Endlich nordwärts

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Mittwoch 20. Juli und Donnerstag 21. Juli 2022

Jetzt stehen unserer Fahrt in die Einsamkeit des Nordens keine Hindernisse mehr im Weg. Wir nehmen die Nordausfahrt Richtung Lamont. Dann auf der #29 oberhalb von Edmonton westwärts, an Fort Saskatchewan, einer Ölindustriestadt, vorbei bis zur Kreuzung mit der #44, der wir in direkter Nordrichtung folgen bis an den kleinen Sklavensee.

Schier endlos geht es durch eine flache Prärielandschaft geradeaus, zwischen in voller Blüte stehenden Rapsfeldern hindurch, die sich bis zum Horizont erstrecken, unterbrochen von wenigen Windbrecher-Heckenanlagen. Der Raps wird hier erst im Frühjahr ausgesät und nicht schon im Herbst des Vorjahres, was die späte Blüte erklärt. Zur Abwechslung stehen auf den riesigen Feldern auch mal Hafer und Weizen. Alles noch sehr grün, während offenbar wegen der Dürre in Deutschland schon jetzt die Getreideernte begonnen hat.

Kurz vor dem See überqueren wir noch einmal den Athabasca River, dessen Quelle, den Athabasca Gletscher und dessen Wasserfall wir im Jasper NP bewundert haben – er mündet in die Hudson Bay.

Der Lesser Slave Lake Provincial Park zieht sich auf der #88 der Ostseite des Sees entlang durch ein hügeliges Waldgebiet und hat mehrere Campingstellen. Die Dienstzeit der Angestellten ist längst zu Ende, als wir gegen 18.20 Uhr endlich den richtigen Campground gefunden haben. Dafür ist dann online-selfreservation vorgesehen, bei dem die noch freien nicht reservierten Plätze angezeigt werden. Die Netzabdeckung ist jedoch zu schlecht, um ein vollständiges Einchecken zu ermöglichen.

Wir lassen uns auf Platz 38 nieder, hier gibt es auch Strom – und stellen fest, dass wir eine neue Baustelle haben: Unser Trafo spinnt. Erst fliegt alle Nase lang die Eingangssicherung durch, dann geht nichts mehr. Das kann nicht mit der Batterieumstellung zusammenhängen, obwohl jetzt auch 600 Watt Ladeleistung = 50 Amp angezeigt werden, aber dann bleiben immer noch 900 Watt für Kühlschrank und Diverses, bis die Nennleistung des Trafos von 1500 Watt ausgereizt ist. Das klären wir morgen, über Nacht brauchen wir keinen Landanschluss.

Nach dem Frühstück schraube ich das edle Chinateil auf und messe alles durch. Dabei stelle ich fest, dass der Wahlschalter für die Eingangsspannung offenbar einen Wackelkontakt produziert. Da wir bis zur Rückkehr nach Europa immer eine Eingangsspannung von 110 Volt haben werden, löte ich einfach eine Brücke über den Schalter und dann geht es wieder. Was sich 4 1/2 Stunden und 280 km später auf unserem nächsten Campground:  RV = Rendez Vous kurz vor Peace River, bestätigt.

Einschub von Christiane: Wieder zeigt es sich, dass man nicht nur einen lieben Ehemann, sondern auch einen findigen Handwerker mit auf die Reise nehmen sollte.

Auch auf der heutigen Fahrt endlose Felder und weites Land. Ab hier beginnt dann der legendäre Mackenzie Hwy.

Auf ein Neues

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Montag, 18.07. und Dienstag, 19.07. 2022

Wieder einmal haben wir eine gute Nacht auf einem Walmart Parkplatz verbracht im Sherwood (Einkaufs-)Park, im Osten von Edmonton. Wir waren die Einzigen.

Für das Geburtstagsfrühstück nehmen wir uns reichlich Zeit und Videotelefonieren per Threema mit zu Hause. Die Sonne scheint und alles ist perfekt – nur romantisch ist die Lokation nicht. Dafür ist es nur einmal über die Straße bis zum Canadian Tyre, wo pünktlich um 13 Uhr Paola mit ihrem Partner erscheint und uns die beiden Batterien mitbringt; Bezahlung mit Kreditkarte und Handy. Die beiden sind tatsächlich so nett, wie wir sie am Telefon erlebt haben. Alberta Lithium ist offenbar ein kleines Internet – Handelsunternehmen und die Beiden wollen jetzt in Kürze zu einem Segel-Tauchtörn in die Karibik aufbrechen. Danke Paola für die smarte Geschäftsabwicklung.

Wir haben in der Wartezeit eingekauft und landen dann mit wunderbaren Tenderloin- Steaks im Kühlschrank auf dem Elk Island National Park östlich von Edmonton gelandet. Das Festessen bereitet sich Christiane hier selbst zu und übertrifft sich dabei selbst. Wenn wir den Fettgeruch von diesen Grillrestaurants nur riechen, sind wir schon satt. Die wirklich guten Restaurants sind dünn gesät und in einer großen Stadt wie Edmonton schlecht mit dem Wohnmobil zu erreichen.

Auf dem Campground kommen wir ins Gespräch mit netten Nachbarn, Zugewanderte: Er, Gastroenterologe aus Kernfrankreich und sie Krankenschwester aus Überseefrankreich, La Reunion, die seit 12 Jahren in Montreal leben und arbeiten. Jetzt, kurz vor der Rente mit 68 , haben sie sich ein Womo, kanadischer Teilintegrierter auf Sprinterbasis, gekauft und wollen für 5 Monate die neue Wahlheimat erfahren. Wir verbringen einen sehr netten Abend zusammen. Auch sie wollen nach Norden, vielleicht treffen wir uns wieder; au revoir,  Sophie et Bernard.

Heute wollten wir eigentlich auf dem Haussee, dem Astotin Lake, Kanu fahren – Pustekuchen, erstens, weil der Wind zu stark pustet und zweitens, weil dienstags die Verleihstation geschlossen ist.

Bleibt also reichlich Zeit, die neuen Batterien einzubauen, was leicht gelingt, nachdem erst einmal all die davor verstaute Ladung rausgetragen wurde. Wegen des deutlich geringeren Innenwiderstandes der LiFePO4 Batterien ist ein zwischengeschalteter DC-DC-Converter wichtig, da sonst ein zu starker Ladestrom die Lichtmaschine beschädigen könnte. Aber den haben wir ja in Form unseres Ladeboosters, den ich vor der Marokkoreise eingebaut hatte.

Dann noch Nebenarbeiten, wie Resetten der Hubstützen und der Alde-Heizungsprogrammierung, weil ja zwischenzeitlich der Strom fehlte. Test – ?? – ja es funktioniert wieder alles. Zeit für ein Sonnenbad und eine Siesta .

Auf der anschließenden Pirschfahrt begegnet uns eine kleine Bisonherde. Beim friedlichen Grasen lassen sie sich gut fotografieren. Gegen die vielen Fliegen oder Schnaken nehmen sie Staubbäder.

Da die Bisons in Nordamerika Ende des 19. Jahrhunderts beinahe ausgerottet waren, beschloss die kanadische Regierung, zwischen 1907 und 1912 mehr als 700 wilde Bisons im Elk Islands Nationalpark anzusiedeln. Heute leben hier mehr Bisons – sowohl Waldbisons als auch Steppenbisons – als 1890 in ganz Nordamerika. Die Waldbisons , die auf der Südseite des Highway 16 leben, sind die größten Landsäugetiere in Nordamerika.

Der Himmel hat sich zugezogen, da haben wir wohl nichts davon, dass dieser Park auch als „Dunkelzone“ ausgewiesen ist, in der man gut die Sterne beobachten können soll.

Fort Edmonton Park

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Sonntag 17.Juli 2022

Der offizielle Ablauf unserer Parkzeit ist 6 AM und der Parkraum bei unserem heutigen Ziel „Fort Edmonton Park“ ist recht begrenzt. Also wie schon mal in Lake Louise machen wir um 7 Uhr einen Stellungswechsel und schlafen noch eine Runde vor dem Park.

Nach unserem Frühstück ist der Parkplatz tatsächlich voll und viele Familien mit Kindern strömen zum Eingang. 20,90 CAD plus Tax ist der Senioreneintritt. Dafür ist freie Fahrt mit der Dampf-Eisenbahn und der elektrischen Straßenbahn eingeschlossen.

Wir nehmen zuerst den Zug und fahren zum Fort, das für die Zeit um 1846 repräsentativ sein soll mit seiner Ausstattung. Auch hier sind wieder die Häuser und Handwerkerräume zu besichtigen, z.T. mit historisch gekleideten Bewohnern.

Auch die „Indigenen Bewohner der Region“ erhielten nebenan im Park die Gelegenheit, ihr Bild der Geschichte zu präsentieren. In einem modernen Gebäude, das man wie einen Tunnel durchläuft, wird teils mit klassischen Mitteln, teils mit moderner Präsentationstechnik ihr Weltbild und ihre traditionelle Lebensweise dargestellt und was die Einwanderung der Europäer daraus gemacht und zerstört hat. Sehr eindrucksvoll und nachdenklich stimmend.

Etwas weiter sind wir in der 1885 Street. Hier wird das Leben der ersten Siedler um das Fort Edminton um 1885 dargestellt: Geschäfte, Handwerker und Saloon und weitere. Die Gebäude sind teils Nachbauten, teils transponierte Originale.

Die nächste Straße führt in das Jahr 1905. Hier gibt es die St Micheal and all Angels Church, Bank of Montreal, Fire-Station, etc.

Zuletzt in der Straße 1920 findet sich eine Telefonzentrale mit Stöpselverbindungen, ein Kino/Theater, eine Autohalle mit Tankstelle und ein Drugstore.

Reichlich geplättet von den vielen Eindrücken kehren wir gegen 17.30 zum Womo zurück.

Morgen sollen wir Paola treffen, die uns die neuen Batterien bringen will, da fahren wir schon mal in den Nordosten der Stadt, wo wir uns bei einer Einkaufsmall treffen wollen. Zumal auf dem Parkplatz hier Schilder vor Dieben warnen und wir vermutlich die Einzigen wären, die über Nacht blieben.

In Edmonton haben wir noch keine Womos gesichtet. Man könnte vermuten, die Stadt sei womofeindlich, da es auch keine Stell- oder Parkplätze für RVs gibt.

Edmonton – in der Warteschleife

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Freitag, 15. und Samstag 16. Juli 2022

Wir nutzen die Zeit bis zum Check out (14Uhr) aus und schauen uns auch noch das Flüsschen an. Es ist breit und flach und einige Camper haben sich bei der Hitze den Campingstuhl ins Wasser gestellt.

Wir brauchen eine Waschmaschine , die es hier nicht gibt und wollen weiter nach Edmonton.

Hier beginnt gerade der Raps zu blühen

Per Internet haben wir uns den am Westrand gelegenen RV Park & Camp Ground ausgesucht und einen Platz reserviert. Keine so prickelnde Wahl. Der zugewiesene Platz hatte zwar „pull through“ und „full hook up“ – aber in Amiland sind die Anschlüsse genormt auf der Fahrerseite – unser Auto hat seine Anschlüsse auf der Beifahrerseite – aber er war sehr eng und wir hätten uns ein wenig mehr Patz zu den seitlichen Nachbarn gewünscht. Positiv allerdings war, dass wir 4 Waschmaschinen gleichzeitig bedienen konnten und damit dann auch schnell durch waren und die Wäsche in der Tageshitze um 35 °C auch schnell trocknete. Zum Abend dann noch die Nachrichten und nach langer Zeit mal wieder einen Krimi – Magenta TV Stick macht‘s möglich.

Hier wollen wir also auch nicht verlängern , checken aus und fahren nach Edmonton Downtown, wo ein Farmer‘s Market sein soll. Vorbei an Roberts Place, einer Multifunktionsarena und dem Royal Alberta Museum erreichen wir auch den Markt im Zentrum, aber es ist der falsche. Nur 3-4 Stände Krimskrams erblicken wir. Weiter streunen wir durchs Zentrum, fahren die Einkaufsstraße, Jasper Avenue, entlang und sagen uns, hier wollen wir nicht zu Fuß unterwegs sein. Vielleicht sollte unsere Bundesregierung über die Haschischfreigabe noch einmal nachdenken und hier einen Besuch machen.

Dann entdecken wir, dass der eigentliche Farmer‘s-Market südlich des die Stadt durchschneidenden North-Saskatchewan River, im Stadtteil „Old Strathcona“ stattfindet. Er geht bis 15 Uhr, da haben wir noch 45 Minuten für 11 Kilometer entlang der Peripherie. Schaffen wir denn auch noch gerade so und können sogar noch Kleinigkeiten einkaufen.

WEM – West Edmonton Mall – ist unsere nächste Anlaufstelle. Von 1981 bis 2004 war sie das größte Einkaufszentrum der Welt und ist Arbeitsplatz für 24000 Menschen. Die Dubai Mall hat ihr diese Position weggenommen.

Drei Stunden schlendern wir darin herum und haben doch nur ein Bruchteil der Geschäfte gesehen. Es gibt einen Indoor Vergügungspark mit Gokartbahn, ein Eisstadion, ein Wellenschwimmbad, ecetera, ecetera : https://de.wikipedia.org/wiki/West_Edmonton_Mall

Für die Übernachtung haben wir uns auf dem Hinweg einen Parkplatz im Universitätsbezirk ausgesucht. 5.50 CAD Parkplatzgebühr bis Sonntag.

Auf Batteriesuche

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Mittwoch, 13.Juli bis Donnerstag, 14. Juli 2022

Heute geht es weiter. In der Nacht hat es etwas getröpfelt und der Morgen ist grau in grau. Da die Batterien für den Wohnraum wirklich nicht mehr großartig belastbar zu sein scheinen – zwei Kaffee mit der Senseo lassen sie in den Keller gehen – und wir jetzt in den einsamen Norden starten wollen, brauchen wir zwei neue. Die nächste größere Stadt, die noch an der Route liegt, ist Hinton im Yellowhead County. Auf dem Weg dorthin machen wir noch einen Abstecher nach Miette Hot Springs. Hier kommt 54 °C warmes Wasser aus einer Quelle, wird auf 40°C abgekühlt und in ein Becken geleitet. Der Parkplatz ist voll, wir machen ein paar Fotos und fahren weiter.

In Hinton finden wir nirgendwo geeignete Batterien, aber die messtechnische Bestätigung, dass die Batterien nur noch einen Bruchteil ihrer Nennkapazität haben – also ausgetauscht werden sollten.

Da Walmart hier auf einem Schild RV-Reisende ausdrücklich zur Übernachtung willkommen heißt, wollen wir die Gastfreundschaft nicht ausschlagen und schlafen mal wieder auf dem Parkplatz.

Bis Mittag recherchieren wir im Internet, wer, wo, welche Batterien möglicherweise auf Lager hat und fahren dann 85 km weiter bis Edson, dem nächsten größeren Städtchen. NAPA Autoparts kann vielleicht bestellen, aber wann die dann geliefert werden, muss noch geprüft werden. Dieser Ort ist an Hässlichkeit nur schwer zu überbieten und nachdem auch drei andere Anbieter im Ort nichts für uns haben, versucht Jürgen Alberta Litium anzurufen, die relativ günstig, nur wenig teurer als die Gelbatterien bei NAPA, LiFePO4 Batterien gleicher Kapazität anbieten. Der Firmensitz ist etwa 500 km entfernt in Lac au Biche, aber vielleicht gibt es ja ein Geschäft in der Umgebung von Edmonton. Paola ist am Telefon äußerst hilfsbereit und bietet an, am Montag 2 Batterien nach Edmonton zu bringen, wohin sie ohnehin geschäftlich müsse. Der Treffpunkt ist vereinbart – Londonderry Mall – Zeitpunkt wird noch mitgeteilt.

100 km vor Edmonton finden wir noch Platz auf dem gut besuchten Provincial Park Pembina River.

Nun haben wir also in den nächsten beiden Tagen doch noch Gelegenheit, Edmonton zu erkunden, auch wenn wir nun auf anderer Strecke als geplant nach Norden vorstoßen werden.

Wandertag

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Dienstag, 12.Juli 2022

Für heute ist noch einmal tolles Wetter angesagt, da wäre es ja eine Sünde, wenn wir weiterfahren würden. Und tatsächlich – beim Aufwachen werden wir von wolkenlosem blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein begrüßt. Wir füllen noch einmal einen „selfregistration“ Zettel aus und fahren 4 Kilometer in Richtung Icefield-Center zu den Sunwapta-Falls. Hier kann man gleich am Parkplatz auf einer Aussichtsplattform und einer Brücke die oberen Fälle bewundern – das tun die meisten und fahren wieder weiter.

Wir laufen 2 Kilometer auf einem wunderschönen Waldweg zu den Lower-Falls und werden mit immer wieder neuen tollen Ausblicken belohnt. Auf einer Bank mit einer Gedenktafel bleiben wir eine Weile sitzen. Hier ist 1993 ein noch nicht mal 20 jähriger junger Mann ums Leben gekommen. Vermutlich ist er ausgerutscht und von den Wassermassen mitgerissen worden. Wir sind dankbar, dass es das Schicksal bislang immer so gut mit uns gemeint hat.

Von den Sunwapta-Falls fahren wir weitere 20 Kilometer in Richtung Icefield-Center, parken linker Hand an einer alten Poststation und wandern den Pobuktan-Trail am gleichnamigen Creek 5 Kilometer hinauf. Es ist ein Wanderweg, der Zeltler, die zu Fuß unterwegs sind, auf verschiedene Backcountry Campgrounds bringt. Zwei Backpacker – Vater und Sohn – begegnen uns, ansonsten ist der Wald menschenleer. Auch Bären oder andere Wildtiere sind nicht zu finden. Himmlische Ruhe umgibt uns und wunderschöne Wildblumen wachsen entlang des Weges: Immer wieder die Paintbrushes in orange und knallrot, wilde Akelei, Glockenblumen, Walderdbeeren und vieles mehr.

Leider hat auch hier in den Wäldern der Rockies der Borkenkäfer für trauriges Baumsterben gesorgt. In den Nationalparks darf nur eingegriffen werden, wenn die Sicherheit von Besuchern bedroht ist, ansonsten muss die Natur sich selbst helfen. Der Weg ist an vielen Stellen sehr, sehr matschig. Man muss ins Gebüsch ausweichen oder riskieren, dass der Schmodder in die Stiefel läuft.

Als wir nach heute insgesamt über 14 Kilometer Wanderstrecke zurück zu unserem Platz kommen, treffen wir auf ein Paar aus Frankfurt, das seinen Campingbus ebenfalls verschifft hat und das seinerseits vor 2 Tagen ein Paar aus Hadamar getroffen hat, das mit dem Motorrad unterwegs ist. Die Hessen sind hier also gut vertreten! Die beiden Frankfurter sind seit 1. Mai unterwegs und haben open end. Ihre Jobs haben sie gekündigt, die Wohnung aufgelöst und für 2 Jahre eine weltweite Krankenversicherung abgeschlossen. Dann wollen sie weitersehen.

Wir sind ziemlich groggy, machen uns noch ein Feuerchen und liegen um 21.30 Uhr in der Mupfel.

Übrigens: Auf dem Icefiled-Parkway gibt es bis auf einen Kilometer um das Icefield-Center keinen Handy-Empfang und damit auch kein Internet.

Schönheiten am Wegesrand

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Montag, 11. Juli 2022

Beim Aufwachen glauben wir: Das wird wohl nichts mit dem Sonnentag! Doch nach dem ´Frühstück reißt der Himmel immer mehr auf und das Blau nimmt zu. Als wir den Platz verlassen wollen, entdecken wir zwischen Campingplatz und Hauptstraße vier grasende Waipitis.

Statt auf den Haupt-Parkway 93 fahren wir auf die alte Straße 93 A, die viel weniger befahren ist, in der Hoffnung, noch mehr Tiere zu finden. Das ist leider ein Trugschluss, auch der Abzweig zum Edith Cavell Wanderparkplatz bringt keine neuen Tierbegegnungen.

Dafür blüht es an den Straßenrändern so wunderschön, dass wir uns kaum satt sehen können. Besonders eine orangefarbene Lilienart hat es uns angetan. Bei den Athabasca Falls mündet die 93 A wieder in die 93. Die Ausblicke auf die teils noch schneebedeckten Berge sind fantastisch.

Um 15 Uhr erreichen wir den Honeymoon-Lake-Campground, finden auf Platz 3 einen hellen, sonnigen Platz mit Rosengarten und Fireweed. Hier bleiben wir.

Die kleinen selfregistration campgrounds in den Nationalparks sind besonders schön. Man darf nur nicht zu spät kommen, sonst sind die schönsten Plätze weg. Die Plätze sind „unserved“, d.h. sie haben keinen Strom, keine Waschhäuser, aber Trockentoiletten, einen überdachten Koch- und Aufenthaltsraum für Zeltler und eine Trinkwasserzapfstelle.

Gemeinschafts Koch- Essraum

Im Jasper-Park ist auch überall im Übernachtungspreis, hier 26 CAD, das Feuerholz inbegriffen. Die luxuriösen riesigen RVs und 5thwheeler finden hier keine Stellfläche. Man findet vorwiegend kleinere Womos bis 7,50 Meter, Pkws oder Fahrräder mit Zelt. Wir treffen eine Familie mit zwei kleinen Kindern, die mit Tandemrad, Thule-Kinderwagenanhänger und Zelt durch die Rockys reisen. Respekt!

Respekt

Beim Lagerfeuer lassen wir den Tag gemütlich ausklingen.

Endlich Tiere

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Sonntag, 10. Juli 2022

Mit etwas Wehmut verlassen wir den Jonas Campground, die Sunwapta Falls ignorieren wir und schauen uns kurz darauf den Honeymoon Campground an. Hier wären die Plätze 5 und 9 noch frei und schön, aber wir sind ja noch immer rund 65 km vor Jasper, also weiter.

Wir rollen gemütlich die Straße hinunter, da entdecken wir rechts die Straßenböschung hinauf ein Tier, das friedlich Heidelbeerbüsche oder ähnliches abgrast, ist das ein Reh, ein Elk, ein Wapithi ? Es stellt sich uns nicht vor.

An den Athabasca Falls haben wir schon 1994 Bilder gemacht, da wollen wir nochmal Vergleichsfotos machen. Kaum sind wir Richtung Parkplatz abgebogen entdecken wir einen unnatürlichen Stau der Fahrzeuge in Gegenrichtung. Hurra, endlich, ein Schwarzbär, der sorgfältig alle Steine umdreht, ob sich Essbares darunter verbirgt und sich dabei nicht von den zuschauenden Autofahrern aus der Ruhe bringen lässt. Klick –  im Kasten – hoffentlich folgen noch viele weitere Bärenbilder.

Die Wasserfälle sind heute beeindruckender als damals. Ob es daran liegt, dass man neue Aussichtsplattformen gebaut hat oder einfach an dem hohen Wasserstand des Athabascas?

Bis Jasper begegnen wir keinen weiteren Tieren. Der Whistler Campground vor der Stadt ist riesig und in der Coronazeit renoviert worden. Wir bummeln durch das Städtchen, kaufen noch ein paar Lebensmittel ein und finden die Touristinfo wieder – in einem Haus aus runden Flusssteinen, vor dem uns vor 28 Jahren auf der Wiese eine Indianertanzvorführung  faszinierte.

Zur Übernachtung fahren wir wieder auf den Whistler Campground, denn für morgen ist voller Sonnenschein vorhergesagt und da wollen wir den Icefields Parkway nochmal im Sonnenschein und in Gegenrichtung befahren.

Icefields Parkway von Lake Louise bis Jonas Creek Campground ( 77 km vor Jasper)

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Samstag, 09.Juli 2022

In Lake Louise hält uns nichts mehr. Wir brauchen aber noch Kleingeld für die Campgrounds mit Selbstregistrierung. Man kann zwar auch mit der Kreditkarte zahlen, indem man ein Formular ausfüllt und dabei unter anderem auch den Sicherheitscode der Kartenrückseite angibt und dann in die Bezahlbox wirft. Nee, nee, wer weiß….. Wir zahlen bar, aber dafür brauchen wir kleine Scheine und Münzen. Einkaufen in Lake Louise ist Halsabschneiderei, also lassen wir nur einen Schein wechseln. Auf dem dortigen Campground, der eigentlich sehr schön, aber immer überfüllt ist, kann man dumpen. Dann geht es auf den Icefields Parkway Richtung Jasper.

Den ersten Fotostopp machen wir am Parkplatz Bow Summit / Peyto Lake. Eine 20 – minütige Wanderung bringt uns auf 1960 Meter Höhe mit herrlicher Aussicht auf den Bow-Gipfel und den in tollen Türkisschattierungen glänzenden Peyto Lake in der Tiefe.

Der Parkway ist landschaftlich wirklich reizvoll.

Immer wieder warnen Schilder vor kreuzenden Hirschen und Bären – doch nicht einen einzigen bekommen wir zu Gesicht.

An den Waterfowl Lakes, 170 km vor Jasper, wollen wir uns den dortigen Campground anschauen. Es ist ein „first come, first served, selfregistration“ -Platz. Um 13 Uhr stehen die Sterne noch günstig für große Platzauswahl.

Eine andere Touristin rät uns, weiter zu fahren bis zum Wilcox Pass – Camping.. Der sei wunderschön und man könne eine tolle Wanderung mit breathtaking views machen. Wir lassen uns überzeugen und fahren weiter über den 2029 Meter hohen Sunwapta – Pass, der die Grenze bildet zwischen Banff- und Jasper – Nationalpark bis Wilcox Pass-Camping in 1996 Metern Höhe. Es gibt noch frei Plätze, die aber für unser Auto recht klein sind. Und als ich dann feststelle, dass die Wanderung dort als „difficult“ und „steep“ in der schwarzen Kategorie aufgelistet ist, fahren wir weiter. In solcher Höhe steile Wege zu gehen schaff ich nicht. Mir wird dann schlecht.

Nächster Stopp nach 3 Kilometern ist das Icefield Centre am Athabasca Gletscher. Bereits vor 28 Jahren war er deutlich abgeschmolzen, doch jetzt sieht er erschreckend mager aus. Noch immer karrt man gut zahlende Touris auf der Seitenmuräne in Bussen bergauf bis an den Rand des Eisfeldes. Dort steigen sie um in Spezialfahrzeuge und werden auf ein präpariertes Gletscherfeld gebracht.

Wir fahren weiter, und passieren beim Wegfahren einen mit „Skywalk“ beschrifteten Parkplatz. Hier hätten wir anhalten müssen, um für teures Geld in einen Bus umzusteigen, der uns 3 Kilometer weiter zu einer Aussichtsplattform mit gläsernem Boden gebracht hätte. Dies wird uns allerdings erst klar, als wir die Plattform passieren und keine Chance mehr haben, dort anzuhalten. Was es zu sehen gab, können wir nicht berichten. Sei’s drum.

Wir erfreuen uns kurz darauf an den Bridal Falls

und den ordentlich donnernden Tangle Falls.

Nach weiteren 20 Kilometern finden wir auf dem ganz kleinen Jonas Creek -Campground einen schönen Platz. Dort treffen wir auf zwei bayrische Radler, die mit Zelt in Vancouver gestartet sind und in drei Wochen hier, nahe Jasper, bereits 1990 Kilometer abgestrampelt haben. Sie haben noch einiges vor, bis sie nach insgesamt 6 Wochen von Vancouver aus wieder zurückfliegen. Sie hatten jede Menge Bärenkontakte, da sie langsam und leise unterwegs sind und die Tiere sie nicht hören. Da sei eine Grizzlybegegnung auf 3 Metern Distanz nichts Außergewöhnliches. Wir entzünden wieder ein Lagerfeuer, doch leider treibt uns nach einer Stunde der Regen ins Auto.

Wiederhole nie, was du in schönster Erinnerung hast !

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Freitag, 08. Juli 2022

Wir haben uns den Wecker auf 6 Uhr gestellt, denn laut Information des Touristencenters sollte man zwischen 6.30 Uhr und 7 Uhr auf einem der Parkplätze am Lake Louise angekommen sein, um sicher noch einen Platz zu bekommen. Das schaffen wir, parken ein und legen uns nochmal schlafen.

Dann machen wir uns landfein, denn wir wollen zum Frühstück in das Edel Hotel Fairmont Lake Louise – wie vor 28 Jahren. Die Enttäuschung, die wir dann erleben, liegt nicht nur am Regenwetter, die Gartenanlage ist teilweise ungepflegt und den so geliebten Islandmohn in den Farbschattierungen weiß, gelb, orange und tiefrot gibt es nicht mehr.

Das Hotel wurde offensichtlich auch baulich vergrößert und Frühstück (?) hier (?) nur für Hausgäste und die müssen teilweise noch 15 Minuten warten „to be seated“. Ob wir denn vielleicht Gäste seien im Fairmont Springs Hotel in Banff, dann ginge vielleicht noch etwas? Good memories – I’m so sorry. Aber es gibt einen Kaffeekiosk am anderen Ende des Hotel als Take away. Nein, danke! Da frühstücken wir doch lieber im Womo.

Der Kühlschrank, er lief über Nacht auf Gas, ist wieder abgetaut. Als zweiten Reparaturversuch packe ich unseren Kompressor aus und puste reichlich Schmutz und Rostpartikel aus dem Brennerbereich des Kühlschranks. Da die beiden Ausfälle bei Gasbetrieb stattfanden, haben wir die Hoffnung, dass er uns nun weiter zu Diensten ist. Das hat schließlich schon einmal an der Weser bei einem Mitcamper geholfen. Nach einem schönen Spaziergang mit vielen Mitmenschen ans Ende des Sees und wieder zurück kühlt der Kühlschrank jedenfalls wieder – im Gasbetrieb.

Den weiteren Nachmittag verbringen wir damit, Pläne zu machen, wie es weiter gehen soll. Weiter auf alten Spuren bleiben oder Neues entdecken und die guten alten Erinnerungen als solche zu bewahren?

Den Icefield-Parkway bis Jasper werden wir auf alle Fälle befahren mit der Option, nach Edmonton zur Kühlschrankreparatur zu gelangen oder – wenn er durchhält – weiter in den menschenleeren Norden.