostwärts zurück zum Cape Hopewell, wo der Petitcodiac River ins Meer mündet.

Schön war’s hier
Der Hafen von Alma, auf dessen Einfahrt wir schauten
Der Hafen von Alma , auf dessen Einfahrt wir schauten

Nach mehr als einer Stunde staunen wir über eine riesige, zum Glück fast leere Parkplatzanlage. 12 CAD pro Nase Eintritt. Darf’s für 2 CAD pro Person und Strecke noch ein Golfcart -Shuttle sein? Dankend lehnen wir ab, froh darüber, uns  etwas bewegen zu können, denn wir sitzen während des Fahrens wirklich genug.

Parkplatz für RVs extra

Die Küste besteht hier aus einer Abbruchkante von etwa 20 bis 30 Meter hohem roten Sedimentationsgestein, das von extremer Tide und Wellen erodiert wird. Einzelne pilzartige, oben bewachsene Nadeln ragen bei Flut als Inseln heraus. Jetzt bei Ebbe laufen wir auf dem Meeresboden dazwischen herum und bestaunen die dünnen Stile und Torbögen. Hopewell – stürzen sie nicht bald ein und die Eintrittsgeldquelle versiegt nicht so schnell. Wäre schade um die schönen Bilder:

Die hier wieder befahrbare 114 bringt uns zurück nach Moncton, wo wir in einem „Sobeys“ Supermarkt unsere Vorräte auffüllen und sich der Kreis um die „Caledonia Hills“ schließt, als wir gegen 16 Uhr wieder auf den Transcanada Highway Nr 2 auffahren.

Eigentlich wollten wir am Abend am St Lorenz Strom sein , in Riviere du Loup, aber das werden wir wohl nicht mehr schaffen.

5h 31 min (556,5km) über Trans-Canada Hwy/NB-2 W

In Woodstock fahren wir ab und finden im Städtchen ein Plätzchen.

Tageskilometer : 369km

Fahrzeit: 5h 40′

Durchschnitt: 65 km/h

Fundy Nationalpark

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Mittwoch, 08.Juni 2022

Obwohl wir heute früh wach werden und aufstehen, ist es doch 10 Uhr, bis wir loskommen. Gemütliches Frühstück mit Ham and Eggs, Richten der Tür, Ver-und Entsorgen und das bei bedecktem Himmel und weiterhin angriffslustigen Schnaken.

In Amherst machen wir einen Fotostop. Das Städtchen ist zwar wie ausgestorben, auch auf der Main Street, bietet aber wunderschöne Fotomotive. Seht selbst:

Gegen 13.00 erreichen wir die Parkgrenze des Fundy Nationalpark, der bekannt ist für schöne Wanderwege und die Tidenbeobachtungen, bis zu 15 m beträgt hier der Tidenhub.

Provincialparks erheben in der Regel keinen Eintritt, Nationalparks hingegen eine tageweise Eintrittsgebühr. Da wir noch einige Tage in Nationalsparks verbringen werden, kaufen wir die Senioren – Jahreskarte für 61,75 CAD (rund 46 Euro), damit sind dann alle künftigen Eintritte bis Ende Juni 2023 in Nationalparks und „National Historic Sites“ abgegolten. Auf dem Campground bezahlen wir für einen Platz (Nr.59) mit Aussicht auf die Bay of Fundy nochmal 43,5 CAD für 2 Nächte.

Unterwegs hat es etwas genieselt, aber jetzt ist es trocken. Wir holen den Roller aus der Garage und fahren vom Campground „Headquarter“ in Richtung Campground „Point Wolfe“, der saisonal noch geschlossen ist, bis zum Parkplatz des Trails „ Dickson Falls“, wo wir eine wunderschöne Wanderung machen.

Anschließend erkunden wir kurz Campground „Point Wolfe“ und die „Herring Cove“, bevor wir zurückfahren und den Roller noch trocken wieder in die Garage bringen. Am „Point Wolfe“ fährt man über eine hausartig zugebaute Brücke, die für große Ami-Womos die Zufahrt unmöglich macht.

Am Abend regnet es und die Aussichten für morgen sind „nass“ – mal sehen was wir daraus machen. Die nette Dame an der Campground – Reception hat uns ein „Refund“ versprochen, wenn wir morgen schon wieder weiterfahren wollten.

Unser Stellplatz mit Aussicht – Ebbe
Unser Stellplatz mit Aussicht – Flut Der Hafen , etwa hinter dem Womo, ist nur bei Flut zu erreichen

Fahrstrecke:                        207 km

Fahrzeit:                               3h 10‘

Karte folgt.

Von Annapolis bis Amherst Shore Provincial Park

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Dienstag, 07.Juni 2022

Obwohl wir mitten in der Stadt geparkt haben, war die Nacht extrem ruhig.

Sonnenschein verlockt uns nach dem Frühstück, durch die sehr gepflegte Festungsanlage – im Stil von Vauban erbaut – zu schlendern. Dieses Fort wurde 1643 bis 1649 von den Franzosen errichtet, die bereits seit 1605 hier siedelten. Im ständigen Kampf gegen die Engländer wechselte es sechsmal die Herrschaft und den Namen, bis es 1710 endgültig an die Engländer fiel und nach Queen Anne Annapolis benannt wurde. So uneinnehmbar war es dann also wohl doch nicht.

Annapolis Royal – Fort Anne – das erhaltene Offiziersgebäude
Annapolis Royal – Fort Anne

Trotz tollem Wetter und Temperaturen bis zu 25 °C legen wir heute einen Fahrtag ein.

Fahrtag uf dem Transcanada Highway 2 (TC2)

Auf dem HWY 1 (Harvest HWY) fahren wir durch das fruchtbare Annapolisvalley bis Windsor, biegen dann auf die 14 und schneiden so das Dreieck ab, an dessen Spitze Halifax liegt. Binnen einer Woche hat sich hier der Kreis um die Südwesthälfte Nova Scotias geschlossen.

Wir folgen der 102 bis Truro, tanken dort und genießen dann das schwebende Fahrgefühl auf dem Transcanada Highway 104. Anschließend schockelt es auf der 366 bis Amherst Shore wieder fürchterlich. Hier stehen wir jetzt in einem Wäldchen. Die Schrauben der Seitenausstiegstür im Wohnraum haben sich offenbar gelockert. Die Tür schließt nur noch, wenn, man sie anhebt und muss nachgestellt werden – aber kleine sirrende, stechende Wesen lassen uns diese Arbeit erst einmal vertagen. Nach der bis heute längsten Tagesetappe muss nun erst einmal ein Schnaps her. Internet gibt’s auch nicht ☹, also muss der Blog warten.

Tageskilometer:     354 km

Fahrzeit:                   5h 10‘

Durchschnitt:          68 km/h

Unsere Tagesetappe

Digby Neck – Bay of Fundy

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Pfingstmontag, 06.Juni 2022

Als wir in der Nacht nochmal rausschauen auf den Hafen, scheinen die Boote im ersten Moment verschwunden. Bei genauerem Hinsehen erkennt man aber noch die Antennenmasten. Die Boote sind mit der Ebbe um 5 bis 6 Meter abgesunken. Die Bay of Fundy ist bekannt für hohe Tidenhübe, an manchen Stellen macht der Unterschied 12 Meter aus.

Ebbe

Beim Aufstehen lacht die Sonne vom strahlend blauen Himmel – nach dem Frühstück stehen wir wieder im Nebel und als wir weiterfahren, dampft der durch die Ebbe freigelegte Meeresboden regelrecht.

Ebbe
Ebbe
Ebbe
Ebbe – dampfender Meeresboden

Nach 15 km endet die Straße an einem Fähranleger. Die Fähren brauchen etwa 5 Minuten für die Überfahrt nach „Long Island“ (kostenlos) – fahren pro Richtung aber nur einmal jeweils zu halben bzw. vollen Stunde.

Fähre
Fähre
Fähre

Als wir kurz hinter Tiverten den „Balancing Rock“ erreicht haben, scheint wieder die Sonne von einem leicht bewölkten Himmel. Wir machen einen kleinen Walk – etwa 2km lang – zum Südufer der Insel auf einem schön angelegten Weg mit Schautafeln durch ein Wäldchen mit teilweise sumpfigem Boden und Holzstegen.

Frauenschuh
Auf dem Spazierweg
Auf dem Spazierweg
Auf dem Spazierweg
Auf dem Spazierweg – Skunk cabbage = Stink-Kohl kommt aus dem Boden, bevor der Schnee komplett geschmolzen ist und ist damit wichtig als erstes Insektenfutter
Frauenschuh
Auf dem Spazierweg

Eine 20 – 30 Meter hohe Basaltabbruchkante stürzt sich ins Meer. Auf den Klippen steht eine etwa 8 m lange und 3 m dicke Basaltsäule, nur zu 2/3 vom Untergrund unterstützt und balanciert mit dem freien Rest über der Kante. Beeindruckend! Auch hier wieder Tafeln mit dem geologischen Hinweis auf das Zerbrechen von Gondwana.

Zurück am Auto stellen wir (im daneben geparkten PKW) erschrocken fest, was passieren kann, wenn man die Schwiegermutter auf dem Rücksitz vergisst.

ups…

Am Ende von Long Island setzen wir nicht mehr auf die letzte Insel, nach Brier Island, über, sondern machen stattdessen noch einen weiteren Spaziergang von der „Galerie“ aus mit schönen Aussichten auf St. Marys Bay und nach Überquerung des Inselrückens auf die Bay of Fundy.

2. Spaziergang
2. Spaziergang
2. Spaziergang Blick über die Bay of Fundy im Hintergrund New Bruinswick

Wir erwischen auf der Rückfahrt gerade so die 4 Uhr Fähre und fahren weiter nach Annapolis Royal, wo wir auf einem Public Parking übernachten.

Annapolis Royal

Heutige Strecke:               137 km 

Durchschnitt:                     51 km/h

Fahrzeit:           2h 42′ Std 

Heutige Etappe

Rund um die Südspitze bis zum Digby Neck im Norden an der Bay of Fundy

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Sonntag, 5.Juni 2022, Pfingsten

Heute Morgen begrüßt uns keine Sonne, sondern Nebel. Wenn wir morgens aufwachen, sind es immer zwischen 7°C und 8°C draußen, im Verlauf des Tages erreichte das Thermometer bislang höchstens 18 ° C.

Draußen ziehen wir immer Fleecejacken und Windbreaker an, denn die gefühlte Temperatur liegt bei 12 °C. Ganz anders die „Locals: kurze Hosen und Tank Top bzw. T-shirt sind hier keine Seltenheit. Trotz des trüben Wetters wollen wir die Südspitze umrunden, denn der Reiseführer preist sie als wunderschön an. Der Nebel hat allerdings nochmals zugelegt und viele Schönheiten bleiben uns im Dunst verborgen.

Der Leuchtturm am „Cape Sable“ soll der größte sein in Nova Scotia. Während wir die Infotafel studieren, spricht uns ein „Local“ an.

Von den namensgeben Sandbuchten ist wenig zu sehen
Infotafeln Cape Sable
Infotafeln Cape Sable
Mr. Smith

Wir fragen ihn, wo denn nun der Leuchtturm sei und er deutet aufs Meer hinaus. Heute sei kein Wetter für Sightseeing und Fotos und der Leuchtturm sei auch nicht zu sehen. Mister Smith, so stellt er sich uns vor, wurde hier vor 81 Jahren geboren, lebt nun auf Vancouver Island nahe Victoria und ist auf Erinnerungsreise. Mit ein bisschen Wehmut vergleicht er Früher mit Heute: Fortschritt ist nicht immer gut! Seinen Bruder in Halifax will er noch besuchen, ein paar Tage bei ihm verbringen und dann zurück nach Victoria fliegen. Es waren einst elf Geschwister, Bildung war nicht bezahlbar und so musste er hart mit seinen Händen arbeiten, um gut durchs Leben zu kommen. Ein zweiter Kanadier, Patrick, gesellt sich hinzu. Er hat 30 Jahre in den USA gearbeitet, ist jetzt retired und hat hier vor kurzem ein Haus gekauft. Wenn man anstehende Renovierungen selbst übernimmt, kann man hier für 50- 60.000,00 CAD ein Haus erstehen. Natürlich müssen wir ausführlich erzählen, wie es kommt, dass wir mit dem eigenen WOMO reisen, welche Ziele wir haben und ob die Einheimischen freundlich zu uns seien. Patrick bietet uns auch B&B an, das sei billiger als so mancher Campingplatz. Zwei kostenlose Stellplätze in der Nähe nennt er auch, aber so früh am Tag wollen wir natürlich weiterziehen.

Hummer Fangreusen am Cape Sable
Cape Sable

Yarmouth ist unser nächstes Ziel. Gleich bei der Touristeninformation befindet sich ein großer Parkplatz, von dem aus wir zu Fuß das Städtchen gut erkunden können.

Jürgen verlässt als erster das Auto und wird sofort von zwei Damen aus dem neben uns parkenden PKW angesprochen: Wo er herkäme, wie es ihm gefalle, ob die Menschen freundlich zu ihm seien. Und dann sprudeln die Ideen, was man alles in und um Yarmouth machen könne und gerne würden sie auch mitkommen und alles zeigen. Signal für mich, unser WOMO zu verlassen und klarzustellen, dass dieser Mann nicht zu haben ist. Das wird dann auch sehr langsam verstanden.

Liegt es am Pfingstsonntag, dass nichts los ist im Städtchen ? Die Museen sind heute geschlossen, die Geschäfte ebenfalls, viel zu sehen gibt es nicht, aber wir haben schon wieder einen knurrenden Magen. Steht da nicht im Reiseführer, es sei ein Muss, in Yarmouth Fish & Chips zu essen? Doch, tatsächlich, steht da!

Rudder’s Brew Pub & Seafood Restaurant , 96 Waterstreet – ganz in der Nähe unseres Parkplatzes. Wir bestellen Raspberry Beer, eine ungeahnt tolle Entdeckung, Jürgen Salat mit Himbeerdressing und Fischküchlein und ich entscheide mich für panfried Scallops (Jacobsmuscheln in der Pfanne gebraten). Kein Vergleich, gestern o8/15 Tourifutter, heute etwas für die Einheimischen, äußerst nette Bedienung, super Geschmack, kein Plastikwegwerfgeschirr.

Rudder’s Brew Pub & Seafood Restaurant
Rudder’s Brew Pub & Seafood Restaurant – unsere nette Bedienung
Rudder’s Brew Pub & Seafood Restaurant – so sahen die Lobster-Reusen früher aus
Infotafel Yarmouth
Hafen Yarmouth – Rudder’s Brew Pub & Seafood Restaurant
Hafen Yarmouth
Hafen Yarmouth

Dann geht’s weiter an der Küste entlang, später auf dem Highway 101 bis Digby und weiter auf eine schmale Landzung, die die St. Mary’s Bay nach Norden begrenzt, genannt Digby Neck. Die Suche nach einem Stellplatz wird schwierig. Lust, bis ans Ende zu fahren, haben wir nicht mehr, aber in der „Sandy Cove“ finden wir schließlich am Hafen einen Platz, wo wir die Nacht verbringen werden.

Übernachtungsplatz Digby Neck
Übernachtungsplatz Digby Neck

Heutige Strecke:               281 km 

Durchschnitt:                     58 km/h

Fahrzeit:           4,49 Std       

Heutige Strecke

Entlang der Lighthouse Route

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Samstag, 04. Juni 2022

Die Nacht war ruhig, wir wachen früh auf und starten zeitig. Wir wollen die so genannte Lighthouse Route in Richtung Yarmouth fahren. Doch während es auf dem Highway 103 bis dorthin 300 km sind, fährt man auf der kurvigen Lighthouse Road 525 km. Da sich die Landschaft immer wieder gleicht, wechseln wir öfter mal auf den Highway, auf dem wir nicht nur Buchten abschneiden, sondern auch zügiger vorankommen. Zwischen 70 und 100 liegt hier das Tempolimit. Kurz hinter Peggy’s Cove stoppen wir an einem Denkmal, das an den Absturz einer MD11 der Swissair 1998 mit mehr als 200 Toten erinnert.

Am Absturzdenkmal
Am Absturzdenkmal
Am Absturzdenkmal
Am Absturzdenkmal

Chester ist ein altes Hafenstädtchen mit hübschen Holzhäusern und gepflegten Gärten. Die Vegetation hier in Nova Scotia ist gegenüber Deutschland mindestens 4 Wochen zurück. Der Flieder beginnt gerade zu blühen, ebenso die Kastanien. Die Rhododendren stehen in voller Blüte.

Chester
Chester – Mahnmal für die im Koreakrieg 1950-55 gefallenen Söhne der Stadt
Chester – jeder nach seinem Geschmack

Nächster Stopp ist Lunenburg, ein 1753 von Deutschen und Schweizern unter britischer Kolonialregierung gegründetes Städtchen, das zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Wir schlendern vorbei an zahllosen Galerien, die Bilder und andere Kunstwerke anbieten, doch nichts turnt uns an.

Eine Galerie neben der Nächsten

Vielleicht liegt es am knurrenden Magen, den wir dann an der Waterfront auf einer sonnigen Terrasse mit Fish &Chips und Lobster-Bun beruhigen. Das hört sich formidable an, kommt aber als Fastfood daher.

Mittagessen

Hier in Lunenburg lief 1921 die „Bluenose“ – ein Zweimastsegler – vom Stapel und gewann bis 1938 fast durchgängig gegen die US-amerikanische Konkurrenz die sogenannte „Fishermans Trophy“. Nachdem das Schiff, warum auch immer, in die Karibik verkauft wurde, lief es 1946 bei Haiti auf ein Riff und sank. Ebenfalls in einer Werft in Lunenburg entstand die HMS Bounty, bekannt durch den 1962 gedrehten Film mit Marlon Brando: „Meuterei auf der Bounty“. Das Filmschiff sank vor Jahren bei einem Wirbelsturm vor der Ostküste der USA.

Mittlerweile ist es 15 Uhr, es schaut nach Regen aus, da wollen wir lieber noch etwas Strecke machen und rollen auf dem Highway 103 bis zum „The Islands Provincial Park“ gegenüber dem Städtchen Shelburne auf einer bewaldeten Halbinsel. Hier scheint wieder die Sonne, doch ein sonniges Plätzchen ist in dem waldreichen Park nicht mehr zu kriegen. Wir sind zu spät.

Unser heutiger Stellplatz

Heutige Strecke:                247 km 

Durchschnitt:                      53 km/h

Fahrzeit:                               4, 38 Std

Unsere Strecke

380 Millionen Jahre

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Freitag, der 03. Juni 2022

Heute soll es weitergehen, allerdings müssen wir noch ein paar Besorgungen erledigen: Uns fehlt ein Stromadapter von 30 Amp Steckdose auf 15 Amp Stecker. Ferner hat unser hoch gelobtes Autohaus Orth beim Bremsenwechsel und Abnehmen der Radzierblenden eine auf der Hinterradhalterung der Radzierblenden aufgeschweißte Mutter abgerissen und lose beigelegt, anstatt sie wieder anzuheften. – Die Radzierblenden mussten für den Seetransport entfernt werden, damit das Auto durch die Löcher in den Felgen im Schiff gegen Seegang festgezurrt werden konnte. Bei Canadian Tyre – 100 Punkte für den Laden – erhalten wir den Adapter für 16 $ und geschweißt wird unser Problem gratis. Um unsere Vorräte aufzustocken besuchen wir noch einen „Atlantic Superstore“ Lebensmittelmarkt, der uns unvergleichlich besser gefällt als der Walmart. Obendrein ist in der Nachbarschaft ein Laden mit Italienischen Spezialitäten – Prosciutto Italiano und Salami – da können wir nicht widerstehen.

Ein Wahrzeichen Kanadas

Der Norden von Nova Scotia um das Cap Breton hat deutlich mehr Laubwald als der Süden und ist deshalb im Indian Summer schöner. Also sparen wir uns das für die Rückreise auf und wenden uns gemächlich gen Süden – erst mal nur bis Peggys Cove. Diesen Leuchtturm haben schon viele gesehen, er ist in fast allen Kanadareiseführern und -prospekten abgebildet.

Zurück über die Tollbridge über die Hafeneinfahrt von Halifax
Peggys Cove

In der Vorsaison ist der Touristenandrang nur mäßig, trotzdem braucht es viel Geduld, den Leuchturm ohne Menschen aufs Bild zu bekommen.

Am Visitorcenter, das noch geschlosssen ist, entnehmen wir einer Tafel die Anregung zum Titel des Beitrags. Bob Dylan stellte einst die Frage : How many years must a mountain exist, before it is washed to the sea ??  Vor 380 Millionen Jahren war hier ein Gebirge aus Granit, so hoch wie der Himalaya heute – und jetzt ist es Meeresküste.

Tafel zur Geologie
Denkmal für die hiesigen Fischer

Als wir gegen 18 Uhr am Auto zurück sind, ist der große Parkplatz fast leer und wir entscheiden uns umzuparken in eine „RV PARKING“ Bucht, die wir bis morgen früh belegen wollen.

Unser Nachtparkplatz
Unser Nachtparkplatz
Unsere Nachtparkplatz-Aussicht
Unsere Tagesstrecke