12.04 2026 – 13.04.2026
Wir erreichen den Hafen um 10.45 Uhr. Es ist wie immer: chaotisch, unstrukturiert, unfreundlich. Die überheblichen Einweiser sollten sich mal ein Beispiel nehmen am Personal der Skandinavienfähren und deren Organisationstrukturen. Für Nachahmer sei angemerkt: nach Ankunft im Hafen in das Check in Büro im 1. Stock gehen, sich die Kabinentickets holen und die zusätzlich erforderliche tunesische Einreisegebühr bezahlen. In unserem Fall für 2 Personen + Womo sind das 28,80 €. Ein Formular muss ausgefüllt werden mit Namen und Passdaten der in Tunesien einreisenden Personen, vorher kommt man nicht aufs Schiff.





Da die gebuchte Fähre ausgetauscht wurde gegen das erst 2026 fertiggestellte neue Fährschiff Aurora, erhielten wir eine andere, schlechtere Kabine als gebucht. Die am 08.04. abgesetzte Email, die uns vorab informieren sollte, wurde uns aber heute erst angezeigt, nachdem wir schon an Bord waren. Auf diesem neuen Schiff, von den Chinesen gebaut, gibt es weniger Suiten und für uns war keine mehr frei. Dafür Essensgutscheine und Erstattung des Differenzbetrages. Nun sitze ich auf einem Hockerle, komme mir vor wie ein Kind am zu hohen Schreibtisch, während ich anfange, den Blog zu schreiben. Die Matratzen sind ganz dünn und knochenhart, morgen haben wir bestimmt blaue Flecken.
Die Aurora fährt mit LNG statt mit Diesel und ist schneller, und so kommen wir bereits um 14.30 Uhr deutscher Zeit – 2 Stunden früher – in La Goulette an, einem Vorort von Tunis. Die Ausfahrt verläuft überraschend diszipliniert, keiner hupt oder versucht sich vorzudrängeln.
Passkontrolle geht zügig für alle. Der Zoll ist für die Landsleute ein Offenbarungseid. In vielen, teils überdachten Reihen stehen die tunesischen Autos und haben alles ausgeladen.
Bei den Touristen geht es anders, aber die Anweisungen und Informationen sind spärlich und unvollständig. Im Grunde läuft es so: Man geht mit Pass, Zulassungsschein, für Tunesien freigeschaltetem grünen Versicherungsschein und dem schon zu Hause ausgedruckten QR Code zum Schalter Nr. 4. Dort erhält man ein Durchschlagspapier mit der Genehmigung, das Fahrzeug in Tunesien benutzen zu dürfen. Damit muss man schräg gegenüber zur Polizeistation, die jetzt das Fahrzeug in den Pass einträgt. Bewaffnet mit Pass, Durchschlagspapier mit Genehmigung zurück zum Zollofficer. Der nimmt den Durchschlag, schaut nicht ins Fahrzeug und fragt nicht nach zu verzollenden Gütern, sondern wünscht gute Fahrt, indem er den Durchschlag stempelt und etwas hinkritzelt. Am Hafenausgang muss man dann dieses Papier abgeben und ist eingereist. Es hat mehr als eine Stunde gedauert um das herauszufinden und alles beisammen zu bringen, und so können wir das Hafengelände um 16.30 Uhr verlassen.
Warnung vor dem Geldautomaten in diesem Areal – er funktioniert nicht.
Es ist Sonntag, der Carrefour ist geöffnet, Tankstellen in Tunis akzeptieren die Mastercard, der Liter Diesel kostet 75 Cent 😊 😊 😊, für den Kauf einer Sim Card fahren wir zum Flughafen. Parken vor der Abflugebene, im Gebäude runter in die Ankunftsebene, dort ist ein Telekomladen. Für 20 Dinar und gegen Passvorlage erhalten wir eine Sim Karte, gültig für 1 Monat.
Als Übernachtungsplatz wählen wir in Park4night einen Parkplatz am Meer in Sidi Bou Said, einer als sehr sehenswert beschriebenen Stadt nahe Tunis. Bis in die Nacht hinein ist es sehr laut, Poser gibt’s hier reichlich. Doch dann wird es ruhig und wir können bis 7.30 Uhr (deutsche Zeit 8.30) wunderbar schlafen.



Gegen Mittag laufen wir bergauf in den Ort Sidi Bou Said. Weiß getünchte Häuser, blaue Türen und Balkonbrüstungen sind Markenzeichen, ebenso die Nägel in den Türen, die etwas über den Wohlstand aussagen.






















Die Expressionisten Paul Klee, August Macke und Louis Moilliet reisten 1914 zwei Wochen durch Tunesien, unter anderem auch nach Sidi Bou Said. Licht, Farben und Formen haben sie begeistert und sollen ihren Stil maßgeblich beeinflusst haben.

Das Städtchen ist quirlig, die Verkäufer sind freundlich und absolut unaufdringlich, es könnte ein Schmuckstück sein, wenn es sauberer wäre.
Wir stärken uns mit einem/einer? Manakiche, das ist ein dünner, knuspriger Hefeteigfladen mit verschiedenen Füllungen – sehr lecker.



Der Himmel färbt sich bedrohlich schwarz und bald öffnet er seine Schleusen. Glücklicherweise haben wir Schirme im Rucksack und schaffen es ziemlich trocken zurück ins Womo. Die Wettervorhersage für die nächsten Tage sieht im Norden überall gleich aus: Regen. Die Küste macht da wenig Sinn, also fahren wir 128 km südwestlich ins Land hinein, um uns morgen die antike römische Stadt Dougga anzuschauen. Wir stoppen direkt an der P 5 auf dem Parkplatz des Restaurants „Espace Bicha“, wo wir gleich noch essen werden – nicht ruhig, aber sicher soll es sein.












































